Die Nachricht kam zur rechten Zeit. Peter Hummel checkt am Montag sein Handy und ein Grinsen macht sich auf seinem Gesicht breit: Die Gärtnereien sollen zum 1. März öffnen. Am Dienstag bestätigte das Kabinett die Ankündigung von Markus Söder. Gerade noch rechtzeitig zum Start in die Frühjahrsaison.

Salat, Rettich, Zwiebeln, Lauch: Lebensmittel durften die Gärtnereien in Stadt und Landkreis Kitzingen auch in den letzten Wochen verkaufen. Zierpflanzen nicht. „Den Großteil unserer Verkaufsfläche mussten wir absperren“, sagt Hummel und deutet in Richtung der lang gezogenen Gewächshäuser. Hier haben sich die Kunden in Vor-Corona-Zeiten Frühlingsblüher wie Primeln, Stiefmütterchen oder Hyazinthen aus der Nähe angeschaut und ihre Wahl getroffen. Während des Lockdowns wurden die Waren der hiesigen Gärtner verstärkt über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft. „Komisch ist das schon“, sagt Hummel und drückt es bewusst vorsichtig aus: Die hygienischen Bedingungen seien in den Discountern sicher nicht besser als in den offenen Gewächshäusern. Dort ist mehr Platz und für ausreichende Belüftung ist ebenfalls gesorgt. Ministerpräsident Söder sah das am Montag ähnlich. Die „verderbliche Ware“ müsse verkauft werden, meinte auch er. Finde der Blumenverkauf nur mehr in Discountern statt, würden diese überrannt. Eine Anpassung der Regelung ergebe Sinn.

Die Ware muss raus

Die Sonnenstrahlen und warmen Temperaturen der letzten Tage haben dem Wachstum der Zierpflanzen einen neuen Schub gegeben. „Die Ware muss tatsächlich langsam raus“, bestätigt der Etwashäuser Gärtner. Zumal die Beet- und Balkonpflanzen schon bald nachrücken. „Von März bis Mai machen wir weit über 50 Prozent des Jahresumsatzes“, erklärt Hummel. Die Öffnung kommt deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt. „Es gibt Branchen, die weitaus härter betroffen sind“, weiß Christian Gräbner, Obermeister der Gartenbaugruppe Etwashausen. Gräbner baut Salat, Rettich, Tomaten, Gurken und vieles mehr an. Im Januar und Februar ist eigentlich Urlaubszeit – ehe die Saison spätestens Mitte März mit dem Verkauf der heimischen Salate beginnt. Musste er während des ersten Lockdowns im März und April des letzten Jahres noch einiges an Ware vernichten, weil die Gastronomie als Abnehmer ausgefallen war, wendete sich das Blatt im Sommer.

Einkaufsverhalten verändert sich

Nach Wochen großer Sorge im Frühjahr konnte er Ende 2020 konstatieren: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Das lag an einer Entwicklung, die sich mancher heimische Gärtner schon vor Corona gewünscht hätte. „Das Einkaufsverhalten der Bevölkerung hat sich verändert“, berichtet Gräbner. Die Nachfrage nach regionalen Produkten ist 2020 gestiegen. Das bestätigt ein Blick in die Statistik. Wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Ende Januar berichtet, gaben rund 20 Prozent der Befragten einer Studie an, dass sie seit der Corona-Pandemie häufiger regionale Lebensmittel kaufen. Etwa 19 Prozent kochten laut eigener Aussage häufiger als vor der Corona-Krise. Profitiert haben davon unter anderem die Besitzer von Hofläden, so Gräbner. Auch Beet- und Balkonpflanzen gingen im letzten Jahr gut über die Verkaufstheke. Peter Hummel hat einen Trend zum Selbstanbau registriert. Ob Tomaten oder Gurken: Viele Kunden haben die Zeit genutzt und ihren Garten mit Nutzpflanzen bestückt. Der Verlust aus dem Zierpflanzengechäft konnte so ausgeglichen werden.

Wann öffnet die Gastronomie?

Dennoch hoffen die beiden Gärtner, dass die Gastronomie baldmöglichst wieder öffnen kann. In normalen Zeiten wandert etwa die Hälfte der Gräbner-Produkte direkt in die Küchen der hiesigen Wirte.

Ob er aufgrund der Erfahrungen vom letzten Jahr weniger Salat angebaut hat? Gräbner muss bei dieser Frage schmunzeln. „Die Ware wird im Oktober bestellt und im Januar gepflanzt“, erklärt er. Im Oktober konnte niemand voraussehen, wie sich die Situation entwickeln würde. „Also haben wir die gleiche Menge wie sonst auch angebaut.“ Die große Frage für viele regionale Anbieter laute nun, ob die Kunden auch dann noch nach regionalen Produkten greifen, wenn die Pandemie besiegt ist. „Wegen der höheren sozialen Standards haben wir auch höhere Preise als die Konkurrenz aus Ost- und Südeuropa“, sagt Gräbner. Seine Befürchtung: An der Ladentheke, beim Blick auf die Preise, ist beim Verbraucher irgendwann wieder Schluss mit dem regionalen Bio-Gedanken.