Der Naturschutz, der Klimawandel, die Energiewende – das sind Themen, mit denen sich Manfred Engelhardt, der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Kitzingen, seit vielen Jahren intensiv beschäftigt. Er spricht darüber, er schreibt darüber und er geht dafür auch auf die Straße. Zum Beispiel bei der Großdemo im Vorfeld der Weltklimakonferenz, die noch bis zum 17. November in Bonn stattfindet.

Frage: Sie haben vergangenes Wochenende in Bonn mitdemonstriert. Wie haben sie die Veranstaltung erlebt?

Manfred Engelhardt: Es war eine sehr begeisternde Geschichte, weil man gesehen hat, dass viele Leute es als wesentliches Ziel sehen, die Welt wieder nachhaltiger zu gestalten. Es waren Menschen aus allen Ecken der Welt dabei, auch viele junge. Es gab Skulpturen und Plakate, Aktionen und Reden. Zum Beispiel hat Hubert Weiger, der Vorsitzende des BN und BUND, die Ernsthaftigkeit der Situation dargestellt und deutlich gemacht, was wir vom BN von der neuen Regierung fordern. Zum Beispiel, dass die Grünen nicht einknicken, was den Kohleausstieg und das Aus für den Verbrennungsmotor angeht.

Waren nur deutsche Redner dabei?

Engelhardt: Nein, es gab auch Beiträge von Leuten aus Ländern, die deutlich mehr unter dem Klimawandel leiden, aus Indien zum Beispiel. Oder von Inselstaaten, die durch den steigenden Meeresspiegel in ihrer Existenz bedroht sind. Dass Fidschi die Konferenz ausrichtet, sie aber in Deutschland stattfindet, lenkt die Aufmerksamkeit auf die massiven Probleme, die ferne Weltteile durch den Klimawandel haben.

Viele Menschen hierzulande denken aber, es gehe sie nichts an, wenn im Südpazifik in ein paar Jahren eine Insel versinkt.

Engelhardt: Natürlich geht es uns hier etwas an. Alleine wenn man die Migration anschaut. Wenn die Klimaveränderung so weitergeht, wird sie massive Ausmaße annehmen. Und das ist nur einer von vielen Bereichen. Die Demo war eine gute Gelegenheit, sich mit Menschen aus anderen Ländern zu unterhalten. Es ist gut, mal über den Tellerrand zu schauen.

Eigentlich aber schauen Sie doch als BN-Kreisvorsitzender zuerst auf den Landkreis. Da ist der Sandabbau in Nordheim ein Thema, nicht der Klimawandel in Sri Lanka.

Engelhardt: Wenn man auf die ganze Erde schaut, handelt es sich beim Sandabbau in Nordheim um Peanuts – aber nur auf den ersten Blick. Man muss das Ganze sehen. Es geht ja dort auch um Artenvielfalt, um den Lebensraum für Tiere, um das Klima, um den Energieverbrauch.

Waren Sie der Einzige aus dem BN-Kreis Kitzingen, der nach Bonn im Bus mitgefahren ist?

Engelhardt: Ich muss zugeben: Es waren nicht viele aus der Region dabei. Da kann man sich jetzt die Frage stellen, inwieweit wir die Bevölkerung noch repräsentieren. Betreiben wir ein Hobby? Sind wir pessimistische Schwarzseher? Ich glaube nein. Wenn sich 200 Länder in Paris darauf einigen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und wenn die Amerikaner mit ihrem Ausstieg alleine bleiben, dann zeigt das doch, dass Klimaschutz wichtig ist. Der Einsatz dafür ist kein Hobby.

Trotzdem hat der BN mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen.

Engelhardt: Das stimmt. Es ist nicht einfach, junge Leute dafür zu gewinnen. Heute sourcen die Leute die Rettung der Welt gerne aus – nach dem Motto: Lass das mal die anderen machen. Ich staune immer wieder, wie passiv die Bevölkerung ist und wie wenig sie sich für den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz interessiert. Wir in Kitzingen wären auf jeden Fall froh, wenn jemand sich in der Kreisgeschäftsstelle in der Ritterstraße melden würde, um bei uns mitzumachen.

Bringt es überhaupt etwas, für den Umweltschutz zu demonstrieren?

Engelhardt: Demos nützen durchaus etwas, sie sind eine Möglichkeit der Einflussnahme auf die Politik. Wenn auf größeren Demos etwas gefordert wird, hat das sehr wohl Einfluss. Das weiß ich aus vielen Gesprächen mit Politikern. Demos sind eine Art „Politik auf Zuruf“.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, auf den Klimawandel Einfluss zu nehmen.

Engelhardt: Zum Beispiel mit der Wahl der Partei. Oder beim Kauf des Autos: Durch den Trend zum SUV wird unnötig viel Masse bewegt, das ist mit viel CO2 verbunden. Man kann den Stromverbrauch zuhause reduzieren und vieles mehr. Jeder Einzelne kann bei seinen Entscheidungen überlegen, inwieweit sie einen Bezug zur Klimafrage haben. Das ist die zentrale Frage der Menschheit. Jeder ist Teil des Problems.

Welche Rolle spielen dabei die Erneuerbaren Energien?

Engelhardt: Die Erneuerbaren sind Teil der Lösung. Wenn sie aufgebaut sind, erzeugen sie zuverlässig und ohne die Atmosphäre zu zerstören den benötigten Strom. Ich hatte schon vor Jahren die Vision, dass kleinere Orte zu Selbstversorgern werden. Aber das ist schwierig, denn eine Windkraftanlage vor der eigenen Siedlung will ja keiner haben.

Ist es frustrierend, wenn die Visionen nicht wahr werden?

Engelhardt: Ich bin von Natur aus eher ein Mensch, der von einem halb vollen Glas spricht und nicht von einem halb leeren. Wir haben die Arbeit der letzten Jahre nicht ohne Erfolg geleistet. Beim Kampf gegen den Genmais zum Beispiel, oder beim besseren Müllkonzept. Auch hat sich im öffentlichen Bewusstsein vieles gebessert. Das Thema Flächenverbrauch dagegen ist eine offene Wunde, da tut sich nichts. Dabei hat auch das mit den Klimazielen zu tun. Wenn der Boden versiegelt wird, verschwinden die Pflanzen, die CO2 aufnehmen und dafür wird womöglich eine Produktion gebaut, die CO2-Emissionen erzeugt.

Wird die Weltklimakonferenz etwas bringen?

Engelhardt: Ich setze große Hoffnungen in die Konferenz und darauf, dass Deutschland als Wortführer seine Versprechen ernst nimmt. Was den Kohleausstieg angeht zum Beispiel, oder die Mobilität. Ich finde, wir haben Grund zum Optimismus, dass die Klimaziele doch noch erreicht werden.

Was wäre dafür wichtig?

Engelhardt: Die Regierungen in Bund und Land müssen sich um einen Strukturwandel bemühen. Der Kohleausstieg ist natürlich mit dem Verlust von Arbeitsplätzen verbunden. Man muss eine neue Richtung der Beschäftigung einschlagen, die Innovationen und Arbeitsplätze bringt.