Die heiße Phase hat begonnen. Rund 35.000 bayerische Schüler bereiten sich intensiv auf das bevorstehende Abitur vor. Sie alle verbindet eine Besonderheit: Ihr letztes Schuljahr war durch Corona geprägt von Unsicherheit und ständigen Veränderungen.

Frank Nehling ist Oberstufenkoordinator am Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen. 134 Schüler sind dort für das Abitur angemeldet. Ein starker Jahrgang, der schon in normalen Jahren eine Menge Organisationstalent erfordert. In diesem Jahr kommt einiges dazu. „Wir haben schon im Januar Kontakt mit anderen Schulen aufgenommen, um eine richtig große Halle für die schriftlichen Prüfungen zu finden“, berichtet Nehling. Schließlich müssen Abstände eingehalten, maximale Belegungen berücksichtigt werden. In die beiden eigenen Schulturnhallen passen eingedenk dieser Vorgaben maximal 90 Schüler. Für die verbleibenden 45 Schüler müssten dann andere Räume bereit gestellt werden. Organisatorisch nicht ganz einfach, aber lösbar. „Wir brauchen ja auch jede Menge Aufsichten“, erinnert Nehling. „Ohne, dass der normale Unterricht darunter leidet.“

268 Kolloquien in acht Tagen

Besonderes Kopfzerbrechen bereiten ihm die mündlichen Prüfungen, die so genannten Kolloquien. 268 müssen in acht Tagen über die Bühne gehen. Eine logistische Herausforderung. „Zumal wir ja auch jeweils einen Raum für die Vorbereitung zur Verfügung stellen müssen.“ Rund 100 Schüler werden alleine im Hörverständnis Englisch geprüft. Unter den geltenden Richtlinien dürfen aber nur maximal 15 gleichzeitig in einen Raum.

Trotz all der Schwierigkeiten in Vorbereitung und Durchführung ist Nehling überzeugt, dass kein Schüler benachteiligt wird und dass der Jahrgang 2020/2021 alles andere als ein Schmalspurabitur absolvieren wird. Er begrüßt die Regelung des Kultusministeriums, die Prüfungen in diesem Jahr rund zwei Wochen später als sonst zu terminieren. Und weil es in den letzten Wochen nur noch Schulaufgaben in den Prüfungsfächern gab, wurde zusätzlich Druck herausgenommen. Zwar hätte der aktuelle Abi-Jahrgang von Mitte Dezember bis Mitte Februar keine Schule von innen gesehen. Aber die beschlossenen Kompensationen würden das ausgleichen. Zumal Einschränkungen im Prüfungsstoff schon im vergangenen Herbst verkündet worden sind.

Marcel Hildebrand fühlt sich denn auch gut vorbereitet, auch wenn der Online-Unterricht den Präsenzunterricht nicht adäquat ersetzen konnte. „Die Lerninhalte sind trotzdem gut vermittelt worden“, sagt der 17-Jährige. Gespannt und mit einer Portion Respekt geht er in die nächsten intensiven Wochen der Vorbereitung. „Aber nicht mit allzu großen Sorgen.“

Grundsätzlich positiv ist auch Amelie Brück eingestellt – auch wenn der Distanz-Unterricht in den Wintermonaten für sie nicht unbedingt ideal verlief. „Das Internet daheim ist oft abgestürzt“, erinnert sie sich mit Grausen. Generell hätten die Schüler in dieser Zeit weniger Aufmerksamkeit von ihrer Lehrern bekommen als vor Ort, in der Schule. „Kann ich auch verstehen“, sagt die 17-Jährige. „Das war für alle Beteiligten eine schwere Zeit.“ Vor allem die wechselnden Ankündigungen und Vorschriften hätten ihre Spuren hinterlassen. In manchen Fächern sei die Stoffvermittlung noch nicht so weit fortgeschritten, wie es zu diesem Zeitpunkt eigentlich sein müsste. Bis zum 12. Mai will sie sich aufs Wesentliche konzentrieren und ist entsprechend froh, dass die Nebenfächer nach Ostern nicht mehr im Fokus stehen.

Digitalisierung vereinfachen

Oberstufenkoordinator Nehling hofft unterdessen, dass die Erfahrungen der letzten Monate nicht umsonst waren. Er wünscht sich für die kommenden Jahre bei der Abitur-Vorbereitungen vor allem einen deutlich einfacheren und dennoch datenschutzkonformen Austausch – mit Schülern, Eltern und Kollegen gleichermaßen. Bislang muss er auf unterschiedlichen Kommunikationsplattformen präsent sein und zu Spitzenzeiten auch mal einige hundert Dokumente innerhalb weniger Tage bearbeiten. „Die Posteingänge sind fast immer voll“, sagt er und kann trotzdem noch lachen – selbst wenn es sich um seinen Privatrechner handelt.

Am 12. Mai beginnen die schriftlichen Prüfungen, nach den Pfingstferien sind dann die mündlichen dran. Wer möchte, kann zwei Wochen nach dem Abitur Schulaufgaben nachholen, um seine Note zu verbessern. Auch das ein Entgegenkommen für den aktuellen Jahrgang. Je nachdem, wie es angenommen wird, beschert es den Lehrern noch einmal zusätzliche Arbeit.