Ein dreiviertel Jahr hat er daran gearbeitet. Seine Ausdauer und Detailgenauigkeit sind belohnt worden. Johannes Bauer hat den Preis des Bayerischen Clubs zur Förderung der bayerischen Kultur erhalten. Als einer von fünf Abiturienten des Jahrgangs 2020.

„Das ist das i-Tüpfelchen auf eine super Aktion“, freute sich der Schulleiter des Gymnasiums Steigerwald-Landschulheim Wiesentheid, Achim Höfle, bei einer improvisierten kleinen Feier. Normalerweise hätte Johannes Bauer den Preis von Landtagspräsidentin Ilse Aigner im Münchner Maximilian überreicht bekommen – wegen Corona musste die Veranstaltung abgesagt werden. Der 18-Jährige erhielt seine Urkunde und Würdigung per Post. „Die Preisträger haben mit ihren Arbeiten eindrucksvoll bewiesen, was für ein Potenzial in dieser Generation steckt“, schrieb Aigner. Hubert Behr will da keinesfalls widersprechen.

„Die Preisträger haben mit ihren Arbeiten eindrucksvoll bewiesen, was für ein Potenzial in dieser Generation steckt.“
Ilse Aigner, Landtagspräsidentin

Der Religionslehrer hatte 2018 ein W-Seminar mit dem Titel „Bildstöcke unserer Heimat“ angeboten. Dass sich 15 Schüler anmeldeten, war für ihn eine erfreuliche Überraschung. Dass die überwiegend männlichen Teilnehmer eineinhalb Jahre viel Spaß mit dem Thema hatten, freut ihn auch heute noch. Behr konnte mit dem Thema Beruf und Hobby verbinden. Seit seiner Studienzeit interessiert er sich für die fränkischen Bildstöcke. Sein Ziel: Die Seminarteilnehmer sollten den Blick für die vielfältigen Flurdenkmale schärfen, die der unterfränkischen Landschaft ihren unverwechselbaren Charakter geben.

Und tatsächlich: Die jugendlichen Kursteilnehmer investierten viel Zeit und Arbeit in das Thema – vor allem, als sie eine Ausstellung dazu im Wiesentheider Pfarrhaus und später im Kitzinger Landratsamt konzipieren sollten. „Ganze Vormittage haben wir mit der Vorbereitung verbracht“, erinnert sich Behr. Mehr noch: Die Ausstellung stieß eine neue Diskussion über die Bedeutung der Bildstöcke an und hatte ganz praktische Auswirkungen. Bestes Beispiel: Der Bürgermeister von Prichsenstadt, René Schlehr, leitete aufgrund des Inputs die Restaurierung eines eingefallenen Bildstocks auf seiner Gemarkung in die Wege. Sponsoren wurden gefunden, Fördergelder beantragt. „Der Bildstock ist jetzt bei einem Steinmetz in den Hassbergen“, freut sich der Religionslehrer.

„Jeder Bildstock erzählt eine eigene Geschichte.“
Johannes Bauer, ausgezeichneter Abiturient

Bei allem Engagement: Die Arbeit von Johannes Bauer ragte heraus. Statt der üblichen 10 bis 15 Seiten schrieb er rund 50 Seiten über das Wirken von Jacob Bindrim. Der lebte im 18. Jahrhundert im Geburtsort von Bauers Mutter, in Saal an der Saale. „Er hinterließ seiner Nachwelt Barockbildstöcke von einzigartig filigraner Qualität“, schwärmt Behr und berichtet von mehrstöckigen Bildstöcken, teilweise mit eingearbeiteten Säulen. „Fast so gestaltet wie eine Barock-Kirche“, erklärt der Lehrer. „Diese Werke machen noch heute sprachlos.“ Johannes Bauer fand die richtigen Worte, um sie zu beschreiben. Dafür hat er viel Zeit investiert.

Er suchte Kontakt zu den Kreisheimatpflegern Dr. Hans Bauer und Reinhold Albert, inventarisierte die Bildstöcke Bindrims und erschloss deren Inschriften und Reliefdarstellungen. „Jeder Bildstock erzählt eine eigene Geschichte“, berichtet der 18-Jährige. Auftraggeber waren oft die Bürgermeister, Pfarrer oder Händler vor Ort. Oft geht es um Danksagungen, mitunter auch um Trauerbewältigung. Johannes Bauer erinnert sich an einen Bildstock, der die Geschichte eines Vaters erzählt, der beim Holzfällen seine eigene Tochter verlor. Der Baum, den er fällte, begrub das Mädchen unter sich.

Der 18-Jährige hat das Geburtshaus Bindrims besucht und seine Werke fotografiert. So entstand ein umfangreiches Werk, das den Leser – wie es Hubert Behr ausdrückt – „mitnimmt auf die Reise in ein Stück fränkischer Kultur“. Was den Lehrer besonders freut: Zwischen den Zeilen hat er immer den Appell an den Leser erkannt, sensibel und verantwortungbewusst mit dem Vermächtnis Jacob Bindrims umzugehen.

Dass dieses „Exotenthema“ auch in München registriert wird, habe er dem Autor, Johannes Bauer, von Herzen gewünscht, betonte Behr bei der improvisierten Feier in Wiesentheid. Dass sich junge Menschen der Bildstöcke mit Herz und Verstand annehmen und den Blick für kulturelle Schätze schärfen, sei keine Selbstverständlichkeit. „Für mich ist das ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft“, so Behr.

Johannes Bauer hat im Sommer sein Abitur gemacht und studiert mittlerweile an der Uni Würzburg das Fach Geovisualisierung. Das wissenschaftliche Arbeiten hat er im W-Seminar von Hubert Behr gelernt. Es wird ihm in seinem Berufsleben helfen.