Es geht längst nicht nur um Prinzessin Hadeloga, die mit ihrem Schleier den Grundstein für die Stadt Kitzingen gelegt hat. Es geht um ein weißes Kleid aus Leinen. Um Krieg bei Sulzfeld und Liebe im Luitpoldbad. Um Feen und Nornen – weibliche Wesen, die Schicksalsfäden spinnen – und neuerdings sogar um eine Silvanerprinzessin. Maria Stühler verwebt „Sagen und Sagenswertes rund um Kitzingen“ zu einer Stadtführung der besonderen Art.

Der „Schatz“ ihres Vaters hat Maria Stühler schon immer inspiriert. „Er hat viele schöne, mittlerweile längst vergriffene Sagenbücher gesammelt. Ich habe es schon früher geliebt, darin herumzustöbern“, erzählt die 57-jährige Gartenbau-Ingenieurin, die in Wiesentheid lebt und sich anlässlich der Kleinen Gartenschau vor neun Jahren zur Kitzinger Stadtführerin ausbilden ließ. Als das Team der Tourist-Info Kitzingen neue Ideen für Stadtführungen suchte, musste Maria Stühler nicht lange überlegen: „Es gab bislang noch keine Führung, die die Geschichte Kitzingens mit Erzählungen und Überlieferungen der fernen und nahen Vergangenheit verbindet. Genau das ist es aber, was mich interessiert, ebenso wie die Sagenfiguren selbst.“

Also durchforstete die Fränkin nicht nur den heimischen Bücherschatz, sondern auch die Kitzinger Stadtbücherei und das Frankenstudio in Sickershausen. „Ich habe speziell nach Überlieferungen gesucht, die sich mit den Kitzinger Sehenswürdigkeiten befassen.“ Schnell wurde Maria Stühler fündig. Und nicht selten hatte sie Gelegenheit zum Staunen.

Sie stieß zum Beispiel auf Erzählungen, die noch gar nicht so alt sind. Noch immer gibt es Kitzinger, die sich lebhaft an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern. „Der Luitpoldbau, in dem sich heute unter anderem die Vhs befindet, war ja als Bad geplant und gebaut worden. Mancher amerikanische Offizier kam jedoch nicht nur zum Baden her, wie Geschichten von abgeschlossenen Umkleiden und Liebchen-Besuchen zeigen...“

In anderer Hinsicht abenteuerlich war offenbar die Zeit um den Bau der ersten Stadtmauer. Da wird von Nornen berichtet, schicksalsbestimmenden Wesen der nordisch-germanischen Mythologie, von denen einige von Göttern, andere von Zwergen oder Elfen abstammen sollen. „Die Nornen hatten auch in der Cyriakusschlacht ihre Finger im Spiel“, sagt Maria Stühler mit geheimnisvollem Lächeln. In der berühmten Auseinandersetzung am Sulzfelder Cyriakusberg kämpften im 13. Jahrhundert unter anderem Casteller Grafen gegen die Würzburger Herren. Ob die Schicksalsfäden der Nornen daran schuld sind, dass die Casteller im Kampf um die Kandidatenfrage bei der Bischofswahl in der Domstadt unterlagen?

Maria Stühler will im Vorfeld ihrer Premierenführung nicht zu viel verraten. Aber sie sagt: „Ich lese sehr gern und viel. Deshalb gibt es bei mir nicht nur historische Geschichten, sondern ich baue auch immer wieder neue Aspekte in meine Stadtrundgänge ein.“ Ganz aktuell befasst sich die Wiesentheiderin zum Beispiel mit der „Silvanerprinzessin“, über die der bekannte Geiger Florian Meierott ein fränkisches Märchen geschrieben hat.

Wer mehr über dieses weinselige Wesen wissen will – oder wer sich schon immer gefragt hat, warum der Main in solch ausgeprägten Schnörkeln durch die Region fließt –, der sollte nach der sagenhaften Weißen Frau suchen. Maria Stühler trägt bei ihren Führungen durch Kitzingen nicht umsonst ein helles Kleid aus fein gewebtem Leinen...

Infos zur Stadtführung

„Sagen und Sagenswertes rund um Kitzingen“: Unter diesem Titel lädt Stadtführerin Maria Stühler zu einem anderthalb- bis zweistündigen Rundgang durch Kitzingen ein. Sie erzählt von ihren Begegnungen mit Kitzinger Sagenfiguren und von fantastischen Stadtgeschichten. Termine: Freitag, 18. September, und Freitag, 9. Oktober, Beginn jeweils um 18 Uhr; Treffpunkt ist an der Tourist-Info / Alte Mainbrücke. Bitte Mund-Nasen-Schutz nicht vergessen. Anmeldung: Wer sich einen Platz für die Führung morgen sichern will – 14 Personen können teilnehmen –, der meldet sich bis Freitag, 12 Uhr, in der Tourist-Info an: Tel. 09321 / 20-8888, Mail: tourismus@stadt-kitzingen.de. Kurzentschlossene können auch auf gut Glück zum Treffpunkt kommen. Kosten: 12 Euro pro Person, inklusive kleiner Weinverkostung.