Sechs Referenten hat der Stadtrat Kitzingen Mitte Dezember bestimmt. Sechs Menschen, die für ihre jeweiligen Themenbereiche das Beste erreichen wollen. Welche Ziele und Vorstellungen sie verfolgen, stellen wir in den nächsten Tagen und Wochen vor. Heute: Dr. Stephan Küntzer, Referent für Jugend, Familie und Bildung:

Er versteht sich als Mittler, als Antreiber und Ideengeber. Dr. Stephan Küntzer füllt das Amt des Referenten für Jugend, Familie und Bildung gerne aus. Die Kinder- und Jugendarbeit bezeichnet er als Herzensangelegenheit. „Deshalb bin ich Kinderarzt geworden.“

Von 2002 bis 2005 war Küntzer Stadtrat, 2014 ist er wieder ins Gremium gewählt worden und hat die Nachfolge von Hiltrud Stocker als Referent angetreten. Sein Ziel: Kitzingen als kinderfreundliche Kommune etablieren, das Thema Jugend und Bildung in den Köpfen der Menschen implementieren. „Wir müssen bei jedem Thema die Belange der Kinder und Jugendlichen mitdenken“, formuliert er seinen Wunsch. Der Stadtrat sei diesbezüglich aufgeschlossen. Aber natürlich gebe es immer Verbesserungspotenzial.

Als Schulstandort sei Kitzingen grundsätzlich gut aufgestellt. Einen Mehrbedarf sieht Küntzer bei der Sozialarbeit. Nicht nur die Kinder, auch die Eltern bräuchten oft Hilfe und Unterstützung. Um möglichst jedem Kind die gleichen Bildungschancen zu eröffnen, sei die Arbeit in deren Umfeld wichtig. „Als Kinderarzt erlebe ich mitunter auch Negatives“, sagt Küntzer und berichtet von sozialer Vernachlässigung bis hin zu Misshandlungen. Die Kinder- und Jugendarbeit müsse deshalb oft schon bei den Eltern anfangen. Entsprechende Angebote seien wichtig.

Die Arbeit von JungStil, der Jugendarbeit der Stadt Kitzingen, bezeichnet er als „richtig gut“, auch die Familienstützpunkte seien eine „super Einrichtung.“ Dennoch sieht er die Gefahr, dass eine ganze Generation von Jugendlichen verloren geht. „Seit Jahren fehlt ein Raum für die Jugendlichen in der Stadt“, bedauert er. Mit dem Umzug von JungStil vom Bürgerzentrum ins Stadtteilzentrum in der Siedlung sei dieses Angebot verloren gegangen. Kein Raum für Musikproben, kein Treffpunkt für größere Gruppen. „Wo sollen sich die jungen Menschen in Kitzingen treffen?“, fragt Küntzer.

Die viel diskutierte Investition in das neue Haus für Jugend und Familie, das im Umfeld der Florian-Geyer-Halle entstehen soll, sei schon aus diesem Grund notwendig. „Das ist gut investiertes Geld“, versichert Küntzer.

„Kinder und Jugendliche haben nachmittags nicht immer eine Bezugsperson.“
Stephan Küntzer, Referent für Jugend, Familie, Bildung

9,5 Millionen Euro soll das neue Domizil kosten, das bis ............stehen und den jungen Menschen eine feste Bezugsstelle bieten soll. Küntzer sieht das Projekt als Investition in die Zukunft. Gesellschaftliche Prozesse verändern sich, die Unsicherheit nehme zu, das Bild von Familie verändere sich zunehmend.

Eltern, die beide berufstätig sind, alleinerziehende Mütter oder Väter, Großeltern, die nicht mehr in der Nähe wohnen: „Kinder und Jugendliche haben nachmittags nicht immer eine Bezugsperson“, bedauert Küntzer. Es sei zunehmend die Aufgabe von Kommunen und Städten, diese Lücke auszugleichen und den Kindern und Jugendlichen Halt zu geben. Eine Arbeit, die sich nicht anhand von festen Kennzahlen messen lässt. „Nur ideell“, sagt Küntzer. Nichtsdestotrotz sei diese Arbeit wichtig und notwendig.

Mit zwei Gremien berät sich Küntzer regelmäßig. Als „Task Force“ bezeichnet er die Mitglieder von Stadtrat und Verwaltung. Tiefergehende Beratungen finden in einem größeren Kreis statt, zu dem Vertreter von Schule, Kindergarten, Polizei, Rappelkiste, AWO, Caritas und vielen mehr zählen. Vier bis sechs Sitzungen sind pro Jahr vorgesehen.

Im Durchschnitt investiert er vier bis fünf Stunden Zeit pro Woche in seine Referententätigkeit. „Zu tun gibt es genug“, sagt er und zählt ein paar kleinere Projekte auf: Die Spielplätze begutachten, die Taschengeldbörse organisieren, einen geeigneten Platz für Biker und Sprayer finden, den Verkehr in der Innenstadt möglichst familienfreundlich gestalten.

Wer in die Jugend investiert, der investiert in die Zukunft. Stephan Küntzer ist das völlig klar. Das Referat ist nicht umsonst eine Herzensangelegenheit für ihn.