Die Vorfreude auf den Saisonstart ist riesig. Bei Betreibern und Gästen gleichermaßen. Wenn es da nicht eine große Sorge gäbe.

An diesem Freitag öffnen die Campingplätze in ganz Bayern. Der Ansturm ist enorm. Von vollen Plätzen berichtet der Campingverband Bayern. Im Landkreis Kitzingen sieht das nicht anders. „Wir sind völlig ausgebucht“, sagt Frank Hartmann vom Campingplatz Schiefer Turm in Kitzingen. Das Telefon steht seit ein paar Tagen nicht mehr still, die Flut an Emails ist kaum zu beantworten. Das Dreifache von dem, was in normalen Jahren an Anfragen reinkommt, haben Hartmann und seine Frau Neda momentan zu bearbeiten. Etwa 80 Prozent der Anfragen müssen sie absagen. „Das macht natürlich keinen Spaß.“

„In den letzten Tagen hat es Anfragen förmlich gehagelt.“
Barbara Kautz, Campingplatz Schwarzenau

Zwölf Kilometer weiter mainabwärts in Schwarzenau sind Barbara Kautz und Gabriele Weniger vom Campingplatz Mainblick auf den Saisonbeginn am Freitag vorbereitet. „In den letzten Tagen hat es Anfragen förmlich gehagelt“, sagt Barbara Kautz und muss lachen. Die Pfingstferien sind komplett ausgebucht. In die Freude mischt sich aber auch ein wenig Skepsis. Die meisten Corona-Auflagen sind problemlos einzuhalten – jede zweite Dusche und Toilette ist abgesperrt, an den Eingängen sind Desinfektionsspender angebracht, auf Abstände wird geachtet. Aber wie läuft das mit den Corona-Tests, die alle 48 Stunden von den Gästen verlangt werden sollen? „Nichts Genaues weiß man nicht“, fasst Barbara Kautz die Lage zusammen. Soll sie die Gäste zum Testen schicken? Wenn ja, wohin?

Schnelltest am Campingplatz

In Schwarzenau gibt es keine Apotheke, die PCR-Tests anbietet. Dabei ist die Sicherheit den beiden Betreibern enorm wichtig. „Wir wollen auf keinen Fall, dass unsere Gäste Corona nach Schwarzenau bringen“, sagt Barbara Kautz und betont: „Das ist das Allerletzte, was wir wollen.“

Vorläufig will sie sich mit Schnelltests am Campingplatz behelfen. Eine Notlösung. Eine Bescheinigung kann sie ihren Gästen dafür natürlich nicht ausstellen. Nur eines ist klar: Falls jemand positiv getestet wird, muss er sofort den Platz verlassen.

Weitere zehn Kilometer mainabwärts betreibt Tanja Herlitz den Campingplatz Ankergrund in Volkach. Auch hier steht das Telefon seit ein paar Tagen nicht mehr still. „Pro Tag muss ich rund 100 Absagen schreiben“, berichtet sie. So schön der Andrang ist, die verspätete Saisoneröffnung hinterlässt auch finanziell ihre Spuren. Normalerweise hätte Herlitz Anfang April ihre Tore geöffnet. „Das ist nicht mehr aufzuholen“, sagt sie. „Ich kann die Plätze ja nicht doppelt belegen.“ Im letzten Jahr war der Ankergrund durchgehend ausgebucht, Herlitz würde ihr Areal gerne vergrößern. „Aber die Stadt verkauft keine Flächen.“ Auch in Schwarzenau und Kitzingen gibt es keine Kapazitäten für Vergrößerungen. Auch deshalb müssen Betreiber wie Tanja Herlitz an jedem Tag Dutzende Kunden vertrösten. „Klar sind die Leute dann auch verärgert.“

Mehr Tests in Volkach

Ärger ist auch bei denjenigen programmiert, die in den nächsten Tagen einen Platz ergattert haben. Sie müssen alle 48 Stunden einen neuen negativen Corona-Test vorlegen. So hat es das Bayerische Kabinett beschlossen. In Volkach hatte das BRK bislang an drei Tagen in der Woche ein Testzentrum für drei bis vier Stunden geöffnet. „Das wird nie und nimmer langen“, prophezeit Herlitz. Nicht nur die Campingplätze an der Mainschleife dürfen schließlich ab Freitag öffnen – auch die Wohnmobilstellplätze, Ferienwohnungen und Hotels. Tausende Gäste werden ab diesem Wochenende in ganz Mainfranken erwartet. Sie alle müssen sich nach spätestens 48 Stunden testen lassen.

Die Stadt Volkach hat reagiert und die Testmöglichkeiten erweitert. An allen sieben Tagen dieser Woche – auch am Pfingstsonntag und Pfingstmontag – besteht die Möglichkeit, sich kostenlos in Volkach testen zu lassen. Zudem ist für das Pfingstwochenende sowohl in Nordheim als auch in Sommerach eine Schnelltest-Station in Planung.

„Pro Tag muss ich rund 100 Absagen schreiben.“
Tanja Herlitz, Campingplatz Volkach

Zwischen 500 und 700 Besucher erwartet alleine Frank Hartmann auf seinem Kitzinger Campingplatz. Beim Einchecken kann er die Nachweise über einen negativen Corona-Test problemlos kontrollieren. „Aber dann?“ In den nahen E-Center würde er seine Gäste normalerweise schicken, dort bietet eine Apotheke Schnelltests an. „Über die Feiertage hat die aber natürlich zu“, sagt er. In der Kitzinger Rathaushalle gibt es ein weiteres Testzentrum – das an den Feiertagen zusätzlich geöffnet hat. Am Pfingstsamstag von 11 Uhr bis 13.30 Uhr und am Pfingstsonntag beziehungsweise Montag von 11 Uhr bis 12 Uhr. „Das wird nie und nimmer reichen“, prophezeit er.

Die beste Lösung?

Tanja Herlitz hat einen Vorschlag, wie die Problematik gelöst werden könnte. Ein Blick nach Österreich oder Italien bietet sich da an. Dort reicht es, bei der Ein- beziehungsweise Ausreise einen negativen Test vorzuweisen. Während des Urlaubs müssen die Camping-Gäste nicht zum Testen. „Das wäre auch für uns die beste Lösung“, sagt sie.

Camping in Bayern

Die Voraussetzungen für einen Camping-Urlaub in Bayern: Ein stabiler 7-Tage-Inzidenz-Wert des Landkreises unter 100; Bei Anreise muss ein maximal vor 24 Std. vorgenommener negativer Corona-Test vorgelegt werden. (PCR-Test oder POC-Antigentest); Alle 48 Std. muss auch während des Aufenthalts ein negativer Corona-Test (PCR-Test oder POC-Antigentest) vorgelegt werden; Ausnahme: Kinder bis zum 6. Geburtstag, vollständig geimpfte und genesene Personen.