Landkreis Kitzingen Die Vielfalt an Selbsthilfe- und Helfergruppen im Landkreis Kitzingen ist enorm – das macht die neue Infobroschüre des Landratsamtes deutlich, die das Angebot gebündelt vorstellt. Herbert Köhl leitet die Fachstelle für bürgerschaftliches Engagement und Seniorenfragen. Ihm und seinem Team war es ein großes Anliegen, die wertvolle Arbeit der engagierten Gruppen so einmal mehr in den Blickpunkt zu rücken.

Frage: 28 Selbsthilfegruppen ist eine stolze Zahl. Eine gewachsene Zahl? Und wenn ja, wie erklären Sie sich den Anstieg der Gruppen?

Herbert Köhl: Die Anzahl der Selbsthilfegruppen im Landkreis Kitzingen ist in den letzten Jahren leicht gestiegen. Manche Gruppen haben ihre Arbeit eingestellt – zum Beispiel Borreliose und Amalgamgeschädigte. Andere sind dazugekommen – unter anderem Depression. Zum Zeitpunkt der Erstauflage der Broschüre im Jahr 2014 zählten wir 25 Selbsthilfegruppen im Landkreis, derzeit sind es 28 Gruppen.

Welche Bedeutung sprechen Sie den Selbsthilfegruppen im Landkreis zu?

Herbert Köhl: Die Selbsthilfegruppen sind zu einem festen Bestandteil des sozialen Lebens geworden. Die regelmäßigen Treffen und der inhaltliche Austausch mit Gleichgesinnten sind für Betroffene eine unschätzbare Hilfe zur Bewältigung von Krankheiten und Krisen.

Wie haben die Leiter der Selbsthilfegruppen die Corona-Zeit erlebt?

Herbert Köhl: Gerade für die Arbeit der Selbsthilfegruppen war es sehr problematisch, dass die Treffen nicht mehr stattfinden konnten. Wo immer es ging, wurde seitens der Verantwortlichen der telefonische Kontakt verstärkt oder es wurden andere Alternativen ausprobiert. Es gab immer wieder Anfragen im Landratsamt, wann wieder ein geregelter Ablauf der Gruppentreffen möglich sein würde. Diesbezüglich war man auch stets mit der Sprecherin der Selbsthilfe- und Helfergruppen, Barbara Ettinger, im Kontakt.

Was hat das Landratsamt dazu bewegt, so einen „Ratgeber“ aufzulegen?

Herbert Köhl: Unsere Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Seniorenfragen unterstützt die Selbsthilfe- und Helfergruppen bei ihrer Arbeit, beispielsweise durch das Angebot von Info- und Austauschtreffen für die Leiter. Bei einem dieser Treffen zum Thema „Öffentlichkeitsarbeit“ hat unsere Fachstelle angeboten, zusätzlich zu den vielen individuellen Flyern und Plakaten der Gruppen eine kompakte Broschüre zu veröffentlichen, die Steckbriefe aller im Landkreis tätigen Selbsthilfe- und Helfergruppen enthält. Diese Broschüre hat sich bestens bewährt und wird auch von den Gruppen sehr gerne verwendet. Zum einen bietet sie eine sehr gute Gesamtübersicht mit allen wichtigen Kontaktadressen, zum anderen ist die Hemmschwelle für Betroffenen deutlich geringer, im öffentlichen Raum eine „neutrale“ Broschüre aus einer Auslage zu entnehmen als zum Beispiel spezielle Infoflyer von Selbsthilfegruppen zum Thema „Depression“ „Sucht“ oder „Krebs“.

Gibt es Gruppen, die in der aktuellen Broschüre erstmals aufgenommen wurden?

Herbert Köhl: Seit der letzten Auflage im Jahr 2016 haben sich tatsächlich wieder einige Änderungen ergeben. Nicht mehr dabei sind: AGUS – eine Selbsthilfegruppe für Angehörige nach einem Suizid, die Frauenselbsthilfegruppe nach Robin Norwood oder – seitens der Helfergruppen – der Treffpunkt für alleinerziehende Mütter und Väter. Neu dazugekommen sind folgende Gruppen: ANUAS – eine Hilfsorganisation für Angehörige von Mord-, Tötungs-, Suizid- und Vermisstenfällen; eine AD(H)S – Kinder Familienselbsthilfegruppe; Narcotics Anonymus – eine Internationale gemeinnützige Organisation von Selbsthilfegruppen für abstinent lebende Süchtige, sowie Helfergruppen, wie „Aktiv bleiben im Alter“, der „Arbeitskreis Asyl“ des Caritasverbandes oder auch die Nachbarschaftshilfen Prichsenstadt und Fahr.

Dass es Selbsthilfegruppen für Rheumapatienten oder Menschen mit Depressionen gibt, ist den meisten bekannt. Auf welche Selbsthilfegruppen muss man die Menschen hingegen eher aufmerksam machen?

Herbert Köhl: Solange wir als Bürger keine Selbsthilfegruppe benötigen, nehmen wir die Vielfalt der Gruppen in der Regel nicht wahr, weil es auch keinen Anlass dazu gibt. Sobald wir aber krankheitsbedingt auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe sind, ist es eine große Hilfe, mittels der Broschüre rasch nachschlagen und feststellen zu können, dass es im Landkreis Kitzingen neben den bereits erwähnten Selbsthilfegruppen auch Gruppen zu Themen wie „Zöliakie“, „Sarkoidose“ „Fibromyalgie“, „Skoliose“, „Arm- und Beinamputationen“, „Schlaganfall und Aphasie“, „Morbus Bechterew“ und vieles mehr gibt.

Die Hemmschwelle, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, ist oftmals sehr groß. Gibt es einen Versuch, den Personen, die Kontaktaufnahme so einfach wie möglich zu machen?

Herbert Köhl: Wie schon erwähnt ist unsere „neutrale“ Broschüre der erste Schritt, um herauszufinden, welche Gruppen in unserem Landkreis aktiv sind. Weiterhin sind die Leiterinnen und Leiter der Gruppen stets sehr bemüht, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass ein möglichst niedrigschwellige Zugang ermöglicht wird – zum Beispiel durch die Wahl eines neutralen Ortes oder der Schaffung größtmöglicher Anonymität.

Neben den Selbsthilfegruppen sind auch Helfergruppen in der Broschüre aufgeführt. Was fällt da beispielsweise darunter?

Herbert Köhl: Die Hilfsangebote der Helfergruppen richten sich im Gegensatz zu den Selbsthilfegruppen an außenstehende Personen. Gemeint sind Angebote wie das „Arbeitslosenfrühstück“, die „Alltagsbegleiter für Menschen mit Demenz“, der „Besucherdienst des BRK“ oder auch die „Hospizgruppen“, die teils seit Jahrzehnten aufopferungsvoll für Hilfebedürftige ihre Dienste anbieten. Aber auch die zwölf Nachbarschaftshilfen, die es mittlerweile in den Städten und Gemeinden des Landkreises gibt, zählen mit ihren wichtigen Hilfsdiensten zu den Helfergruppen. Sie bieten Alltagshilfen, Fahrdienste, Einkäufe und vieles mehr an

Im Landratsamt läuft bei Ihnen also beides zusammen?

Herbert Köhl: Genau. Das Landratsamt arbeitet sowohl mit den Selbsthilfe- als auch den Helfergruppen gleichberechtigt zusammen. Auch zu den Info- und Austausch- sowie Helfertreffen werden die Akteure beider Bereiche eingeladen. Die Leiter der Gruppen leisten gemeinsam mit ihren Teams hervorragende Arbeit, bei der immer die Hilfe für den Nächsten im Vordergrund steht. Dieses vorbildliche ehrenamtliche Engagement zu unterstützen, ist dem Landratsamt eine angenehme und vor allem wichtige Verpflichtung. Als kleines Dankeschön lädt Landrätin Tamara Bischof alljährlich die Verantwortlichen der Selbsthilfe- und Helfergruppen zu einer kleinen Adventsfeier in den Gewölbekeller des Landratsamtes ein, um ihre Wertschätzung für den Einsatz der Helfer auszudrücken.

Auf einen Blick

Neuauflage: Ab sofort ist die Neuauflage 2020 der Broschüre „Selbsthilfe- und Helfergruppen im Landkreis Kitzingen“ erhältlich. Das Landratsamt hat eine Aktualisierung der Übersicht über die 28 Selbsthilfegruppen und 19 Helfergruppen im Landkreis Kitzingen als Broschüre veröffentlicht. Die 68-seitige Farbbroschüre erscheint in einer Auflage von 2000 Stück und enthält alle Steckbriefe und Kontaktadressen der Gruppen.

Wo erhältlich? Das Heft liegt im Landratsamt, bei den Gemeindeverwaltungen, der Klinik Kitzinger Land, bei den Filialen der Sparkassen und der VR-Bank und bei der Koordinierungsstelle für Bürgerschaftliches Engagement „WirKT“, aber auch bei etlichen Ärzten und Apotheken aus. Die Broschüre kann auch online über die Internetseite des Landratsamtes aufgerufen oder über folgende Kontaktadresse kostenfrei bestellt werden: Landratsamt Kitzingen, Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Seniorenfragen, Kaiserstraße 4, 97318 Kitzingen.

Kontakt: Herbert Köhl (Tel. 09321/928-5010, herbert.koehl@kitzingen.de) oder Manuela Link (Tel. 09321/928-5015, manuela.link@kitzingen.de