Denkmäler: Sie ziehen die Blicke von Touristen auf sich und werden von Liebhabern als außergewöhnlicher Wohnraum geschätzt. Andere halten nicht viel von dem „alten Gerütsch“ und werfen der Denkmalpflege vor, sie koste nur Geld. Gerade Letzteres ist ein Vorurteil, weiß Hans-Christof Haas. Er ist beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) der zuständige Gebietsreferent für den Landkreis und die Stadt Kitzingen.

Frage: Im Landkreis Kitzingen gibt es etwa 2160 Baudenkmäler. Ist die Region besonders geschichtsträchtig?

Hans-Christof Haas: Die große Zahl hat verschiedene Gründe. Entlang des Maines als historischem Handelsweg und wegen des Weinbaus sind viele qualitätvolle Bauten entstanden, in Volkach, Dettelbach, Kitzingen, Sulzfeld und Marktbreit zum Beispiel, aber auch in Iphofen und Mainbernheim. Im Zweiten Weltkrieg gab es nur wenige Schäden, in der Nachkriegszeit wurde sorgsam mit der Bausubstanz umgegangen. Dazu kommen viele Kleindenkmäler wie Bildstöcke und Flurkreuze, die in Unterfranken typischer Bestandteil der Kulturlandschaft sind.

Oft ist ein ganzes Gebiet geschützt – die Iphöfer Altstadt, der Kitzinger Marktplatz, der Schlossplatz Wiesentheid...

Haas: Das ist der so genannte Ensembleschutz. Er bezieht sich auf historische Platz- oder Straßenzüge – es geht um das Ortsbild. Vereinfacht könnte man es so ausdrücken: Das Ganze ist mehr als die Summe der Einzelteile.

Wie sehen die Vorschriften dort aus?

Haas: Das kommt darauf an, wie wichtig das einzelne Gebäude für das Ensemble ist. Vor allem die historische Architektur ist für den Gesamteindruck entscheidend und sollte mit großer Sorgfalt behandelt werden. Viele Kommunen regeln über Gestaltungssatzungen den Umgang mit Fassaden, Fenstern, Türen und Dächern. Ensembleschutz bedeutet nicht, dass Neubauten historisierend gestaltet sein müssen, es kann natürlich Modernes eingefügt werden, wenn es den Bestand respektiert und mit ihm in einen anregenden Dialog tritt. Gute Beispiele dafür sind das KuK in Dettelbach oder die Vinothek und das Knauf-Museum in Iphofen.

Schränkt der Denkmalschutz die Entwicklung eines Ortes ein?

Haas: Es scheint populär zu sein, gegenüber dem Denkmalschutz zu sagen: „Wir dürfen nichts und Ihr seid schuld.“ Denkmalschutz hat etwas mit der Einhaltung von Spiegeln zu tun – Bauvorschriften gab es früher und gibt es heute. Viele als individuell empfundene Einschränkungen sind bereits durch das Baurecht vorgegeben. Natürlich versuchen wir immer, Angebote zu machen und eine denkmalgerechte Entwicklung und Nutzerwünsche in Einklang zu bringen. Gerade die Ortskerne mit ihren historischen Gebäuden sind das identitätsstiftende Zentrum eines Ortes und seiner Bevölkerung.

Was kann alles ein Denkmal sein?

Haas: Nach dem Denkmalschutzgesetz sind Baudenkmäler von Menschen geschaffene Sachen aus vergangener Zeit. Dies kann auch Ausstattungsstücke und Raumkonzeptionen bei Kirchen und Schlössern umfassen. Es gibt bewegliche Denkmäler wie Dampfloks, es gibt denkmalgeschützte Gartenanlagen. Entscheidend für die Denkmaleigenschaft ist, dass die Objekte von geschichtlicher, künstlerischer, städtebaulicher, wissenschaftlicher oder volkskundlicher Bedeutung sind und ihre Erhaltung im Interesse der Allgemeinheit liegt.

Ist das nicht Auslegungssache?

Haas: Das sind die vom Denkmalschutzgesetz seit 1973 vorgegebenen Kriterien. Diese Werte zu erklären, ist unsere Aufgabe.

Wie überzeugen Sie die Leute?

Haas: Wir haben regelmäßig Besprechungen der Unteren Denkmalschutzbehörden und besichtigen mit Eigentümern und Planern die Häuser, an denen Veränderungen geplant sind. Dabei versuchen wir, die Bedeutungsebenen und die Werte des Denkmals zu erklären. Im Gespräch stecken wir die Möglichkeiten ab und können oft Alternativen und Lösungen vorschlagen, an die die Bauherren anfangs gar nicht gedacht hatten. Zudem weisen wir auf die direkten und indirekten Fördermöglichkeiten hin, die es im Denkmalschutzbereich gibt.

Und das bringt den gewünschten Erfolg?

Haas: Natürlich gibt es auch Situationen, bei denen die Besitzer sich nicht auf den Denkmalschutz einlassen wollen. Dann gibt es immer noch die Möglichkeit des Verkaufs. Das BLfD betreibt hierfür die Onlineplattform „Verkäufliche Denkmäler“, auf der Eigentümer ihre Objekte kostenlos einstellen können.

Will denn überhaupt jemand ein denkmalgeschütztes Anwesen kaufen?

Haas: Es gibt viele Interessenten, die gezielt Denkmäler suchen. Wenn sich kein Käufer findet, liegt das leider oft auch an den Preisvorstellungen der Verkäufer. In einigen Fällen übernimmt die Kommune die Initiative, kauft ein Anwesen, erfasst den Bestand und verkauft es an geeignete Interessenten. In Iphofen läuft das toll. Auch Seinsheim hat das alte Amtshaus gekauft und macht sich Gedanken, was da entstehen kann. Eine Kommune kann die Ortsentwicklung so wirkungsvoll steuern.

Wer entscheidet eigentlich, welches Objekt unter Denkmalschutz steht?

Haas: Das liegt im Aufgabenbereich des Landesamtes für Denkmalpflege. Das BLfD führt die Denkmalliste und prüft, ob die Kriterien des Denkmalschutzgesetzes erfüllt sind – ob etwas Denkmal ist.

Oft heißt es, in ein denkmalgeschütztes Anwesen muss man viel Geld stecken. Ist das ein Vorurteil?

Haas: Manchmal wird es teurer als ein nicht geschütztes Haus, manchmal billiger. Das hängt entscheidend davon ab, welchen Standard man sich wünscht. Sicherlich sind Holzfenster teurer als Kunststofffenster, andererseits ist dieser denkmalbedingte Mehraufwand förderfähig.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Haas: Es gibt direkte Denkmalförderungen, zum Beispiel durch die Kommunen und die Landkreise, das BLfD, die Unterfränkische Kulturstiftung, die Bayerische Landesstiftung oder die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Daneben Strukturförderungen durch die Städtebauförderung und die Dorferneuerung oder das Leader+-Programm der EU. Ganz wichtig sind die steuerlichen Vorteile: Ein Denkmaleigentümer kann die Instandsetzungskosten mit bis zu 100 Prozent beim Finanzamt steuerlich geltend machen.

Also ist man doch kein armer Kerl, wenn man ein Denkmal erbt?

Haas: Das kommt auf den Zustand des Denkmals an. Teuer wird es, wenn jahrzehntelang nichts gemacht wurde. Aber da kann das Denkmal ja nichts dafür, das gilt für ein nicht-geschütztes Haus genauso.

Welches sind die herausragenden Denkmäler im Landkreis Kitzingen?

Haas: Ganz vorne stehen sicherlich die schon genannten Ensembles, die die Attraktivität des Landkreises ausmachen. Ein ganz besonderes Denkmal von nationaler Bedeutung ist die Kirche St. Mauritius in Wiesentheid. Sie wird derzeit restauriert und soll im Herbst 2017 wieder geöffnet werden. Wenn Sie dann den Innenraum mit den illusionistischen Wandmalereien sehen, wird Ihnen beim Anblick der Decke sicherlich der Mund offen stehen bleiben. Ich bin jedes Mal aufs Neue erstaunt, wenn ich dort einen Ortstermin habe.

Denkmalschutz im Landkreis

Das Thema Denkmalschutz ist untrennbar mit dem Landkreis Kitzingen verbunden. Wunderschöne Altstädte, prachtvolle Häuser, Tore, Türme und Stadtmauern ziehen Touristen an, Denkmäler schmücken die Flure, Figuren die Häuser. Doch es gibt auch alte Anwesen, die ein eher kümmerliches Dasein fristen, Fälle, in denen Kommunen oder Investoren gefragt sind. In einer neuen Serie beleuchten wir das Thema Denkmalschutz aus verschiedenen Perspektiven. Den Auftakt macht ein Gespräch mit Hans-Christof Haas, für den Landkreis Kitzingen zuständiger Gebietsreferent beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.