Klaus Sanzenbacher ist zufrieden. Nicht vollends, aber in Sachen Biodiversität tut sich doch einiges im Landkreis Kitzingen. Zum Beispiel zwischen Sickershausen und Hohenfeld.

Dort oben, fast direkt an der Verbindungsstraße, liegt ein rund einen Hektar großes blühendes Feld. Kamille, Kornblumen und Klatschmohn blühen derzeit als Pionierpflanzen in einem bunten Teppich, viele andere Wildkräuter wachsen hier und werden die nächsten Jahre blühen. „Eine regionale Saatgutmischung“, erklärt Sanzenbacher stolz. Pflanzen also, die aus der Gegend stammen und von heimischen Insekten angeflogen werden. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Saatgutmischungen ist dieses so genannte zertifizierte Regiosaatgut teuer. 800 Euro hat Sanzenbacher bezahlt. Als Sponsor hat er die Licht-, Kraft- und Wasserwerke und die Sparkasse gewinnen können, ein Sickershäuser Landwirt hat die Aussaat im November letzten Jahres übernommen. Jetzt, im Frühsommer, kommt der Kreisvorsitzende des LBV immer wieder mit dem Rad vorbei, um sich die Pracht aus der Nähe anzusehen.

Streuobstwiese ist geplant

Schwalben ziehen über das Feld, Feldlerchen hat Sanzenbacher schon gesichtet, in der Ferne ist der Ruf eines Kuckucks zu hören. „Irgendwann soll das hier eine blühende Streuobstwiese sein“, nennt Sanzenbacher die Zielsetzung. Sechs Bäume hat er schon gepflanzt, den Rotary-Club und zwei private Spender dafür gefunden. In diesem Herbst sollen 14 weitere Bäume dazukommen, maximal 70 kann sich Sanzenbacher auf der Fläche vorstellen, darunter auch alte Sorten und Maulbeeren.

In Sulzfeld und Mainsondheim hat der LBV insgesamt drei weitere Flächen für den Artenschutz langfristig gepachtet. Es sind nicht die einzigen Flächen im Landkreis Kitzingen, auf denen es zurzeit sehenswert blüht. Über das Kulturlandschaftsprogramm (KuLaP) bauen die Landwirte mittlerweile Blühstreifen auf 516 Hektar Fläche an. Mehr als doppelt so viel wie 2018 (250 Hektar.) Rechnet man andere Förderprogramme hinzu, summiert sich die Fläche auf rund 600 Hektar. „Darunter sind auch freiwillige Maßnahmen, die gar nicht erfasst werden“, sagt Thomas Karl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen. Für ihn ein Beleg, dass die Landwirte sehr wohl bereit sind, ihren Beitrag zum Artenschutz zu leisten.

Ziel: Vernetzung der Flächen

Klaus Sanzenbacher kann dem nur beipflichten und betont, dass die Landwirte hierfür auch einen angemessenen Einkommensausgleich bekommen müssten. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt er. Aber der sei noch lange nicht am Ende. Jetzt müsse der Fokus auch auf eine gute Vernetzung der Naturschutzflächen gelegt werden. Wiesen, Graswege und Hecken seien als Verbindungsstreifen wichtig, damit einzelne Blühflächen nicht isoliert in der Landschaft liegen. Das Ziel sei schließlich eine Vermehrung ökologisch wertvoller Grünlandflächen, die wiederum heimische Insekten und Vögel anlocken sollen. Auf einem Pilotprojekt bei Güntersleben im Landkreis Würzburg habe sich der Erfolg einer solcher Maßnahme gezeigt. Diverse Flächen sind mit verschiedenen Blühmischungen bestückt worden, verbunden über Graswege, Gräben und Hecken. 83 verschiedene Vogelarten sind dort auf der mit acht Hektar größten Fläche nachgewiesen worden. „Auf landwirtschaftlich intensiv genutzten Böden sind es sonst fünf bis sechs Arten“, sagt Sanzenbacher. Kein Wunder: Wo keine Nahrung, da keine Tiere.

Es gibt noch Handlungsbedarf

Die wachsende Zahl an Blühflächen fördert nicht nur den Artenreichtum, sondern schützt den Boden auch vor Erosion, erinnert Sanzenbacher, der nicht nur die Landwirte, sondern auch die Kommunen und letztendlich die gesamte Gesellschaft in der Pflicht sieht. In der Stadt Kitzingen sieht er durchaus noch Handlungsbedarf, verweist beispielhaft auf die vielen Blumenbeete, auf denen Begonien, Petunien oder Geranien teilweise spektakulär blühen – aber keinen Gewinn für die Insekten darstellen. „Weil sie keine nahrhaften Pollen oder Nektar haben“, erklärt Sanzenbacher. Letztendlich könne und müsse jeder Gartenbesitzer seinen Beitrag zu mehr Artenreichtum leisten, wünscht sich der LBV-Kreisvorsitzende. Insektenfreundliche Saatgutmischungen gebe es mittlerweile in jedem Baumarkt und den Rasen dürfe man gerne auch ein wenig länger stehen lassen. „Ein bisschen Wildnis tut uns allen gut und macht auch weniger Arbeit.“