Keine Bürokratie, kein Dickicht an Vorschriften. Der Leiter der Agentur für Arbeit in Würzburg, Eugen Hain, verspricht den Arbeitgebern eine größtmögliche Flexibilität von Seiten seiner Behörde. Und er richtet einen dringenden Appell an die Betriebe: „Wir brauchen Ihre Unterstützung.“ Das Thema geht schließlich alle an: Wie können Flüchtlinge möglichst schnell und passgenau in den Arbeitsmarkt integriert werden?

Inhaber und leitende Mitarbeiter von rund zehn Betrieben aus dem Landkreis Kitzingen waren der Einladung des Jobcenters und der Agentur für Arbeit in Kitzingen gefolgt. Vom Modevertrieb über den Logistikunternehmer, vom Schreiner bis hin zum Malerbetrieb herrscht großes Interesse an neuen Arbeitskräften. Fragt sich nur, ob die Arbeitskräfte aus Syrien, Iran, Irak oder Afghanistan auch zum Betrieb aus Kitzingen oder Wiesentheid passen.

Qualifikation muss sein

„Unsere duale Ausbildung ist in den arabischen Ländern nicht bekannt“, informierte Richard Paul, Geschäftsführer Operativ der Agentur. Die meisten Abschlüsse der Flüchtlinge werden von den hiesigen Kammern deshalb auch nicht anerkannt. Dennoch könnten Arbeitgeber und Arbeitssuchende zueinander finden. An einer Qualifikation führe aber kein Weg vorbei.

PerF und Ida 1000: Zwei Abkürzungen, die die Arbeitgeber an diesem Informationsabend lernten. Zwei Maßnahmen, die vor allem ein Ziel haben: Den einzelnen Flüchtling möglichst gut auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereiten. „Ohne die deutsche Sprache geht gar nichts“, betonte Hain. Der Spracherwerb steht deshalb sowohl bei der Maßnahme „Perspektive für Flüchtlinge“ als auch bei der „Integration durch Arbeit“ im Vordergrund. Erstere dauert zwölf Wochen, letztere neuneinhalb Monate. Weitere Inhalte bei beiden Maßnahmen: Bewerbungstraining und Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche sowie eine Kompetenzfeststellung im Betrieb. „Wir brauchen viel mehr Kompetenzchecks“, forderte Hain. Am Schreibtisch der Agentur oder des Jobcenters sei schließlich nicht zu klären, ob ein Bewerber tatsächlich für einen Job geeignet ist.

Maximal sechs Wochen Probezeit

„Sie können Flüchtlinge immer zur Probearbeit einladen“, informierte der Teamleiter für den Arbeitgeber-Service bei der Agentur, Ralf Streller. Maximal sechs Wochen sind möglich. Eine Zeit, in der sich Arbeitgeber und potenzieller Arbeitnehmer kennenlernen können. Auch hier sind keine Formulare notwendig. „Sie müssen das nur vorher mit der Agentur absprechen“, bat er die anwesenden Arbeitgeber.

Etwa 300 Kunden mit Fluchthintergrund haben die Agentur für Arbeit und das Jobcenter in Kitzingen derzeit. Tendenz steigend. Der Bearbeitungsstau beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) löst sich nur langsam auf, neue Anträge auf Asyl kommen ständig hinzu. „Sobald ein Antrag positiv beschieden ist, darf der Mensch bei uns bleiben“, erinnerte Paul. Er bezieht dann Leistungen vom Jobcenter.

Die Agentur für Arbeit ist dagegen für die geduldeten Flüchtlinge zuständig. Und für diejenigen mit einer hohen Bleibeperspektive, also für Menschen aus Syrien, dem Iran, Irak und Eritrea. „Hier wollen wir mit unsere Hilfe möglichst früh ansetzen“, so Paul.

1400 Menschen haben im Agenturbezirk, zu dem die Landkreise Würzburg, Main-Spessart und Kitzingen sowie die Stadt Würzburg gehören, schon Deutsch-Kurse erhalten, etliche Betriebe haben ihre Erfahrungen gemacht. Nicht jeder Kurs bringe den gewünschten Erfolg, hieß es am Besprechungstisch. Und teilweise dauere es zu lang, bis der arbeitssuchende Flüchtling wieder in die Firma komme. Warum lassen sich Sprachkurs und Berufsausbildung nicht parallel organisieren? Die Antwort hatte Toni Orth, Leiter des Jobcenters in Kitzingen: „Die Erfahrungswerte zeigen, dass Sprachkurs und Berufsausbildung gleichzeitig die meisten Flüchtlinge überfordern.“ Auch wenn sie motiviert sind.

„Diese Menschen wollen arbeiten“, bestätigte ein Mitarbeiter der Schreinerei Ackermann in Wiesenbronn. Immer wieder stünden Flüchtlinge am Werktor und würden nach einer Beschäftigung fragen. Sein Problem: „Was antworte ich diesen Menschen?“.

Spannbreite ist hoch

Die Antwort führt über eine Abklärung des jeweiligen Status. Wie lange ist der Arbeitssuchende schon in Deutschland? Hat er einen Asylantrag bereits gestellt? Ist er anerkannt oder geduldet? Welche Qualifikationen hat er? „Nehmen Sie Kontakt mit unserem Arbeitgeberservice auf“, riet Ralf Streller den Arbeitgebern. Pro Außenstelle gibt es spezielle Vermittler, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Deren Erfahrung: Genau so wie bei den deutschen Arbeitssuchenden sei auch die Spannbreite der Vorkenntnisse bei den Asylbewerbern hoch.

Etwa 80 Prozent würden jedoch ohne eine formale Qualifikation nach Deutschland kommen, acht Prozent hätten eine akademische Ausbildung, rund zehn Prozent eine berufliche Ausbildung, die in Deutschland anerkannt werden kann. „An einer Qualifikation führt deshalb gar kein Weg vorbei“, betonte Hain. Und die brauche ihre Zeit. „Wir reden hier von einem Marathonlauf und nicht von einem Sprint.“ Ein langer Atem sei deshalb nötig – von allen Beteiligten: Arbeitgebern, Arbeitssuchenden und Arbeitsvermittlern. Für Hain ist dieses Vorgehen alternativlos. „Wie sonst wollen wir die Fachkräftelücke in den kommenden Jahren schließen?“ Und wie sonst können die gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft gemeistert werden? „Die beste Integration erfolgt nun mal durch Arbeit.“

Ansprechpartner für Arbeitgeber im Landkreis Kitzingen, die Flüchtlinge beschäftigen wollen: Hotline: 0800/4555520 (kostenfrei von 8 bis 18 Uhr), Fax: 09321/916188 oder Email: kitzingen.arbeitgeber@arbeitsagentur.de