Am ersten Tag wollte Bernd Fröhlich seinen Augen nicht recht trauen. Mittlerweile hat er sich daran gewöhnt, von einem Pfau auf der Arbeit begrüßt zu werden.

Bernd Fröhlich ist der Verwalter der Gemeinschaftsunterkunft im Corlette Circle. Zwischen Kitzingen und Großlangheim liegen die Gebäude, in denen einst US-amerikanische Soldaten lebten und seit dem Juni 2015 Asylbewerber untergebracht sind. Dichter Wald umgibt das Areal, das selbst von ausgedehnten Grünflächen geprägt ist. Ein Pfau scheint sich hier sehr wohl zu fühlen – zumal, wenn sich die Bewohner liebevoll um ihn kümmern.

Um 6 Uhr gibt es Frühstück für das Weibchen, dass die Bewohner auf den Namen Paola getauft haben. Bernd Fröhlich und der diensthabende Mitarbeiter der Security werfen ein paar Körner aus, später gibt es für Paola noch Früchte. „Was so ein Pfau isst, musste ich auch erst mal googeln“, sagt Fröhlich und lacht. Ziemlich schnell war ihm klar, dass es sich hier um ein Weibchen handelt. „Ein Rad kann Paola nicht schlagen und das Federkleid ist typisch weiblich.“ Nach anfänglicher Scheu hat sich Paola an die Menschen gewöhnt. Sie stolziert auf den Platten vor den Häusern herum, schaut durch die Fenster ins Innere und flattert auf die Hochbeete, die Bernd Fröhlich gebaut hat, um zu sehen, ob es dort nicht doch etwas zum Essen geben könnte.

Würmer und wirbellose Tiere stehen auf dem Speiseplan von Pfauen, da trifft es sich gut, dass es jede Menge Eidechsen auf dem Gelände gibt. „Wir haben ihnen extra einen Sonnenplatz gebaut“, berichtet Fröhlich, der sich nicht nur um die aktuell 138 Bewohner der Einrichtung kümmert, sondern auch um jede Menge tierische Besucher. Hasen und Marder werden regelmäßig gesichtet, drei verschiedene Igel, schwarze und braune Eichhörnchen. Ein Bewohner hatte mal einen verletzten Turmfalken gefunden, den Fröhlich in die Auffangstation von Robert Endres nach Kaltensondheim brachte. Mächtig erschrocken ist er im Frühjahr, als ein Fuchs aus dem Gebüsch vor ihm auftauchte, und wie das Reh ins umzäunte Gelände gelangen konnte, ist ihm nach wie vor ein Rätsel. „Wir haben es wieder in den Wald entlassen können“, erinnert er sich.

Woher kommt der Pfau?

Jetzt also ein Pfau. Woher Paola kommt, kann er nicht genau sagen. Sie trägt jedenfalls eine Marke am Fuß. Fröhlich vermutet, dass es sich um das gleiche Tier handelt, das bereits im Herbst des letzten und im Januar dieses Jahres in der Kitzinger Siedlung gesichtet wurde. Damals saßen zwei Pfauen immer wieder auf den Kaminen der Häuser rund um die Böhmerwaldstraße. Das Männchen hat sich im Corlette Circle (bislang) nicht blicken lassen. Wo die beiden ursprünglich herkommen, hat sich damals nicht klären lassen. Und im Corlette Circle sind auch alle ratlos. Allzu viele Möglichkeiten gibt es allerdings nicht. Dem Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Kitzingen, Uwe Hartmann, sind jedenfalls keine Kollegen bekannt, die einen Pfau halten. Auf der anderen Seite sind die Tiere nicht meldepflichtig. Den Bewohnern des Corlette Circle dürfte das ganz recht sein. Gerade die Kinder freuen sich über die neue Bewohnerin. „Bis auf einen halben Meter lässt sie die Kleinen an sich ran“, erzählt Fröhlich. „Aber streicheln lässt sie sich nicht.“

Sechs Jahre GU

Vor fast genau sechs Jahren ist der erste Bewohner in die Gemeinschaftsunterkunft im Corlette Circle eingezogen. Platz ist dort für 150 Menschen. Die Einrichtung war fast dauerhaft voll belegt. Insgesamt fünf Mitarbeiter kümmern sich außerdem um die Gemeinschaftsunterkünfte im Innopark bzw. Kleinlangheim. Leiter Bernd Fröhlich zieht ein positives Zwischenfazit: Größere Probleme habe es in all der Zeit nicht gegeben. Selbst die Corona-Zeit sei bislang gut überbrückt worden, auch wenn die Einrichtung für 14 Tage unter Quarantäne stand. „Der Zusammenhalt hat auch in diese Zeit funktioniert“, erinnert er sich. Verantwortlich macht der 50-Jährige dafür unter anderem die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, der Polizei und sozialen Einrichtungen wie der Caritas oder AWO. Seine Erfahrung aus den letzten sechs Jahren: Man muss den Menschen Respekt zollen und ihnen Arbeit geben. „Dann kommt auch viel zurück.“