Er war von Anfang an dabei. Und er ist es immer noch. Klaus Dotzer und der Lionsclub Kitzingen engagieren sich in der Flüchtlingshilfe.

Seit mehr als 20 Jahren ist der ehemalige Steuerberater Mitglied im Lionsclub Kitzingen. Seit August 2015 ist er dessen „Beauftragter für Integration.“ Viele praktische und finanzielle Hilfen kamen dank seiner Vermittlung bei den Hilfesuchenden an. Kürzlich überreichte er mit dem aktuellen Clubpräsidenten Dietrich Oechsner acht Tablets für den virtuellen Deutsch-Unterricht. „Präsenz-Unterricht geht in diesen Corona-Zeiten nicht“, erinnert die Integrationsreferentin der Stadt Kitzingen, Astrid Glos. Also werden zwölf Flüchtlinge halt online geschult. Per Handy ist die Kommunikation aber deutlich eingeschränkt. „Die Tablets helfen uns sehr“, freut sie sich. Ein Kurs dauert ein halbes Jahr, dann werden die Geräte an die nächsten Kursteilnehmer weitergereicht. „Der Bedarf ist groß“, versichert Glos.

Im Sommer 2015 erreichte die Flüchtlingswelle ihren Höhepunkt. In der ehemaligen Bücherei der US-Streitkräfte im jetzigen Innopark wurde eine Notunterkunft eingerichtet. Klaus Dotzer war einer der Ersten, der seine ehrenamtliche Hilfe anbot. „Seither bin ich hängengeblieben“, sagt er und lacht. Fahrdienste bietet er an, bringt Kinder und/oder ihre Eltern bei Bedarf zum Arzt. Seine ehemaligen Büroräume nutzt er nun als Lager. Tische, Stühle, Schränke und Küchen werden dort eingelagert, bis eine Flüchtlingsfamilie Bedarf anmeldet, weil sie endlich eine Wohnung außerhalb der Gemeinschaftsunterkunft gefunden hat. Dank der finanziellen Hilfe des Lionsclubs konnte er eine Weihnachtsfeier in der Unterkunft unterstützen und im letzten Jahr mit Helfern 170 Weihnachtspakete an die Kinder in den Unterkünften in Kitzingen und Kleinlangheim verteilen. Vor allem hilft er den überwiegend jungen Menschen aber beim Ausfüllen der vielen Formulare. Weit über 500 Stunden leistet er so Jahr für Jahr. „Der Mut und die Begeisterung sind in all der Zeit nicht verloren gegangen“, versichert er. Über die Jahre haben sich Kontakte zu etlichen dankbaren Geflüchteten aufgebaut. Dotzer berichtet von einem Iraker, der als Baggerfahrer seine vierköpfige Familie ernährt, und von einem Syrer, dessen Kinder Bau-Ingenieurwesen studieren beziehungsweise kurz vor dem Abitur stehen. „Natürlich gibt es auch Leute, die mit ihrem Hartz-IV-Satz zurechtkommen und die deutsche Sprache kaum beherrschen“, schränkt er ein.

Bei aller Freude und Motivation gibt es aber doch einen dicken Wermutstropfen. „Im Lauf der Jahre ist die Hilfe deutlich schwerer geworden“, bedauert er. Etliche Ehrenamtliche hätten nach fünf oder sechs Jahren verständlicherweise keine Energie mehr und die Unterstützung von Seiten mancher Behörde lasse zu wünschen übrig. Warum die dezentralen Unterkünfte einst aufgelöst wurden, versteht der 76-Jährige bis heute nicht.

„Im Lauf der Jahre ist die Hilfe deutlich schwerer geworden.“
Klaus Dotzer, ehrenamtlicher Helfer

Ein funktionierendes und flächendeckendes System wurde zerstört. Seither sind die Flüchtlinge wieder auf engstem Raum zusammengepfercht und haben deutlich weniger Kontakte zu Einheimischen. „Aus Hüttenheim oder Volkach kommt kein ehrenamtlicher Helfer bis nach Kitzingen gefahren“, weiß Klaus Dotzer. Warum eine medizinische Sprechstunde pro Woche in der Unterkunft nicht genehmigt wurde, versteht er nicht. Zeitweilig mussten die Flüchtlinge bis nach Volkach oder Würzburg gefahren werden, weil die Kitzinger Hausärzte keinen Patienten mehr aufnehmen konnten. Und dass die Stelle des Integrationslotsen Ende 2020 gestrichen wurde, leuchtet ihm ebenfalls nicht ein

Ein ganz aktuelles Problem sind abgelaufene – oder verlorene – Pässe, die von den deutschen Behörden natürlich verlangt werden. Wer aus Afghanistan geflohen ist, muss dafür ins Konsulat nach München oder Bonn. „Persönlich“, betont Dotzer. Selbst Kleinkinder müssten dabei sein. Ein Pass kostet bis zu 500 Euro. Für eine Familie sind da schnell 2000 bis 3000 Euro fällig – plus Fahrtkosten. „Zuschüsse oder eine Erstattung gibt es nicht“, wundert sich der 76-Jährige.

Die Lust am Helfen ist ihm trotz dieser Hürden nicht vergangen. Klaus Dotzer will auch weiterhin aktiv sein. Dank der Unterstützung des Lions-Clubs wird er auch künftig Projekte unterstützen.

Wer sich in der Flüchtlingsarbeit einbringen will, kann sich beispielsweise beim Arbeitskreis Asyl melden: Tel.: (09321) 220 30 oder Mail: katrin.anger@caritas-kitzingen.de