Kitzingen Die Stadt wird weiter wachsen. Und dafür möchte er rechtzeitig die Weichen richtig stellen. Oberbürgermeister Stefan Güntner spricht im Interview von Notwendigkeiten und Visionen.

Frage: Zurzeit hat Kitzingen etwa 23 500 Einwohner. Wo sehen Sie die Stadt im Jahr 2030?

Stefan Güntner: Kitzingen wird weiter wachsen, der ländliche Raum wird allgemein immer attraktiver. Sie müssen nur mal die Grundstückspreise aus dem Würzburger Speckgürtel mit denen in Kitzingen vergleichen. 27 000 bis 28 000 Einwohner erscheinen mir realistisch. Es können auch 30 000 werden. Es sei denn, wir sperren uns gegen die Entwicklung.

Was Sie nicht wollen?

Güntner: Auf keinen Fall. Ich sehe im Wachstum eine Chance für Kitzingen. Denken Sie nur an die Innenstadt. Je mehr potenzielle Kunden hier leben, desto mehr Gewerbetreibende werden sich hier ansiedeln und die City lebendig halten. Das ist ein Kreislauf, der uns gut tut.

Allerdings gibt es schon jetzt kaum Wohnungen.

Güntner: Wir haben in den Marshall-Heights, am Steigweg und am Etwashäuser Bahnhof noch Potenzial. Da werden 600 bis 700 Wohneinheiten entstehen. Aber klar: Wir müssen trotzdem neue Baugebiete ausweisen. Und Gewerbeflächen erst recht. Wir haben kein einziges freies Grundstück mehr für Gewerbetreibende.

Wo sollen diese Flächen entstehen?

Güntner: Das ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Wir brauchen jetzt eine vorausschauende Bodenpolitik. Das gilt nicht nur für die künftig zu bebauenden Flächen, sondern auch für die Ausgleichsflächen. Wir haben Flächen im Auge. Ich bitte um Verständnis, dass ich die natürlich nicht öffentlich benennen werde.

Es werden sicherlich auch viele Familien nach Kitzingen ziehen. Schon jetzt gibt es nicht genug Kindergarten- und Kita-Plätze.

Güntner: Deshalb sind wir schon vor langer Zeit tätig geworden. St. Johannes erhält durch den Neubau zwei neue Krippengruppen für Kinder von 0 bis drei Jahren und es entstehen zwei neue Kindergartengruppen. In der Alemannenstraße ist mit Beginn des Kindergartenjahres eine Naturgruppe in Betrieb gegangen. Darüber hinaus entstehen dort zwei zusätzliche Krippengruppen. Die Stadt hat diesbezüglich eine Pflichtaufgabe. Ich möchte künftig aber auch die Investoren einbinden.

Wie soll das gehen?

Güntner: Warum sollten in künftigen Wohnanlagen nicht gleich auch Kindergärten oder Krippen mit eingeplant werden? Das würde den Wert einer solchen Anlage und des gesamten Quartiers steigern. Verpflichten kann ich künftige Investoren nicht dazu, aber ich würde sie gerne in diese Richtung bringen.

Mehr Familien bedeuten auch mehr Schüler ...

Güntner: ... weshalb wir unbedingt eine dritte Grundschule brauchen. Schon jetzt kommen St. Hedwig und die Siedlungs-Grundschule an ihre Grenzen. Ich kann Ihnen heute nicht sagen, wo diese Grundschule stehen wird, aber bis 2025/2026 sollte sie fertig sein.

Sie klingen optimistisch.

Güntner: Bin ich auch. Manchmal ergeben sich ungeahnte Chancen.

Trifft das auch auf den Verkehr zu? Wenn die Stadt innerhalb kurzer Zeit so wachsen sollte, wie Sie sich das wünschen, wird es mehr Autos geben. Und den Wunsch nach mehr Parkplätzen.

Güntner: Das ist richtig und hier müssen wir als Stadt aktiv werden. Nehmen wir die Parkplätze. Kunden werden nicht mehr direkt vor der Tür parken können. Ich meine, dass ein Radius von rund 500 Metern um das Rathaus für jeden zumutbar ist.

In diesem Radius gibt es doch heute schon nicht ausreichend Parkplätze.

Güntner: Deshalb müssen wir welche schaffen. Am Bleichwasen ist der Ausbau des Schotterparkplatzes in Planung, rund um das Staatsarchiv am Deusterpark sind 75 öffentliche Parkplätze geplant und ich halte den Hinterhof der jetzigen Polizeiinspektion für äußerst geeignet, um ein neues Parkhaus zu errichten.

Die Polizei plant ihren Umzug in die Marshall-Heights.

Güntner: Und wir könnten das Gelände nutzen. Wir dürfen aber nicht nur über künftige Parkhäuser reden.

Sondern?

Güntner: Wir müssen den ÖPNV verbessern, damit die Bürger erst gar nicht mit ihren Autos zum Einkaufen und Bummeln in die Stadt wollen.

Was schwebt Ihnen vor?

Güntner: Etwas Visionäres, ein Stadtbus-Konzept mit autonomen Bussen.

In Kitzingen?

Güntner: Ja. Auf kurzen Strecken sind autonome Busse durchaus attraktiv.

Aber die brauchen doch eine eigene Fahrbahn?

Güntner: Die meines Erachtens umsetzbar ist. Der Knackpunkt wird die B8 sein. Aber selbst da sehe ich eine Möglichkeit, zumindest was die Strecke von Hoheim bis zum Falterturm angeht. Die nötige Spurbreite von 2,5 Metern sollten wir hinbekommen.

Moment mal. Der Weg führt über die Konrad-Adenauer-Brücke.

Güntner: Ja. Und da gibt es auf jeder Seite zwei Fußgängerbereiche, die sehr breit sind. Die könnten wir auf einer Seite zu einem kombinierten Fußgänger- und Radfahrerbereich zusammenlegen. Auf der anderen Seiten fahren die autonomen Busse.

Und am Falterturm ist Endstation?

Güntner: Von da geht es zum Bahnhof und weiter bis zu den Marshall-Heights. Ich kann mir auch Anbindungen nach Sickershausen oder Hohenfeld und zum Gewerbegebiet ConneKT vorstellen.

Mit Verlaub: Das klingt nicht gerade realistisch.

Güntner: Ich weiß. Aber ich will die Stadt voranbringen und nicht auf dem Status Quo beharren. Die Gartenschau im Jahr 2011 war ein großer Wurf für Kitzingen. Ein ähnlicher Schub würde der Stadt auch jetzt wieder gut tun.

Wie lautet die Zielrichtung für diesen neuen Schub?

Güntner: Die Aufenthaltsqualität soll sich in ganz Kitzingen verbessern. Das heißt für mich: Mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer, den Verkehr vor allem im innerstädtischen Bereich reduzieren.

Wie das?

Güntner: Die Schrannenstraße, die Kaiserstraße, die Luitpoldstraße: Das sind alles breite Straßen, die nur von Autos genutzt werden. Ich würde die gerne zu Einbahnstraßen umwidmen und die gewonnenen Flächen für Fußgänger, Radfahrer, aber auch für die Straßengastronomie attraktiver gestalten.

Da werden aber viele Geschäftsleute und Bürger aufschreien.

Güntner: Es wird aber auch viele Befürworter geben. Hier geht es um grundlegende Veränderungen, das ist mir völlig klar. Und deshalb braucht es auch eine Beteiligung der Bürger. Wir sollten diese Ideen deshalb ausführlich diskutieren und – im Falle einer Zustimmung – ausprobieren. Kitzingen kann davon nur profitieren. Davon bin ich überzeugt.