Die Grund- und Mittelschüler im Landkreis laufen einmal um die Welt, die Kitzinger Gymnasiasten quer durch Europa: Mit verschiedenen Challenges motivieren die Sportlehrer an den Schulen im Landkreis ihre Schüler, sich auch in Zeiten des Distanzunterrichts mehr zu bewegen.

Seit Mitte Dezember sitzen die Schüler zuhause und nehmen per Computer am Unterricht teil. Kein Weg zur Schule, kein Herumrennen in der Pause, kein gemeinsamer Sportunterricht. „Die Bewegung kommt viel zu kurz“, sagt Matthias Tschirner, Lehrer an der Mittelschule Marktbreit und zugleich Fachberater Sport für die Mittelschulen im Landkreis. Mit Bauchgrimmen denkt er daran, welche Folgen das ewige Herumsitzen für die Kinder und Jugendliche haben kann. Körperlich, was das Gewicht und die Haltung angeht, aber auch geistig. Denn wer sich bewegt, dem fällt es leichter, sich zu konzentrieren. Und auch dem seelischen Gleichgewicht tut Sport gut.

Der Job der Sportlehrer geht derzeit über den in der Regel zweistündigen Unterricht für die Schüler in der Woche hinaus, findet Matthias Tschirner. „Unsere Aufgabe ist es, die Schüler dazu zu motivieren, sich auch in ihrer Freizeit zu bewegen, statt stundenlang vor der Spielekonsole zu sitzen.“ Wo er die Idee mit der Weltumrundung aufgeschnappt hat, kann er gar nicht mehr sagen. „Aber ich fand sie witzig.“ In Absprache mit seinem für die Grundschulen zuständigen Kollegen hat er die Kinder und Jugendlichen herausgefordert: Schaffen es alle Grund- und Mittelschüler im Landkreis Kitzingen zusammen, die Welt zu umrunden?

Per Rundschreiben, das über die Schulen verteilt wurde, haben die Schüler erfahren, worum es geht: 40.075 Kilometer sind zurückzulegen. Die Schule mit den meisten absolvierten Kilometern im Verhältnis zur Schülerzahl erhält einen Gutschein für Sportgeräte für die Turnhalle. Die Aktion läuft bis zum 5. März.

Die Schüler sind mit Eifer dabei

Viele Schüler nehmen die Herausforderung an, wie der Lehrer bei einer kurzen Zwischenabfrage an einigen Schulen erfahren hat. So wie die Drittklässlerin, die bislang schon 75 Kilometer beigesteuert hat. Eifrig zählen die Kinder und Jugendlichen die Kilometer, die sie zurücklegen, oder ihre Schritte. Sie spazieren durch die Gegend, laufen, joggen, rennen, fahren mit dem Rad. „Auch ein Workout ist erlaubt“, erklärt Matthias Tschirner. Wer zehn Minuten powert, darf einen Kilometer Strecke aufschreiben. Und wer 20 Minuten Übungen mit dem Ball macht – zum Beispiel mit dem Fußball – ebenfalls. Nach den ausgiebigen Schneefällen ging beim Marktbreiter Lehrer die Anfrage ein, ob Schlittenfahren auch zählt. „Natürlich“, befand Tschirner gegenüber dem Schüler, „du läufst dabei ja bestimmt ein paar Mal den Berg rauf.“

Auch andere Schulen im Landkreis haben sich Challenges als Motivation für mehr Bewegung ausgedacht. So geht das Kitzinger Armin-Knab-Gymnasium zu Fuß, mit dem Rad und mit Workouts auf gedankliche Europareise. „Wir besuchen die Partnerschulen und die Orte, zu denen die Schüler gerne fahren, aber im letzten Jahr und heuer nicht fahren konnten“, berichtet Carlo Bank, Fachbetreuer Sport. Von Kitzingen aus ging es nach Berlin, wo die Elftklässler normalerweise hinfahren, dann hoch hinauf ins finnische Kokkola, mit dem ein Austausch besteht. Weitere Stationen waren London, Taizé, das spanische Cadiz, dann ging es über Padua in Italien und Kolsassberg (Tirol) zurück nach Kitzingen. Der allergrößte Teil der 10.290 Kilometer langen Strecke war schon Anfang Februar geschafft, das Ziel am angestrebten 14. Februar locker erreicht.

Wie in den anderen Schulen machten auch am AKG nicht alle Schüler mit, dafür sind andere sehr engagiert, wie der Jugendliche, der jede Woche 450 Kilometer beisteuert. „Er ist sowieso sehr viel draußen unterwegs und hat zudem ein Ergometer“, erzählt Carlo Bank. Von allen Jahrgangsstufen sei die Resonanz bei den Neuntklässlern am größten.

„Die Kleinen machen ihre Kameras meist an. Bei den Großen bleibt der Bildschirm fast immer schwarz.“
Matthias Tschirner, Fachberater Sport Mittelschulen

Natürlich steht Sport auch während des Distanzunterrichts ganz normal auf dem Stundenplan. „Manche Lehrer machen eine Live-Videokonferenz“, berichtet Carlo Bank. Andere lassen Aufzeichnungen abspielen, wieder andere geben Links an die Schüler für Workouts, die sie daheim während des Sportunterrichts absolvieren sollen.

Zumindest bei den Grundschülern können die Lehrer in der Regel sehen, ob sie im Sportunterricht und bei den Bewegungseinheiten mitmachen, die in der Grundschule regelmäßig auch in anderen Fächern in den Unterricht eingestreut werden. „Die Kleinen machen ihre Kameras meist an“, freut sich Matthias Tschirner und fügt bedauernd an: „Bei den Großen bleibt der Bildschirm fast immer schwarz.“ Ein Phänomen, das auch Carlo Bank beobachtet. Manche Schüler wollen nicht, dass die anderen sie sehen, vor allem beim Sport, aber auch in anderen Fächern. Für die Lehrer ist das schwierig, denn zeigen sich die Schüler nicht, können die Lehrer nur hoffen, dass die Jugendlichen aktiv sind. Kontrollieren können sie es nicht – genauso wenig, ob die verschickten Links für Workouts genutzt werden und ob die Kleinen, die ihre Aufgaben nur schriftlich über einen Wochenplan bekommen, sich genug bewegen.

Die meisten Schulen haben zusätzliche Anreize für mehr Bewegung in der Freizeit zusammengestellt. So gibt es vom AKG ein Padlet mit zahlreichen Übungen und Videotipps für die verschiedenen Altersstufen. Übungen mit Ski-Star Felix Neureuther können zum Beispiel aufgerufen werden, es gibt eine Ballschule von und mit Werder Bremen, man kann jonglieren lernen und seinen Körper mit Workouts stärken. Weltklasseturner Marcel Nguyen zeigt, wie man einen Handstand hinbekommt, es gibt Yoga-Anleitungen, Crossfit, Wohnzimmerballett und vieles mehr.

Viel Spaß mit den Klopapierrollen

Der Spaß kommt nicht zu kurz und eine Ausrüstung ist auch nicht nötig: So hat Aushilfslehrerin Hannah Voll beispielsweise eine Klopapierchallenge erstellt – Zirkeltraining, bei dem die Rollen als Trainingsgerät fungieren.

Auch Matthias Tschirner hat für den Fachbereich Sport an den Mittelschulen eine Sammlung von Links zusammengestellt, die Lehrer für den Unterricht und Schüler zuhause nutzen können. „Fit mit Felix“ ist auch hier dabei, außerdem die Basketballer von Alba Berlin und zahlreiche andere Clips. Zurückgreifen können die Lehrer auch auf Beispielvideos, die die Landesstelle Schulsport zusammengestellt hat. Und neben der Bewegungsinitiative „Voll in Form I“ für Grundschulen, die bereits vor zwölf Jahren gestartet wurde, gibt es seit diesem Schuljahr auch „Voll in Form II“ für weiterführende Schulen mit zehnminütigen Bewegungsmodulen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden, die in den normalen Unterricht eingestreut werden können, um die Konzentration der Schüler zu erhöhen.

Matthias Tschirner bietet „Voll in Form II“ jetzt an seiner Schule in Marktbreit dreimal pro Woche an, auf freiwilliger Basis. „Ich turne vor, wer mitmachen will, macht mit.“ Tschirner hofft, dass viele wollen. Denn er will seine Schüler nicht nur möglichst bald wiedersehen, sondern auch gesund und fit.