Um 4.40 klingelt der Wecker. Für die Mönche im Kloster Münsterschwarzach heißt es: auf zum Morgengebet. In der vergangenen Woche allerdings waren die Patres und Brüder nicht allein, sondern hatten Gäste dabei, die bei einem mehrtägigen Aufenthalt erfahren konnten, wie es ist, in einem Kloster zu leben.

Pater Frank Möhler, Novizenmeister, und Bruder David Hergenröder, Subprior, leiten den Kurs „Mönch auf Zeit, Kloster auf Zeit“. Die Teilnehmer erleben den Tag dabei genauso wie die Mönche, lernen die Gebetszeiten kennen, arbeiten vormittags etwas Handwerkliches in der Gärtnerei, in der Voltigierhalle, in der Schmiede oder in der Bücherei sowie Bibliothek, sind im Chorgestühl dabei und essen mit den Mönchen im Refektorium. „Man ist vielfältigsten Eindrücken ausgesetzt und hat ein gutes Programm“, berichtet Thomas (40 Jahre), aus dem Raum Nürnberg. Der Aufenthalt im Kloster sei kein Urlaub, bei dem man sage: „Ich lass jetzt mal meine Seele baumeln“, findet er. „Im Kloster herrscht eine Grundruhe, man ist mal aus der säkularen Welt herausgerissen. Es ist ein ganz eigener Geist, wenn man hier reinkommt.“

Zeit für Rekreation

Am Nachmittag haben die Teilnehmer Zeit zur Rekreation, also zur Erholung, um verbrauchte Kräfte wieder herzustellen. Die eine macht einen Mittagsschlaf, während ein anderer vielleicht Tagebuch schreibt. Simon, 27, aus Dresden, nimmt sich Zeit, um die Bücher zu lesen, die in den letzten Wochen liegen geblieben sind. „Durch Meditation am Abend leiten wir auch nochmal an, zur Ruhe zu kommen und über das Erlebte nachzudenken“, sagt P. Frank Möhler. Danach gibt es noch Impulse zum religiösen Leben im Kloster. Die Mönche informieren zum Beispiel über die Benediktsregel oder erzählen von den Herausforderungen des christlichen Lebens. „Da kommen die Welt des Klosters und die der jungen Menschen direkt in Berührung“, weiß P. Frank. Diesmal gibt es zusätzlich eine geistliche Kirchenführung und den Kreativtag am Freitag, an dem die Teilnehmenden selbst etwas gestalten können.

Der Kurs gefällt den Männern sehr gut. „Gerade wenn man direkt aus dem Spannungsfeld Familie und Beruf kommt – dann bin ich da bewusst mal für eine Woche raus. Ich nutze das auch mal als Klausur, um zu mir selbst zu kommen und mich mehr mit meinem Glauben auseinanderzusetzen“, erklärt Thomas. Eine ganz neue Erfahrung für viele ist die tägliche Hinwendung zu Gott. So auch für Simon: „Die wirkliche Hinwendung zu Gott im Alltag ist etwas ganz Neues. Im Alltag habe ich sonst wenige Leute, die offen gläubig sind.“

Persönliche Gespräche

Der Kurs bietet die Möglichkeit, mit den Mönchen ins persönliche Gespräch zu kommen. „Wenn man nach dem Abendessen mit den Brüdern spazieren geht und sich dann Gesprächsgruppen bilden, ist das hochinteressant. Wir werden auf der einen Seite mit einer wahnsinnigen Gastfreundschaft aufgenommen, auf der anderen Seite ist es aber schon noch eine andere Welt, in die man so von außen hereinschnuppert“, findet Thomas. Die Teilnehmer und die Mönche tauschen sich über Spirituelles, aber auch über ganz Alltägliches aus. „Da stellt man dann fest: Der Mensch in der Ordenstracht, der mir gegenübersteht, der hat auch Gedanken und Ideen wie ich, der ist vielleicht gar nicht so anders als ich“, hat der Nürnberger erfahren. „Mit einem Postulanten habe ich mich zum Beispiel über das 40-Werden unterhalten, was das so mit einem macht. Als Priester hatte er ja da auch nochmal eine ganz andere Ausgangssituation als ich“, erzählt Thomas.

Er und die anderen Teilnehmer haben auch die Gelegenheit, mit Abt Michael Reepen zu sprechen, was besonders die Generation Ü30 interessiert, die beruflich aus dem Führungsbereich kommt. Der Abt bekomme immer alle möglichen Fragen gestellt, auch zur Strukturierung des Klosters. Nicht alle Teilnehmenden sind dem Glauben sehr stark verbunden oder zwangsläufig katholisch. Einige sind zwar kirchlich orientiert oder sozialisiert, manche aber auch nur religiös oder am Kloster interessiert. „Ein evangelischer Christ, der Erfahrungen mit Buddhismus hat und Rosenkranz betet – also das gibt es hier alles. Es ist immer sehr vielfältig bei uns in den Kursen“, erzählt P. Frank Möhler. Für viele Teilnehmende sei das Kloster auch ein Sehnsuchtsort, ein Andersort: „Da erlebe ich mal, wie das Leben ganz anders sein kann“, berichtet der Kursleiter. Einige besuchen den Kurs also auch aus der Motivation heraus, mal eine Art Gegenwelt erfahren zu wollen. Manche lesen auch geistliche Bücher von Pater Anselm Grün oder anderen Mönchen und werden so auf das Kloster in Münsterschwarzach aufmerksam.

Wie beliebt die Kurse sind, zeigt die Tatsache, dass zwar die meisten Teilnehmer aus dem Umkreis von 100 Kilometern stammen, manche aber auch weite Wege auf sich nehmen, um in Münsterschwarzach dabei zu sein. Aus dem Schwarzwald und sogar aus der Schweiz sind diesmal Männer dabei. Beliebt sind auch die Wochenendkurse des Klosters auf Zeit, da man für die vier Tage nicht viel Urlaub nehmen müsse, so P. Frank Möhler. Die Kurse sind immer ausgebucht, aber nachdem der Kurs vergangene Woche der erste seit November war, war die Nachfrage diesmal besonders hoch.

Das Ziel des Kurses

„Wir als Kloster möchten den jungen Männern mitgeben, dass sie kennenlernen, was es heißt, als Mönch zu leben; dass sie das konkret erfahren. Es gibt ja alle möglichen Vorstellungen aus Filmen oder Büchern heraus.“ Auch geht es darum, den jungen Leuten das Leben im Kloster als wählbare Lebensform zu eröffnen, daher sind nur Teilnehmende bis 40 Jahre zugelassen. Wer dann dem Kloster wirklich beitreten oder es sich nochmal genauer anschauen oder den Einblick vertiefen möchte, kommt dann meistens nochmal als Einzelgast, als sogenannter Aspirant, für etwas längere Zeit in das Kloster, so der Kursleiter. Das können dann nochmal zwei Wochen oder sogar drei Monate sein. „So eine Lebensentscheidung trifft man noch nicht nach einer Woche im Kloster.“ Viele würden in der Zeit auch für sich erkennen, was sie wirklich suchen, und schlagen dann nochmal einen ganz anderen Lebensweg ein als vorher, außerhalb des Klosters, erklärt P. Frank Möhler.

Bedürfnisse haben sich verändert

Der Kurs ist aber nicht nur für die Teilnehmer spannend. Auch für die Mönche sei es immer wieder interessant, die Bedürfnisse und Sehnsüchte der jungen Leute, die religiös oder geistig auf der Suche sind, zu erleben und kennenzulernen. Dabei merke man, dass die Coronazeit viel Nachdenklichkeit mit sich gebracht habe, ob ein Leben, das hauptsächlich von persönlichem Erfolg und Weiterkommen geprägt ist, wirklich alles sei oder ob es nicht auch noch alternative Lebensweisen gebe, erklärt der Novizenmeister. Im Laufe der letzten Jahre habe sich auch die Beziehung der jungen Leute zur Kirche verändert: „Sie ist anders geworden in den letzten Jahren, viel lockerer“.

Und wie sieht es mit dem Nachwuchs des Klosters in Münsterschwarzach aus? „Anfragen, also Erstinteresse, haben wir relativ viele aktuell“, so der Novizenmeister. Die letzten Jahre haben sich durchschnittlich zwei junge Männer im Jahr dafür entschieden, dem Kloster dann auch wirklich beizutreten, im nächsten Jahr werden es ebenfalls zwei bis drei sein. „Für die heutige Zeit sind wir damit zufrieden, wobei es natürlich immer mehr sein könnten“, sagt P. Frank Möhler lächelnd. Das Durchschnittsalter derjenigen, die beitreten, hat sich in den letzten Jahren erhöht und liegt jetzt bei Mitte 30. Manche Novizen seien aber auch Ende 20 oder Ende 30. Die meisten haben eine Ausbildung oder ein Studium absolviert und treten dann bei.