Kitzingen Familie Kokkelink hat seit August 2019 ein neues Familienmitglied auf Zeit: Giulia aus Italien wohnt für zehn Monate als Austauschschülerin bei ihnen. Die Kokkelinks engagieren sich ehrenamtlich als Gastfamilie. Im August kommen neue Schüler aus aller Welt nach Deutschland – vielleicht dann nicht nur zu den Kokkelinks, die im Bonner Raum wohnen, sondern auch nach Kitzingen? Das zumindest hofft die Austauschorganisation Experiment e.V., die gerade auf der Suche nach weltoffenen Familien ist.

Frage: Ist es schwierig, Gastfamilien zu finden?

Lena Wißkirchen: Grundsätzlich suchen wir das ganze Jahr über Gastfamilien. Mal ist es schwieriger, mal leichter, aber es ist bisher noch kein Gastkind ohne Gastfamilie verblieben – und in den seltensten Fällen eine Familie ohne Gastkind. In der Regel findet sich früher oder später das passende Gegenstück.

Wie läuft so eine „Bewerbung“ als Gastfamilie ab?

Lena Wißkirchen: Interessierte Gastfamilien werden von uns telefonisch beraten und mit Informationsmaterialien versorgt. Nach dem Ausfüllen eines „Gastfamilienbogens“ findet ein Kennenlerngespräch mit einer unserer ehrenamtlichen Ansprechpersonen vor Ort statt. Daraufhin werden der Gastfamilie passende Teilnehmer per Email vorgestellt. Dabei nehmen wir natürlich Rücksicht auf die Wünsche der Gastfamilie bezüglich Herkunft, Geschlecht oder Alter sowie auf mögliche gemeinsame Interessen. Weil sich viele Familien englischsprachige Gastkinder wünschen, ist der Bedarf an Gastfamilien für Jugendliche mit anderen Muttersprachen meist am größten.

Welche Auswirkungen hatte beziehungsweise hat Corona auf Ihr Austauschprojekt?

Lena Wißkirchen: Natürlich trifft Corona die gesamte Austauschbranche stark. Ein Teil der Gastkinder, die Anfang des Jahres noch bei ihren Gastfamilien waren, sind zurück in ihr Heimatland geflogen. Allerdings finden wir es besonders schön, dass ein großer Teil den Austausch fortgesetzt hat. Das Feedback der aktuellen Gastfamilien und Austauschschüler ist dabei durchweg positiv. Die gemeinsame Zeit zuhause hat die gesamte Familie, inklusive Gastkind, zusammengeschweißt. Corona beeinflusst außerdem, dass die Anmeldezahlen für unsere kommende Sommer-Einreise im August niedriger sind als gewohnt. Dennoch sind wir noch auf der Suche nach motivierten Familien.

Sie suchen Familien in ganz Deutschland. Es ist also nicht zwingend notwendig, dass die Austauschschüler alle in einer Region untergebracht sind?

Lena Wißkirchen: Genau, die Gastfamilien sind in ganz Deutschland verteilt. Die Gastkinder werden unabhängig von der Region in Gastfamilien platziert. Wir freuen uns deshalb, wenn sich auch im Landkreis Kitzingen Familien finden.

Der Austausch startet und endet mit dem Abholen beziehungsweise Bringen des Gastkindes am Flughafen?

Lena Wißkirchen: Zu Beginn des Programms findet für alle Austauschschüler erst einmal ein mehrtägiges Orientierungsseminar statt. Von der Seminarstätte fahren die Teilnehmer dann mit dem Zug zu ihren Gastfamilien. Ein Teil wird aber auch von der Familie vor Ort abgeholt. Dieser Sommer stellt aufgrund der Pandemie eine Ausnahme dar und das Seminar findet online statt, weshalb die Gastfamilien ihre Gastkinder tatsächlich direkt am Flughafen abholen. Am Abreisetag bringen die Gastfamilien ihre Gastkinder entweder zum Flughafen oder zum Bahnhof.

Die Kinder würden hier in Kitzingen auch zur Schule gehen?

Lena Wißkirchen: Genau, die Gastkinder gehen vor Ort zur Schule, meistens auf ein Gymnasium oder eine Gesamtschule. Die Auswahl der Schule trifft meist die Gastfamilie in Absprache mit uns, um die Schulanmeldung kümmern wir uns mit Unterstützung der Gastfamilie. Als Ansprechpartner sind die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle in Bonn stets erreichbar.

Nicht nur der Austauschschüler profitiert von so einem Projekt. Auch die Gastfamilie kann aus dieser Zeit ganz viel lernen.

Lena Wißkirchen: Als Gastfamilie sammelt man interkulturelle Erfahrungen und lernt viel über die „fremde“ sowie die eigene Kultur dazu – und das, ohne selbst zu verreisen. Gastfamilien holen sich sozusagen „die Welt nach Hause“ und haben am Ende des Programms neue Freunde beziehungsweise Familienmitglieder in aller Welt. Interessierte Familien können sich gerne die Erfahrungsberichte von ehemaligen Gastfamilien auf unserer Webseite anschauen: www.experiment-ev.de

Über Experiment e.V.

Info: Die gemeinnützige Austauschorganisation Experiment e.V. betreut jährlich um die 200 Jugendliche aus 17 verschiedenen Ländern und ihre Gastfamilien bei ihrem Austausch-Programm in Deutschland. Auch für die kommende Einreise-Saison werden wieder Gastfamilien in Kitzingen und Umgebung gesucht.

Gastschüler: Corona zum Trotz rechnet die Bonner Organisation mit der Ankunft zahlreicher internationaler Jugendlicher zwischen 15 und 18 Jahren, die für drei Monate bis ein Schuljahr in Deutschland bleiben möchten. Deswegen sucht Experiment e.V. Gastfamilien auch in Kitzingen und Umgebung, die bereit sind, ein Gastkind ab voraussichtlich Ende August bei sich aufzunehmen.

Voraussetzungen: Gastfamilie kann fast jeder werden – egal ob Alleinerziehende, Paare mit oder ohne Kinder oder Patchwork-Familien, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Wichtig sind vor allem Humor, Neugier und Toleranz sowie die Bereitschaft, den Gast als „Familienmitglied auf Zeit“ aufzunehmen. Wer Interesse hat, kann sich an die Geschäftsstelle von Experiment e.V. in Bonn wenden. Ansprechpartnerin ist Kerstin Overs de Gutierrez (Tel. 0228/95722-41, E-Mail: overs@experiment-ev.de). Weitere Infos unter www.experiment-ev.de. red