Niklas Müller hat Recht behalten. Statt nach dem mageren 0:0 der Deutschen Nationalmannschaft gegen Polen groß zu kritisieren oder zu analysieren, ist er gelassen geblieben. „Bisher könnte es besser sein“, hat er gesagt. „Aber das bekommen die Jungs noch hin.“ Und siehe da: Das Team ist Gruppensieger geworden.

Niki Müller ist Fußballfan. Natürlich. Das muss man auch sein, wenn man so viel Zeit auf dem Fußballplatz verbringt wie er. 480 Stunden waren es im letzten Jahr. Spaßeshalber hat er Buch geführt, nur um einen Überblick zu kriegen. Ein Spieler kommt nicht auf so viele Stunden, und auch ein Trainer nicht. Ein Platzwart schon – vor allem, wenn er so engagiert ist wie der 24-jährige Kitzinger.

Zwei Jahre ist es her, dass Niki Müller den Posten des Platzwartes übernommen hat. Zuvor hat er ab und an geholfen und als der alte Platzwart wegzog, bekam er den Job. Eine gute Wahl, wie sich schnell herausgestellt hat. Nicht nur, weil Müller von Beruf Gärtner ist und deshalb über das nötige Knowhow verfügt. Auch, weil er ein Mensch ist, der „viel Herzblut“ mit einbringt, wie Stefan Güntner, sagt. „Unser Platz war noch nie so gut wie in der abgelaufenen Saison“, betont der Sportleiter der Kitzinger Bayern.

Neun Spiele absolvieren die verschiedenen Mannschaften an manchen Wochenenden auf den eigenen beiden Plätzen. Müller ist bei jedem Heimspiel dabei. Er schaut nach dem Rasen, streut das Spielfeld ab, kickt umgeknickte Grasbüschel gekonnt wieder in die Lücke. Und plaudert zwischendurch mit den Leuten auf dem Platz. Denn ob jung oder alt, jeder Spieler kennt ihn – und er kennt jeden.

U 11 spielt quer, U 13 von 16er zu 16er, ab U 15 Großfeld – der Platzwart, der selbst in der Jugend für die Bayern kickte, weiß genau, für welches Team er den Platz wie kennzeichnen muss. Entweder mit Hütchen, bei den kleinen, oder mit Sportrasenfarbe, bei den großen Mannschaften. 15 Liter der weißen Farbe sprüht er mit dem Markierungswagen auf den grünen Rasen, etwa einen halben Kanister braucht er so pro Spielfeld. Wenn er das alleine macht, vor dem ersten Spiel der neuen Saison, ist er zweieinhalb bis drei Stunden beschäftigt. „Meistens helfen mir aber Spieler der ersten Mannschaft.“

30 bis 45 Millimeter beträgt die ideale Schnitthöhe für Fußballrasen nach Angaben der Deutschen Rasengesellschaft. Die sind schnell erreicht und deshalb muss Müller regelmäßig mit dem Rasenmäher ran. „Ein John Deere Spindelmäher“, sagt der Platzwart - und grinst dabei, wie so oft, wenn er über seine Arbeit erzählt. Eigentlich ist das Gerät für Golfplätze gedacht, groß und mächtig, mit 2,90 Meter Mähbreite. Ein Gefährt, um das ihn nicht nur kleine Jungs beneiden.

In der Regel mäht der 24-Jährige die beiden Plätze der Kitzinger Bayern einmal pro Woche. Wenn gedüngt wird, öfter. 45 Minuten braucht er jedes Mal pro Platz. Und damit macht er gleichzeitig die Arbeit des Abstreuens zunichte. Drei bis vier Mähgänge, dann ist die weiße Farbe weg und Müller läuft erneut mit der Maschine über den Platz.

Abstreuen, Mähen, Düngen, das ist längst nicht alles. Der Platzwart macht rund ums Feld und die Anlage sauber, leert die Mülleimer vor den Spielen, schaut nach dem Rechten. Nach dem Ende der Fußballrunde der Erwachsenen hat er den Platz auf Vordermann gebracht, Rollrasen im 5-Meter-Raum ausgelegt und an den Stellen, die mit den Stollenschuhen mehr traktiert wurden als andere. Sogar am Bereich vor der Trainer- und Auswechselbank ist die Saison nicht spurlos vorüber gegangen. Ein Bereich übrigens, wo auch Niki Müller bei den Spielen häufig zu finden ist, denn neben seinem Job als Platzwart ist er auch Betreuer der ersten Mannschaft.

Wer so viel Zeit auf dem Fußballfeld verbringt, den lässt auch die Bundesliga nicht kalt. Wer sein Lieblingsverein ist? „Die großen Bayern“, sagt er und grinst wieder. Da fährt er ein paar Mal im Jahr hin und schaut sich Spiele an. Bei der EM kann er jetzt nicht live dabei sein, aber die Partien des deutschen Teams verfolgt er trotzdem. Wo er das tut, ist wenig verwunderlich: „Mit der Mannschaft im Bayernheim.“