Sie stehen geduldig an. Die meisten nehmen die Teststäbchen selbst in die Hand und drehen sie ein paar Mal in der Nase hin und her. Ein paar Schüler lassen sich lieber von den Erwachsenen helfen. Um 8 Uhr sind fast alle im Schulgebäude. Die Feuerprobe ist geschafft. Schulleiterin Monika Rahner atmet erleichtert durch.

Seit Weihnachten ist es vergleichsweise ruhig zugegangen in den Schulhäusern des Landkreises. Die Abschlussjahrgänge durften ab Ostern in den Präsenzunterricht. Alle anderen mussten daheim bleiben. Mit den fallenden Inzidenzzahlen begann an diesem Montag eine neue Phase: Wechselunterricht. Die Zahl der Schüler, die allmorgendlich ins AKG kommen, stieg von rund 200 auf etwa 600.

An vier Eingängen erwartete geschultes Personal die Kinder und Jugendlichen am ersten „Wechselunterrichtstag“.

„Die Gemüter haben sich beruhigt.“
Veit Burger, Schulamtsleiter

13 Eltern mit medizinischen Grundkenntnissen hatten sich nach einem Aufruf der Schulleitung gemeldet. Sie halfen beim Abstrich und der ordnungsgemäßen Handhabung der Teströhrchen. Mit ihren verschlossenen Röhrchen gingen die Schüler in die jeweiligen Klassenzimmer, wo sie die Flüssigkeit in die Testkassetten füllten. Eine Viertelstunde später lagen die Ergebnisse vor. Auf einem Zettel bestätigte der jeweilige Lehrer den Negativ-Test. Mit diesem „Formular“ können die Schüler in den darauffolgenden zwei Tagen am Unterricht teilnehmen. So weit der Plan.

Abi am Mittwoch 

„In dieser Woche ist allerdings alles anders“, sagt Bert Eitschberger, Mitarbeiter in der Schulleitung. Am Mittwoch steht das Deutsch-Abitur an. Alle anderen Schüler bleiben an diesem Tag daheim. „Wir brauchen viel mehr Lehrer als sonst zur Aufsicht“, erklärt Eitschberger. Durften in normalen Jahren 70 Schüler in der Turnhalle ihre Prüfung schreiben, sind es in Corona-Zeiten gerade mal 25. Die Prüfungen verteilen sich deshalb auf etliche Klassenzimmer. 125 Schüler legen in diesem Jahr das Abitur am AKG ab. Am Freitag nach Christi Himmelfahrt findet wieder der „normale Wechselunterricht“ statt. „Und dann werden wir erneut testen“, kündigt Monika Rahner an.

Nicht nur Gymnasien, Real- und Mittelschulen begannen an diesem Montag mit dem Wechselunterricht. Auch die ganz Kleinen kommen wieder in den Unterricht – zumindest die Hälfte von ihnen. Schulamtsleiter Veit Burger ist froh, dass sich die Aufregung um die Selbsttests weitestgehend gelegt hat. Zwar hätten gerade die Erst- und Zweitklässler am ersten Tag mitunter motorische Probleme mit den Röhrchen gehabt, im Großen und Ganzen sei das Testen an den Grundschulen aber gut angelaufen. „Die Gemüter haben sich beruhigt“, sagt Burger. Eine Einschätzung, die nicht von allen geteilt wird. Bislang habe man nur Erfahrungen mit den Viertklässlern sammeln können, erinnert Sabine Huppmann, Kreisvorsitzende des BLLV. Dort habe sich das Verfahren eingespielt. Bei den Erst- und Zweitklässlern müsse man die nächsten Tage und Wochen abwarten. Einige Kollegen hätten nach wie vor Bedenken und Sorgen. „Kein Wunder“, sagt Huppmann. „Sie übernehmen eine medizinische Tätigkeit.“

Tests in professionelle Hände?

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bemängelt nach wie vor, dass Lehrkräfte beim Testen die Aufgaben der Gesundheitsbehörden übernehmen. „Auch wenn die Kollegen das jetzt technisch beherrschen, besteht weiterhin eine tägliche Gefahrensituation“, warnt Vorsitzender Jörg Nellen und fordert das Ministerium auf, das Testen in allen Schulen in professionelle Hände zu geben. Ähnlich, wie es am AKG praktiziert wird.

Der Mainbernheimer Hausarzt und Vorsitzende des Gesundheitsnetzes Kitzinger Land, Dr. Michael Bedö, hatte der Schule bereits an Ostern seine Hilfe angeboten. Zwei Mal in der Woche steht er seither im Schutzanzug am Haupteingang, um beim Abstrich zu helfen und Fragen der Schüler zu beantworten. „Am Anfang waren die Bedenken groß“, erinnert er sich. Bei Eltern und Lehrern. Letztere hatten an Ostern noch kein Impfangebot erhalten, einige hatten Angst vor einer Ansteckung. Es gab auch Eltern, die sich wegen der Sicherheit ihrer Kinder sorgten. Umsonst. Bislang ist alles gut gelaufen. Das AKG hatte kurz vor Ostern eine „Task Force“ gebildet.

Ein paar Kinder blieben zuhause

„Es hat bislang keinen einzigen positiven Corona-Fall gegeben. “
Dr. Michael Bedö über die Testungen am AKG

Ergebnis: Die Teststrecke wurde nach draußen verlegt, im Falle eines positiven Ergebnisses kann Dr. Bedö vor Ort einen PCR-Test vornehmen, um das Ergebnis zu verifizieren – was bislang nicht nötig war. „Es hat keinen einzigen positiven Corona-Fall gegeben“, berichtet der Mediziner.

Die allermeisten Eltern haben ihre Kinder an diesem Montag in die Schule geschickt. Einige wenige kamen mit einem aktuellen Testergebnis aus der Apotheke oder dem Testzentrum, etwa 10 von 600 blieben zuhause, weil ihre Eltern einen Test ganz ablehnten. „Diese Kinder müssen ihre Schulpflicht von zu Hause erfüllen“, erklärt Schulleiterin Rahner, die trotz aller organisatorischer Anstrengungen froh ist, dass die Schüler wieder ins Schulhaus kommen. „Sie brauchen alle die sozialen Kontakte.“