Kitzingen Stehenbleiben oder weitergehen? Vor dieser Entscheidung sei sie schon oft in ihrem Leben gestanden, erzählt Andrea Schmidt. Die Antwort war immer die Gleiche, auch jetzt: Sie will weiter gehen, neue Erfahrungen sammeln, sich einsetzen und mehr Verantwortung übernehmen. Am 15. März tritt sie für die Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl in Kitzingen an. Ihr Ziel: In die Stichwahl kommen.

Ist Kitzingen eine liebens- und lebenswerte Stadt?

Schmidt: Auf jeden Fall. Ich bin hier als fünftes Kind meiner Eltern aufgewachsen, die Kindheit und Jugend in der Siedlung hat mich positiv geprägt.

Was ist schön an Kitzingen?

Schmidt: Der Main, die Alte Mainbrücke. Wenn ich mit meinem Fahrrad über die Brücke fahre und die Kirchtürme sehe, geht mir immer das Herz auf.

Was fehlt in Kitzingen?

Schmidt: Eine gute Nahversorgung im Herzen der Stadt. Langfristig wünsche ich mir auch einen „Unverpackt-Laden“. Es braucht ganz allgemein besondere Angebote in der Innenstadt, einen guten Mix. Eventuell muss die Stadt dafür selbst eine Immobilie vorhalten. Das gilt auch für den Erhalt von bürgerlichem Engagement.

Das heißt?

Schmidt: Denken Sie ans Bürgerzentrum. Wir müssen aktiven Bürgern eine Heimat geben. Auch das Jugendzentrum oder Krabbelgruppen sollten sich in der Innenstadt beheimatet fühlen, genauso wie Altenheime. Ich möchte, dass sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in der Stadt treffen und austauschen können. Dass wir viele Kontaktmöglichkeiten schaffen. Das macht eine lebendige Stadt aus.

Welche Schwerpunkte würden Sie als OB setzen?

Schmidt: Wir brauchen viele grüne Aufenthaltsflächen in der Stadt. Ich würde mich auch für kleine, urbane Stadtwälder einsetzen. Die vielen Leerstände in der Innenstadt, auch durch das Überangebot von Discountern in den Außenbereichen, erfordern ganz neue Strategien. Deshalb gibt es von mir ein klares Nein zur Ansiedlung von weiteren solchen Einkaufszentren. In den Marshall-Heights sollte sich ein kleiner Nahversorger ansiedeln. Aber nicht mehr. Und ich würde den Stadträten mehr abverlangen. Wir haben beispielsweise einen Umweltreferenten und einen Umweltbeirat. Aber beide sind untätig gewesen. Ich würde die Referenten generell nach Können und Interessen auswählen und nicht nach irgendeinem Proporz.

Was ist in den letzten zwölf Jahren versäumt worden?

Schmidt: Der Bau von sozialem Wohnraum ist total vernachlässigt worden. Einige Beschlüsse sind erst gar nicht umgesetzt worden. Denken Sie nur an die Wohnungen am Galgenwasen, die schon seit Februar 2019 hergerichtet werden sollten, oder an den Beschluss, einen Runden Tisch für die Kulturschaffenden in Kitzingen einzuführen. Aber natürlich gab es auch gute Entwicklungen wie den Bau und die lebendige Nutzung des Stadtteilzentrums.

Wie sieht Ihre Vision für Kitzingen im Jahr 2030 aus?

Schmidt: Ich würde mich freuen, wenn die Innenstadt vor lauter Leben pulsieren würde. Wenn Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer das gleiche Recht haben. Wenn ein elektrisch betriebener Stadtbus in der Stadt und ihren Ortsteilen eingesetzt wird und überall dort hält, wo jemand ein entsprechendes Zeichen gibt. Im Bereich der Wirtschaft haben sich mit starkem Engagement der Stadtverwaltung viele nachhaltig wirtschaftende Betriebe angesiedelt. Das Problem bezahlbarer, sozialer Wohnraum ist gelöst.

Wie wollen Sie die Bürger mitnehmen und in Entscheidungen einbinden?

Schmidt: Unsere Bürger sind die Experten in ihrem jeweiligen Umfeld. Natürlich müssen wir sie vor einer grundsätzlichen Entscheidung befragen, beispielsweise in Anliegerversammlungen. Wenn sich die Bürger ernst genommen fühlen, dann hilft das auch gegen die allgemeine Politikverdrossenheit.

Braucht es ein Staatsarchiv in Kitzingen?

Schmidt: Eine gute Frage. Wenn wir vom Staat schon Unterstützung erfahren, dann hätte ich mir eine Institution mit mehr Publikumsverkehr oder mehr Arbeitsplätzen gewünscht. Etwas Innovativeres.

Braucht es ein Stadtmuseum?

Schmidt: Auf alle Fälle. Wir brauchen einen Ort, an dem unsere Vergangenheit gut aufbewahrt wird.

Braucht es eine Vinothek?

Schmidt: Die wäre in der Innenstadt tatsächlich wichtig. Im Dietz-Gebäude kann ich mir sie gut vorstellen.

Sollte Kitzingen weiter wachsen?

Schmidt: Ein weiterer Anstieg auf 25.000 Bewohner wäre gut, aber wir können das nur bedingt beeinflussen. Wenn wir die Attraktivität von Kitzingen weiter steigern, wird es auch Zuzug geben.

Was sollen die Bürger in sechs Jahren über die Oberbürgermeisterin Andrea Schmidt sagen?

Schmidt: Dass sie stets nach den besten Lösungen gesucht hat, immer geschaut hat, wie diese Stadt noch besser werden kann. Dass sie dabei stets vermittelt und den Dialog gesucht hat.

Welches Ergebnis erhoffen Sie sich am 15. März?

Schmidt: Ich möchte auf jeden Fall in die Stichwahl kommen. Und dann ist alles möglich. Nach 24 Jahren Stadtratsarbeit habe ich Respekt, aber auch Demut vor dem Amt. Ich möchte hier mehr bewegen als bisher bewegt wurde, eine grüne Politik etablieren.