Er hat schon einiges erlebt. Jetzt will er in Kitzingen durchstarten. Helmut Drechsler ist der neue Stadtgärtner. Er spricht von einer verantwortungsvollen Aufgabe und blickt weit in die Zukunft.

Er hat Landschaftsgärtner in Amberg gelernt, dann als Bürokaufmann in Weiden gearbeitet. Er war Zeitsoldat, hat in Hof Verwaltung studiert und seine Meisterprüfung als Gärtner abgelegt. Er war selbstständig und hat den Gartencenter eines Baumarktes geleitet. Seit Januar dieses Jahres ist der 55-Jährige der Leiter der Kitzinger Stadtgärtnerei. Mangelnde Erfahrung kann man ihm nicht vorwerfen.

48 Quadratkilometer umfasst das Arbeitsgebiet von städtischem Bauhof und Stadtgärtnerei. 47 Mitarbeiter zählt die Belegschaft. 22 davon hören seit Anfang des Jahres auf einen neuen Chef. „Das Team ist super“, schwärmt Drechsler. Lauter leistungsbereite Spezialisten. „Das ist im öffentlichen Bereich eher ungewöhnlich.“

Gute Leute wird er gebrauchen können. „Die Messlatte ist hoch“, sagt Hilmar Hein, Leiter des Sachgebietes Tiefbau im Stadtbauamt und damit auch Drechslers direkter Vorgesetzter. Die Gartenschau im Jahr 2011 und die Siege beim Deutschen und europäischen Wettbewerb Entente Florale wirken nach. „Die Kitzinger Bevölkerung ist sensibilisiert“, weiß auch Drechslers Stellvertreter Günter Lorey. Die Stadt lebe vom vielen Grün. Das wisse auch der Stadtrat zu schätzen. Kurzum: Eine nachhaltige Entwicklung ist gefragt.

Helmut Drechsler hat deshalb auch nicht nur die nächsten zwei oder drei Jahre im Blick. „Ich habe einen 70-Jahres-Plan“, sagt er. Der Klimawandel sei schließlich in vollem Gang und Kitzingen mit seinen trockenen Böden besonders im Fokus. In enger Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt in Veitshöchheim will er deshalb peu a peu die Baumbestände sanieren. Eine anspruchsvolle Aufgabe.

Etwa 5000 Bäume sind im städtischen Kataster gelistet. Zirka 15 Prozent – und damit rund 750 Bäume – leiden unter den aktuellen Wetterbedingungen – vor allem Ahorn, Kastanie und Linde. „Noch so ein trockener Sommer und sie haben richtig Stress“, betont Drechsler. Für eine ausreichende Bewässerung wünscht er sich deshalb einen zweiten Wagen. Schließlich müssten vier seiner Mitarbeiter in einem trockenen und heißen Sommer jeden Tag auf Achse sein und wässern „ohne Ende“. Auch an den Samstagen und Sonntagen.

Diesen Sommer will der neue Stadtgärtner erst mal abwarten und beobachten. Sein Ziel lautet: Den Bestand weitestgehend erhalten. Im Herbst sollen dann 50 Bäume zusätzlich gepflanzt werden. Drechsler denkt an Ulmen, Eschen, vielleicht auch wieder Linden. „Aber in jedem Fall die mediterranen Sorten.“ Alleen, wie sie in früheren Zeiten angelegt wurden, wird es allerdings nicht mehr geben. „Durchmischte Bestände haben eine viel größere Wahrscheinlichkeit, gesund zu bleiben.“

Jedes Jahr soll sich die Stadt in einem neuen Licht präsentieren. „Sonst wird es ja auch schnell langweilig“, sagt Günter Lorey. Etwa 20 000 Pflanzen haben die Gärtner deshalb in diesem Frühjahr angesät, zusätzlich rund 8000 Tulpen. Auch im weiteren Verlauf des Jahres dürfte ihnen kaum langweilig werden. Neben den routinemäßigen Aufgaben stehen sieben größere Veranstaltungen an, die vorbereitet sein wollen. Höhepunkt wird sicher der „Tag der Franken“ am 2. Juli sein. „Wir wollen an verschiedenen Stellen den Fränkischen Rechen mit unseren Blumen darstellen“, verrät Drechsler. Derzeit läuft schon eine Probephase vor dem Alten Friedhof. Statt des fränkischen Rechens ist dort allerdings das bayerische Wappen zu sehen. Am 2. Juli sollen dann außerdem mehrere ein auf einen Meter große Blumenkübel mit dem fränkischen Wappen in der Stadt aufgestellt werden. Das Ziel ist klar definiert: Kitzingen soll sich einer breiten Öffentlichkeit von seiner schönsten Seite präsentieren. Die Stadtgärtner um ihren neuen Leiter Helmut Drechsler wollen dazu ihren Beitrag leisten – nicht nur am 2. Juli.