Iphofen Sie bezeichnet sich als Mut-Botschafterin: Anne Körkel findet, dass Frauen sich zu selten trauen, ihre Ideen umzusetzen und ihre Träume zu verwirklichen. Mit ihren Vorträgen will sie Anstoß geben, das zu ändern. Am 8. November kommt die Unternehmerin des Jahres 2017 zum VlF-Frauentag nach Iphofen – mit vielen Tipps und einem Spaten. Denn ihre Zuhörerinnen sollen „Goldgräberinnen ihrer eigenen Potenziale“ werden.

„Verstand aus! Mut an!“ lautet der Titel Ihres Vortrags, den Sie in Iphofen halten. Ist es so einfach, den Verstand auszuschalten und mutig zu werden?

Anne Körkel: Nein, daran muss man arbeiten. Gerade wenn es „ganz gut läuft“, schiebt man die Verwirklichung einer Idee oder eines Traumes gerne immer weiter raus. Man verdrängt sie, traut sich vielleicht gar nicht, sie anzusprechen.

Spielt da Bequemlichkeit eine Rolle?

Anne Körkel: Wir haben ja alle diese Komfortzone. Die ist bei Männern sogar noch größer als bei Frauen. Wer aber nicht bereit ist, diese Komfortzone zu verlassen, seine Ideen, Konzepte, ja Hirngespinste umzusetzen, läuft Gefahr unzufrieden zu werden. Frauen denken eher darüber nach, was wir verpasst oder uns nicht erfüllt haben. In meinem früheren Beruf hatte ich Kollegen, die sind nach dem Motto „Nur noch zehn Jahre, dann geh ich in Rente. Das halt' ich schon aus“ zur Arbeit gegangen. Vor allem von Männern hört man das oft. Für mich ist das eine Horrorvorstellung. Warum verbringt man zehn oder mehr Jahre mit einer Tätigkeit, die einen nicht glücklich macht? Es ist doch eine schlimm, so viel Zeit absitzen zu müssen. Und deshalb möchte ich Mut machen, einen neuen Weg einzuschlagen.

Sind Frauen mutiger als Männer?

Anne Körkel: Sie haben häufig mehr Ideen. In der Landwirtschaft zum Beispiel: Einen Hofladen einzurichten, Brot zu backen und zu verkaufen, Urlaub auf dem Bauernhof anzubieten – das kommt meist von den Frauen. Wenn sie mutig sind, entwickeln sie sehr dynamische Betriebe. Aber oft hapert es eben am Mut, ihre Ideen anzugehen oder überhaupt anzusprechen.

Wann verliert der Mensch eigentlich seinen Mut?

Anne Körkel: Mut ist etwas frühkindliches, er wird schon bei der Zeugung angelegt. Wenn Sie kleine Kinder beobachten, werden Sie feststellen: Die sind mutig. Die kennen das Gefühl der Angst nicht. Sie klettern überall rauf, fassen überall hin. Mit drei, dreieinhalb Jahren etwa, wird das langsam ein bisschen anders, das stelle ich gerade auch bei meiner Tochter fest. Emotionen verknüpfen sich mit dem, was man tut, die ersten negativen Erfahrungen werden gespeichert – und die überlagern häufig den Mut. Das ist der Grund, warum ich immer einen Spaten zu meinen Vorträgen mitbringe: Er ist für mich ein Symbol dafür, das wegzugraben, was den Mut überlagert.

Haben Sie konkrete Tipps für die Frauen?

Anne Körkel: Ich muss ganz klar sagen: Ein Patentrezept gibt es nicht. Erst mal geht es mir darum, dass die Frauen ihren Ideen Achtung schenken und sie nicht jahrelang unterdrücken. Dann ist es wichtig, sich einen Partner zu suchen, mit dem man über die Idee sprechen kann, der einen ernst nimmt. Und man kann sich umsehen: Was machen die anderen und wie machen sie das? Ich habe viele Höfe besucht und Betriebe angeschaut, bevor ich entschieden habe, welchen Weg ich genau gehe, wie ich mein Unternehmen aufbaue. Die meisten Betriebe sind da sehr offen - und ich halte das heute genauso: Man kann gerne vorbeikommen und sich darüber informieren, wie es bei „Annes Ha(h)nauer“ läuft. Bei der Umsetzung bekommt man an vielen Stellen Unterstützung, es gibt Netzwerke für Start-ups, Behörden, der VlF, der Bauernverband oder Landfrauenverbände können weiterhelfen.

Warum befassen Sie sich mit dem Thema Mut?

Anne Körkel: Das kommt aus meiner Geschichte heraus. Ich war beim Bauernverband angestellt und dort glücklich und erfolgreich. 2015 bekam ich mein erstes Kind, Lotte. Vorher dachte ich, wenn ich erst mal Mutter bin, dann bin ich das von Kopf bis Fuß. Aber schon nach ein paar Wochen habe ich gemerkt, dass ich doch nicht so zufrieden war, wie ich gedacht hatte. Also habe ich mir überlegt, was ich machen könnte und innerhalb nur eines halben Jahres „Annes Ha(h)nauer“ gegründet. Damit habe ich mich später für den CeresAward beworben und tatsächlich gewonnen habe. Da bekam immer wieder zu hören, wie mutig es von mir gewesen sei, diesen Schritt zu gehen. Mir selbst war das bis dahin gar nicht bewusst. Von da an habe ich mich mit dem Thema Mut befasst.

Was ist das Besondere an Ihrem Unternehmen?

Anne Körkel: Wir bieten Freilandhähnchen an, die dank eines mobilen Strohstalls viel Platz und Zeit zum Wachsen haben und viel Auslauf genießen dürfen. Sie bekommen überwiegend regionales und gentechnikfreies Futter und werden nur wenige Kilometer entfernt geschlachtet. Das geht mit erhöhten Kosten einher, doch die Verbraucher honorieren das und zahlen gerne den höheren Preis.

War die Gründung in so kurzer Zeit nicht ein großes Risiko?

Anne Körkel: Natürlich durchdenkt man das sehr genau. Hierbei spielt auch Angst, insbesondere zu scheitern, eine große Rolle. Angst lässt sich auch nicht wegrechnen. Zumal ich auch viele Landwirte gefragt habe, was sie von meiner Idee halten. Die Antwort fiel fast immer gleich aus: „Das funktioniert nie.“

Warum haben Sie Ihre Idee trotz der Warnungen umgesetzt? Sie hatten doch einen sicheren Job.

Anne Körkel: Weil es meine Idee war, mein Traum, und nicht der der anderen. Das versuche ich auch immer meinen Zuhörerinnen klar zu machen. Wenn viel Kritik kommt, besteht die Gefahr, dass man wieder klein wird, sich nicht mehr zutraut, den eigenen Traum zu verwirklichen. Da muss man stark sein. Schließlich hätte ich auch scheitern können.

Was finanziell womöglich nicht einfach geworden wäre...

Anne Körkel: Bei meinem Traum war die Investition überschaubar, sie lag bei etwa 35 000 Euro. Andere setzen eine halbe Million in den Sand, hab' ich mir gedacht. Außerdem hätte ich, wenn es tatsächlich schief gegangen wäre, den mobilen Stall ja wieder verkaufen können.

Trotzdem hätten bestimmt viele an Ihrer Stelle einen Rückzieher gemacht.

Anne Körkel: Genau deshalb möchte ich ja Mut machen, die eigenen Potenziale zu entwickeln, die Leichtigkeit, etwas Neues zu wagen. Deshalb bin ich Mut-Botschafterin.

VLF-Frauentag in Iphofen

Termin: Der 31. VLF-Frauentag findet am Donnerstag, 8. November, ab 10 Uhr in der Karl-Knauf-Halle in Iphofen statt. VLF steht für den Verband für Landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern, eine Organisation für Aus- und Weiterbildung im Agrarbereich.

Programm: 10 Uhr Begrüßung, 10.15 Uhr Vortrag „Besser leben ohne Plastik“ von Nadine Schubert, Freiberufliche Autorin aus Oberaurach. 12.15 Uhr Mittagessen und anschließend Kaffee im Gasthof Goldene Krone, 14 Uhr: Vortrag „Verstand aus! Mut an!“ von Anne Körkel, Landwirtschaftliche Unternehmerin 2017 und Mut-Botschafterin aus Bodenweiher. Die Veranstaltung endet um 16 Uhr.

Anmeldung: Anmeldung bis zum 2. November beim VLF-Kreisverband. Kostenbeitrag fünf Euro pro Person.