Sie wusste es. Schon als sie ihm ihr Ja-Wort gab, war klar: Rudi Gutjahr ist ein leidenschaftlicher Sammler. Sie heiratete ihn trotzdem. Mittlerweile ist Heidi Gutjahr seit vielen Jahren mit ihrem Rudi glücklich – mitsamt seinen historischen Radios, Uhren, Münzen, Motorrädern, Autos...

Rudi Gutjahr hat ein „Wohnzimmer“ wie aus dem Bilderbuch. Es ist so geräumig, dass neben schönen alten Schränken auch über ein Dutzend Motorräder, Baujahr 1949 bis 1973, Platz haben; außerdem eine Hebebühne, auf der sich derzeit die schöne „Isabella“ präsentiert. „Isabella“ stammt aus Kalifornien. Sie ist schon ein altes Mädchen, aber topp in Schuss. „Mein Vater hat in den 60er Jahren zwei Borgwards gefahren“, erzählt Rudi Gutjahr. „Das Isabella-Coupé erinnert mich an diese Zeiten.“

Vom Blinkerhebel bis hin zum Koffer sind alle Accessoires original. „Sie hat auch noch den ersten Lack“, stellt der 75-Jährige fest, während er über die graublaue Markenfarbe aus dem Jahr 1961 streicht.

Zusammen mit seinen Oldtimer-Freunden Dieter Sterzbach und Jörg Oschyra legt Gutjahr Wert darauf, dass die Restaurierung bei allen Fahrzeugen „original“ erfolgt – also nur mit Originalteilen und vom Abstrahlen übers Pulverbeschichten bis hin zum Lackieren nach höchsten Qualitätsstandards. „Es ist wichtig, der Nachwelt die Details zu erhalten – nicht nur bei den Autos, sondern insgesamt.“ Deshalb hat der Kleinlangheimer sogar ein kleines Kirchgaden-Museum eingerichtet, in dem das Leben früher in verschiedenen Situationen gezeigt wird.

„Einmal Sammler, immer Sammler!“
Rudi Gutjahr, Oldtimer-Freund

„Autos und Motorräder zu restaurieren, ist immer unsere Winterarbeit“, sagt Gutjahr. An Oldtimern könne man – im Gegensatz zu Neuwagen – noch mit Fachwissen und Leidenschaft schrauben. Das seien Autos mit Charakter – genau wie ihre Entwickler, etwa der Automobilfabrikant Borgward, der unter anderem die „Isabella“ entwickelte.

Im Winter schrauben, im Sommer fahren – und mögliche neue Objekte begutachten –, das ist der Rhythmus des Sammlers. „So langsam hab' ich in meinem Wohnzimmer aber Platzprobleme“, sieht der Kleinlangheimer ein. Und das, obwohl es sich ja immerhin um die Räume der alten Gutjahr-Schreinerei in der Pfarrgasse handelt. „Ich muss jetzt schon genau abwägen, was ich noch kaufe.“

Denn von alten Schätzen trennen – das geht nicht. Der vierfache Vater und fünffache Großvater hat zu allen Sammelstücken einen Bezug. Für jedes Stück hat er einen Steckbrief geschrieben – die jeweilige Geschichte des Fahrzeugs.

Eine seiner jüngsten Errungenschaften ist das cremefarbene DKW F12 Cabriolet aus dem Jahr 1964. „Mein allererstes Auto hat ganz ähnlich ausgesehen. Allerdings war es rostrot.“ Auf einen halben Liter Öl gießt Rudi Gutjahr 20 Liter Benzin auf – und tuckert dann mit seiner Heidi durch den Steigerwald – „oben ohne“ und voller Lebensfreude wie damals in den 60ern.

Die winterlichen „Schraubermonate“ sind derzeit weit weg. Doch Gutjahr weiß: Wenn er und seine Freunde wieder Oldtimer restaurieren, wird Heidi beim Gang durch die einstige Schreinerwerkstatt erneut feststellen: „Früher hat's so gut nach Holz geduftet; heute riecht's nach Benzin und Öl.“ Rudi Gutjahr wird seine Frau dann an etwas erinnern, das sie selbst schon ewig weiß: „Einmal Sammler, immer Sammler!“

Und daran, dass der nächste Oldtimer-Sommer bestimmt kommt. Und damit traumhafte Ausfahrten.

Eine besondere Oldtimer-Ausfahrt

Schlosstour: York Falkenberg und Hugo Brennfleck vom Automobilclub (AMC) Kitzingen haben für Donnerstag, 26. Juni, eine besondere Ausfahrt geplant.

Treffpunkt ist um 18.30 Uhr in Sulzfeld auf dem Mainparkplatz, wo die Oldtimer begutachtet werden können. Gestartet wird um 19 Uhr.

Die Fahrt führt auf direktem Weg zum Schloss Frankenberg bei Weigenheim.

Fahrt, Führung, Einkehr: Die Oldtimer werden auf dem Schlosshof geparkt. Gegen 19.45 Uhr beginnt eine Schlossführung. Nachdem jeder den Blick übers Frankenland genossen hat, geht's zurück nach Sulzfeld, wo die Oldie-Freunde bei „der Anna“ einkehren. *ldk*