Aus dem Wintergarten klingt eine sanfte, zauberhafte Melodie. Ein junges Mädchen mit langen hellbraunen Haaren lehnt am Tisch und zupft leidenschaftlich an den Saiten einer Gitarre. Es ist ein Bild voller Harmonie. Komponist Ulrich Uhland Warnecke würde sich freuen, seinen „Hobbit“ so zu hören.

Ob Schlager, Klassik oder Rock: Musik hat einen starken Einfluss auf jeden von uns. Sowohl auf unseren Körper als auch auf unsere Seele. Wer Musik nicht nur hört, sondern selbst macht, verstärkt die positiven Effekte. Eva Fehlbaum sagt: „Ohne meine Gitarre würde mir echt was fehlen.“ Die 14-Jährige aus Wiesentheid erfüllt sich seit mittlerweile acht Jahren einen Herzenswunsch in der Sing- und Musikschule Steigerwald.

Schon im Kindergarten hatten die Dinge ihren Lauf genommen. Während ihre Freundinnen und Freunde ein Meerschweinchen oder ein Fahrrad haben wollten, erklärte Eva: „Ich will Gitarre spielen.“ Ihre Eltern dachten erst, das sei ein Strohfeuer, vielleicht ausgelöst durch zwei Jahre „Musikalische Früherziehung“ an der Sing- und Musikschule Steigerwald. „Aber der Wunsch kam immer wieder“, erinnert sich Evas Mutter Jutta Fehlbaum.

„Als sie eingeschult wurde, haben wir dann nach einem geeigneten Gitarrenlehrer gesucht – und sind in der Musikschule fündig geworden.“ Eva lernte erst zusammen mit einem anderen Mädchen in einer Zweiergruppe, später im Einzelunterricht, wie man den Saiten schöne Töne entlockt. „Ich bin immer gern zu den Stunden gegangen“, sagt die Achtklässlerin. Klar, dass sie die Junior-Abzeichnen 1 und 2 der freiwilligen Leistungsprüfungen an der Musikschule ablegte und sich auch mit viel Freude an internen Klassenvorspielen, öffentlichen Auftritten bei Schülervorspielen und an Schülerkonzerten beteiligte.

„Bei meinem heutigen Gitarrenlehrer, Joachim Kauschke, sind die Stunden echt cool“, erzählt Eva. „Wir spielen moderne Sachen, aber auch Klassisches. Und man kann sich bei ihm auch Lieder wünschen, die er, wenn nötig, sogar umschreibt, damit wir Schüler sie gut spielen können.“

Zwei Jahre lang hat Eva im Musikschulorchester mitgespielt – als E-Gitarristin. Das Instrument dafür konnte sie aus dem Musikschul-Fundus nehmen. „Das hat auch viel Spaß gemacht.“ Mittlerweile hat der Teenager aber ein Zeitproblem: Da Eva auch zur Garde und zur Schautanzgruppe der KoKaGe Wiesentheid gehört, beim TSV/DJK Wiesentheid turnt und zudem gern im Jugendchor des Musikvereins singt, musste sie Prioritäten setzen. „Man kann nicht alles auf einmal machen“, betont Jutta Fehlbaum. Also legte Eva ihr Engagement im Musikschulorchester erst einmal auf Eis. „Gitarre will ich aber auf jeden Fall weiterhin spielen. Ich möchte gern die freiwillige Leistungsprüfung D1 machen, sobald es geht.“

Das Üben dafür fällt ihr nicht schwer. „Manchmal muss ich mich kurz überwinden, aber wenn dann der Anfang gemacht ist, dann kommt der Spaß automatisch.“ Oft spielt die Gymnasiastin schon vor Schulbeginn in aller Früh ein bisschen auf ihrem Lieblingsinstrument. „Das entspannt mich einfach und macht mich zufrieden.“

Ob es nie mal eine Phase gab, in der sie die Gitarre gerne an die Wand geschmissen hätte? Eva überlegt kurz, schüttelt dann aber ganz entschieden den Kopf: „Es gab vielleicht eine Phase, in der ich weniger geübt habe, aber hinschmeißen wollte ich noch nie.“

Eher im Gegenteil. Die Gitarre sei ihr „Ausgleich zum Sport“, sagt die junge Dame. „Beim Üben werde ich ganz ruhig. Und wenn ich ein Stück dann kann, pusht mich das natürlich.“

Seit Jahresanfang findet ihr Gitarrenunterricht online statt. Eva mag das mittlerweile sogar ganz gern. „Natürlich freue ich mich auch schon sehr darauf, Herrn Kauschke wieder mal persönlich zu sehen, aber auch per Videochat macht der Unterricht Spaß.“ Das liegt sicher auch daran, dass sich Evas Gitarrenlehrer, wie viele seiner Musikschulkollegen, immer wieder etwas einfallen lässt, um die Schüler anzuspornen. „Jeder von uns konnte sich filmen und Herr Kauschke hat aus den einzelnen Teilen ein Klassenvideo zusammengeschnitten.“

Musikschul-Leiter Hans-Joachim Krämer ist stolz auf so kreative Lehrkräfte. „Sie tun alles, um das Interesse und die Leistungsbereitschaft ihrer Schüler aufrecht zu erhalten.“ Corona-bedingter Online-Unterricht könne zwar nie ein vollwertiger Ersatz für den direkten Kontakt zwischen Schüler und Lehrer sein, aber „trotz allem ist es von größter Wichtigkeit, das Interesse an der Musik und am Instrument zu erhalten und auch in schwierigen Zeiten musikalische Bildung zu gewährleisten“.

Krämer ist zuversichtlich, dass mit der zunehmenden Immunisierung der Bevölkerung noch im laufenden Unterrichtsjahr, aber besonders im kommenden Schuljahr der Präsenz-Unterricht wieder die Regel für alle Grund-, Haupt- und Nebenfächer sein wird. „Auch werden wieder unsere beliebten Veranstaltungen wie Schülervorspiele und Konzerte durchgeführt werden können.“

Musik, so Krämer, berühre Menschen in jedem Alter. Schon im Kleinkindalter fördere sie kognitive Denkprozesse und empathisches Bewusstsein, Sozialverhalten und die Kreativität. „Der Hintergrund dafür ist, dass beide Gehirnhälften, der rationale und der emotionale Teil, angesprochen werden und sich dadurch besser verknüpfen.“

Eva sind solche wissenschaftlichen Erkenntnisse egal. Sie hat einfach schon als kleines Mädchen Gitarre spielen wollen – unbedingt. In ihrem Instrument hat sie schließlich einen Freund fürs Leben gefunden. Seit acht Jahren spürt sie, wie gut Musik ihr tut – beziehungsweise wie gut sie sich selbst tut, indem sie musiziert.

Ein Instrument spielen oder singen lernen

Sing- und Musikschule Steigerwald: Als musikalische Bildungseinrichtung der Region „östlicher Landkreis Kitzingen“ bietet die Musikschule seit 1981 – also seit ihrer Gründung durch den Wiesentheider Altbürgermeister Walter Hahn vor 40 Jahren – Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein breites Spektrum an Musikunterricht an, von der „Musikalischen Früherziehung“ bis zum Instrumental- und Gesangsunterricht.

Anmeldezeitraum: Noch bis 30. Juni läuft die Anmeldefrist für das kommende Schuljahr. „Wir bitten alle künftigen und auch alle bisherigen Schüler, die weiterhin unterrichtet werden möchten, unsere neue Online-Anmeldung zu nutzen“, sagt Musikschulleiter Hans-Joachim Krämer. Unter dem Menü-Punkt „Anmeldung zum Unterricht und Kosten“ findet sich ein Formular, durch das die Schüler*innen automatisch im Verwaltungsprogramm erfasst werden. „Dann können keine Anmeldezettel mehr verloren gehen und bei Anmeldung bis 30. Juni 2021 kann ein Unterrichtsplatz sicher garantiert werden.“

Unterricht: Das Angebot reicht von Grundfächern der Elementaren Musikpädagogik (Eltern-Kind-Kurs, musikalische Früherziehung) bis hin zu instrumentalen Hauptfächern (Block- und Querflöte, Klarinette, Saxophon, Trompete, Posaune, Tenorhorn, Tuba, Klavier, Keyboard, Harfe, Schlagzeug, Gitarre, E-Gitarre, E-Bass, Violine, Bratsche, Violoncello, Solo-Gesang, Stimmbildung) und Zusatzfächern (Allgemeine Musiklehre, Gehörbildung, Spielgruppen und Ensembles).

Kosten: Es gibt keine Erhöhung zum neuen Schuljahr. Die Kosten variieren je nach Unterrichtsdauer, Einzel- oder Gruppenstunden.

Infos/Adresse: Die Musikschule grenzt unmittelbar ans Wiesentheider Rathaus an: Balthasar-Neumann-Straße 14, Tel. 09383/ 9092181, Mail: info@musikschule-steigerwald.de, Internet: musikschule-steigerwald.de