Mit fünf Mark war er dabei. Werner Holzmann erinnert sich genau. Da stand dieser Frauenschuh im fahlen Kunstlicht eines Supermarktes. Kein echter Schuh, nein: eine Orchidee. Das Pflänzchen tat Werner Holzmann leid. Also kaufte er es – „für fünf Euro, des weiß ich noch wie heut'“ –, nahm es mit zu sich nach Etwashausen und brachte es zum Blühen. Heute ist Holzmann stolzer Besitzer von 700 Orchideen, die ganz unterschiedlich aussehen. Und als Vorsitzender der Unterfranken-Gruppe in der Deutschen Orchideen-Gesellschaft lädt er am Wochenende zur großen Orchideen-Schau in die Orangerie der Würzburger Residenz ein.

Der Frauenschuh, den Werner Holzmann vor über 20 Jahren mehr oder weniger aus Mitleid mit heimgeschleppt hat, gab den Startschuss für eine ganz besondere Sammelleidenschaft. „Orchideen-Blüten sind wie Edelsteine“, sagt der 45-jährige Kitzinger, der sich schon als Kind für die Pflanzenwelt begeistert hat. „Sie haben ein ungeheuer breites Spektrum an Farben und Formen.“ Ein besonderes Faible hat Holzmann für die Kleinsten der Kleinen. In mehreren riesigen Glaskästen und in einem Gewächshaus kultiviert er hunderte von Orchideen, deren Blüten nur wenige Millimeter groß werden.

Manche Miniaturen hängen an den Glaswänden, manche stehen auf dem Erd- oder Steinboden, andere schweben auf einer moosbewachsenen Wolke aus Korkrinde: Im Hause Holzmann leben sowohl Erd- als auch Stein-Orchideen (terrestrische und lithophytische Orchideen), ebenso wie ihre Artgenossen, die sich in freier Natur an Bäumen und anderen Pflanzen entlangwinden (Epiphyten).

Der 45-Jährige fotografiert sie alle gerne. Die Vergrößerungen seiner Blütenbilder zeigen die Pracht in allen Details: Von Weiß über Gelb-, Orange-, Rot- und Violett-Töne bis hin zu unzähligen Nuancen von Grün reicht das Farbenfeuerwerk. Manche Blüten sehen vergrößert aus wie Gottesanbeterinnen, andere erinnern an Früchte, Taschen oder – genau – Frauenschuhe. „Die Details zu betrachten, macht mir einfach Spaß und Freude. Die Vielfalt ist faszinierend. Nach einem hektischen Tag im Berufsleben entspanne ich bei der Pflege meiner Orchideen.“

Früher konnten sich nur gut Betuchte Orchideen leisten. Die Pflanzen waren sehr teuer. Heute kostet gute Ware zwar auch ihr Geld, doch bedingt durch ihre wachsende Beliebtheit gibt es „Phalaenopsis“ & Co. schon fast in jedem Baumarkt. Holzmann rät vom Kauf solcher eigens für die Werbung gezüchteten Pflanzen ab. „Generell sollte man immer nur beim Fachhändler kaufen. Was Internet-Bestellungen exotischer Arten angeht, muss man besonders aufpassen. Unter Umständen kann man sich sogar strafbar machen, denn alle Orchideen stehen auf der Liste der zu schützenden Arten.“

Die Orchideen-Gesellschaft kennt die seriösen Händler. Deshalb kann man bei der Würzburger Schau richtig exotische Orchideen entdecken: „Asiaten, Südamerikaner, Afrikaner: Wir haben die ganze Welt hier“, weckt Werner Holzmann die Vorfreude auf die Ausstellung in der Orangerie. In der Unterfranken-Gruppe, in der 30 Orchideen-Freunde aktiv sind, hat jeder so sein „Beuteschema“: Die einen mögen handtellergroße Blüten, die anderen Duft-Genies, wieder andere lieben bestimmte Blattformen. Alle werden ihre Lieblinge ausstellen, ebenso wie sechs Fach-Gärtnereien und die Partnergruppe Hessen/Nassau.

„Orchideen sind eine der größten Pflanzenfamilien der Welt. Es gibt 30 000 bekannte Arten.“ Viele von ihnen sind keine Hybriden, also Zuchtpflanzen, sondern wachsen nach wie vor in der Natur. Zum Beispiel in Brasilien. Genau dorthin zieht es Werner Holzmann. „Ich möchte die Baum-Orchideen live sehen.“ Zuvor aber, schon im nächsten Jahr, wird er zu speziellen Erdorchideen nach Istrien reisen.

Vieles, was die Pflege von Orchideen angeht, kann man zwar heute im Internet nachlesen. Irgendwann aber kommt man dort an Grenzen. „Der persönliche Kontakt, das direkte Draufschauen auf die Pflanzen, ist halt doch was anderes.“ Weil Werner Holzmann sein Wissen und seine Erfahrung auch gerne weitergibt, ist er 2009 der Deutschen Orchideen-Gesellschaft beigetreten, 2011 wurde er deren Vorsitzender der Unterfranken-Gruppe. „Ich möchte Jung und Alt die Faszination der Orchideen näher bringen. Zu uns können sowohl Menschen kommen, die eine einfache Phalaenopsis auf der Fensterbank haben, als auch Spezialzüchter.“ Hauptsache, eines haben alle gemeinsam: Sie lieben, was auch immer ihnen mit ihren Orchideen blüht.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder unter www.inFranken.de

Schau-Temine: Die 18. Orchideenschau der Deutschen Orchideen-Gesellschaft e.V. , Gruppe Unterfranken, beginnt am heutigen Freitag, 18. September, um 14 (Ende 18 Uhr) in der Orangerie der Würzburger Residenz. Offiziell eröffnet Landtagspräsidentin Barbara Stamm die Schau um 15 Uhr mit einer Pflanzentaufe. Am Samstag ist die Schau von 9 bis 18 Uhr, am Sonntag von 9 bis 17 Uhr zugänglich. Eintritt: 4 Euro.

Gruppen-Treffen: Einmal im Monat treffen sich die Gruppenmitglieder im Rottendorfer Hotel-Gasthaus „Kirschbaum“. Gäste sind jederzeit willkommen, bitte vorher anrufen unter Tel. (0 93 21) 36 07 63.