Uwe G. Hartmann schaut bedröppelt drein. Schon wieder liegt ein Karton mit alter Wäsche am Zaun. Dabei hat er den Bereich mit seinen Kollegen erst kürzlich abgesperrt. Schwarz-gelbes Absperrband signalisiert unmissverständlich: Das Gelände ist derzeit nicht zugänglich, das Projekt ruht. Warum eigentlich?

Vor eineinhalb Jahren hat der Etwashäuser seine Idee durch den Stadtrat gebracht. Leicht war es nicht, er musste einige Widerstände überwinden. Nach dem Vorbild der Darmstädter hat er einen „Sozialen Zaun“ in Kitzingen etablieren wollen. Die Grundidee: Wer gut erhaltene Kleidung, Spielsachen oder Gebrauchtgegenstände wie Küchenutensilien abgeben möchte, der kann das unkompliziert und jederzeit am „Sozialen Zaun“ tun. Wer bedürftig ist, kann sich bedienen – ohne gesehen zu werden und sich schämen zu müssen.

„Es lief die meiste Zeit richtig gut“, versichert Uwe G. Hartmann. Rentner sind mit ihren Rollatoren vorbei gekommen, aber auch Familienväter und Mütter mit mehreren Kindern sowie Flüchtlinge haben sich bedient. Hartmanns Ziel, die unmittelbare Nachbarschaft mit brauchbaren Hilfsgütern zu versorgen, ging auf. Nur im Frühling und im Herbst haben er und seine Helfer eine Veränderung bemerkt: Plötzlich wurden viel mehr Dinge abgestellt. Dinge, die kein Bedürftiger brauchen kann. Der „Soziale Zaun“ wurde ein Stück weit als Ort für wilde Ablagerungen missbraucht.

Hartmann berichtet von Tüten mit leeren Marmeladengläsern, von leeren Joghurtbechern, von verdreckter Unterwäsche und – Höhepunkt der unansehnlichen Ablagerungen – einem Sack voller gebrauchter Windeln. „Wir haben die Sachen mitgenommen und in unserer Privat-Tonne entsorgt“, berichtet der Etwashäuser. Die Kleidung, die achtlos in Kartons abgestellt wurde und über Nacht feucht und modrig wurde, haben er und seine Frau oder Helferin Ingrid Weinmann eine Zeit lang daheim gewaschen, getrocknet und in durchsichtige Tüten gepackt, um sie ordnungsgemäß am Zaun aufzuhängen. Eine frustrierende und zeitaufwendige Beschäftigung.

„So konnte es nicht mehr weitergehen“, sagt der Mann von der Bayernpartei. Seine Entscheidung: Sechs Wochen lang schließt er die Einrichtung. Am 1. Dezember, rechtzeitig zur Adventszeit, will er den „Sozialen Zaun“ wieder öffnen. Bis dahin hofft er auf eine Beruhigung der Lage. Und eventuell auf eine technische Lösung des Problems. Hartmann kann sich vorstellen, eine Überwachungskamera am Gelände anzubringen. „In Darmstadt haben sie das gemacht“, sagt er. Die Kamera war lediglich auf den Bereich gerichtet, an dem die Tüten aufgehängt waren. Die Bilder von den Personen, die das Gelände als illegalen Abstellplatz missbraucht haben, wurden tags darauf an das Gitter gehängt – als abschreckenden Beispiel. „Die Lage hatte sich schnell beruhigt“, sagt der Etwashäuser.

Ob er mit dieser Idee rechtlich durchkommt, will er in den nächsten Tagen klären. Zunächst einmal haben er und seine Helfer ein paar Wochen Ruhe. Die Nutzer des „Sozialen Zauns“ werden sich so lange woanders nach Hilfsgütern umschauen müssen. An ihnen liegt es auch nicht, dass die Einrichtung vorübergehend schließt, betont Hartmann. Ein Teil der Anlieferer ist schuld. Diejenigen, die den „Sozialen Zaun“ in letzter Zeit mit einer Mülldeponie verwechselt haben.