Am Ende musste eine Stichwahl entscheiden. Klaus Heisel (SPD) setzte sich mit einer Stimme Vorsprung gegen Manfred Marstaller (UsW) durch. Die Stellvertreter des Oberbürgermeisters sind demnach beisammen. Stefan Güntner (CSU) erhielt bei der Wahl zum ersten Bürgermeister eine deutliche Mehrheit. Er hatte keinen Konkurrenten.

Die konstituierende Sitzung des Kitzinger Stadtrates in der Rathaushalle verlief harmonisch und sie verlief trotz der Stichwahl zügig. Von den 30 Räten fehlten am Dienstagabend nur die KIK-Mitglieder Klaus Christof und Wolfgang Popp. Sie hatten sich entschuldigt.

„Es ist in der Folge nur konsequent, dass ich – unter diesen undemokratischen Prämissen – ein Bürgermeisteramt nicht anstrebe.“
Klaus Christof in einer Stellungnahme

Christof hatte am Montagabend seine Entscheidung bekannt gegeben, doch nicht für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren. Ihn hatte eine Versammlung im Vorfeld der Wahl verärgert, zu der alle Fraktionen und Gruppierungen außer der KIK und ProKitzingen geladen waren. Dieses Vorgehen lässt Christof die demokratischen Prinzipien des Oberbürgermeisters in Zweifel ziehen. Der differenziere schon zu Beginn der Stadtratsperiode wieder zwischen guten und unerwünschten Stadträten. Auch an den Mitgliedern der anderen Parteien und Gruppierungen übt Christof Kritik. Es sei bezeichnend, dass sie diese „undemokratische Selektion der Teilnehmer“ und den Ausschluss von KIK und ProKT mitgetragen haben. „Es ist in der Folge nur konsequent, dass ich – unter diesen undemokratischen Prämissen – ein Bürgermeisteramt nicht anstrebe“, schreibt Christof in seiner Stellungnahme.

Dessen ungeachtet gingen die Bürgermeisterwahlen schnell über die Bühne. Stefan Güntner erhielt 27 der 29 Stimmen. Eine war ungültig, eine Stimme ging an die nicht nominierte Astrid Glos. Güntner hatte im Vorfeld betont, dass er mit OB Siegfried Müller gut zusammenarbeiten werde. „Wenn die künftige Arbeit konstruktiv und produktiv ablaufen soll, dann braucht es ein Vertrauensverhältnis zwischen dem OB und seinen Stellvertretern“, sagte er. Dieses Vertrauensverhältnis bestünde schon jetzt. „Und es kann noch enger zusammenwachsen“, so Güntner.

Der 32-jährige Güntner und der 58-jährige Müller kennen sich seit vielen Jahren. Güntner lernte das Fußballspielen beim SSV Kitzingen. Präsident war Siegfried Müller. In der Stichwahl für das Amt des Oberbürgermeisters scheiterte Güntner Ende März nur knapp gegen Müller. Der Wahlkampf war von gegenseitigem Respekt geprägt.

Respekt verdiente sich am Dienstagabend auch die SPD mit ihrem taktischen Schachzug, Klaus Heisel für das Amt des zweiten Bürgermeisters ins Rennen zu schicken. Die UsW hatte ihren Fraktionsvorsitzenden Manfred Marstaller nominiert. Argument: sie sei die zweitstärkste Fraktion. Die ÖDP schickte Andrea Schmidt ins Rennen. Nach 18 Jahren im Stadtrat sei sie bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, begründete Schmidt ihre Entscheidung. Als Schmidts Kandidatur klar war, meldete sich Dr. Brigitte Endres-Paul von der SPD zu Wort und nominierte ihren Fraktionskollegen Klaus Heisel. Der verfüge nach 30 Jahren im Stadtrat und zehn Jahren Fraktionsvorsitz über eine große politische Erfahrung, habe in allen Stadtratswahlen viele Stimmen erhalten und habe sich stets durch ein sehr hohes Engagement und durch seine Kollegialität ausgezeichnet.

Heisel unterstrich in seiner kurzen Bewerbungsrede den Gedanken der Kollegialität. „Ich möchte den Stadtrat zusammenführen und zusammenhalten“, sagte er. Als Bürgermeister sei er in erster Linie ein Vertreter des Oberbürgermeisters. „Es geht also nicht darum, eine eigene Politik zu machen.“ Heisels Nominierung war in so fern eine Überraschung, weil die meisten Beobachter mit einer Nominierung der OB-Kandidatin Astrid Glos gerechnet hatten. Die hat den Fraktionsvorsitz von Dr. Endres-Paul übernommen.

Die anschließende Wahl verlief spannend. Schmidt schied im ersten Durchgang mit sechs Stimmen aus. Heisel erhielt neun Stimmen, Marstaller 13. Für eine direkte Wahl wären 15 Stimmen nötig gewesen. Bei der anschließenden Stichwahl enthielten sich zwei Räte der Stimme. Von den 27 gültigen Stimmen erhielt Marstaller 13, Heisel 14. Die Unterstützer von Andrea Schmidt waren offensichtlich auf die Seite von Heisel gewechselt. Marstaller nahm es sportlich, war einer der ersten, der Klaus Heisel gratulierte. OB Siegfried Müller hatte das Wahlprozedere nach eigenen Worten ganz entspannt verfolgt. „Ich hätte mit allen drei Bewerbern gut zusammenarbeiten können“, versicherte er.

In den kommenden sechs Jahren will Müller daran arbeiten, die Zukunftsfähigkeit der Stadt weiter zu verbessern. Die leicht verschobenen Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat geben ihm die Hoffnung, dass ein paar „große Brocken“ noch in diesem Jahr vorangebracht werden könnten. Zumindest, was die Zielrichtung angeht. Er nannte beispielhaft die Themen Marshall-Heights, Bahnhofsumfeld, Markt-Café und Deuster-Gelände.

Müller will auf einen lebendigen Dialog mit den Bürgern setzen. Die Entscheidungen des Stadtrates will er den Bürgern erklären. „Auch, oder gerade, die unbequemen, denn Bürgerbeteiligung ist für mich keine Drohung, sondern eine Chance“, versicherte er. „Eine Chance, die wir bereits aktiv und erfolgreich nutzen.“ Als weitere Ziele für die kommende Amtsperiode nannte er die Verbesserung der Infrastruktur, die Ansiedlung von Industrie und Gewerbe auf den Konversionsflächen und die städtebauliche Entwicklung in der Innenstadt. Außerdem soll Kitzingen noch familien- und seniorenfreundlicher werden.

Mit der Vereidigung der neuen Stadträte und der Bürgermeister-Stellvertreter sowie der Bekanntgabe der Ausschussmitglieder und der Referenten endete die konstituierende Sitzung. Große Veränderungen gab es nicht. Das Referat Jugend und Familie wird künftig von Dr. Stephan Küntzer (CSU) geführt, Gertrud Schwab (CSU) übernimmt das Feuerwehr-Referat. Neu als Referent ist auch Dr. Uwe Pfeiffle (Freie Wähler-FBW) für das Ressort Bildung und Schulwesen. Trotz seiner öffentlich geäußerten Ablehnung bleibt Franz Böhm (ProKitzingen) Referent für Ökologie, Umwelt und Energie.

Nach rund eineinhalb Stunden dankte Müller dem Gremium für eine disziplinierte Sitzung und eine „gute Entscheidung.“ Er sei stolz, dass die Sitzung so problemlos über die Bühne ging und hofft nun, dass die Arbeit so weitergeführt werde. „Im gegenseitigen Vertrauen.“