Einen Anker werfen und die 3-C-Formel beachten. Klingt wie eine Mischung aus Seemannsgarn und Zahnarztausbildung. Doch es geht um etwas ganz anderes. Um eine Kunst, die wir beinahe täglich beherrschen sollten: den Small-Talk. Valentine Wolf-Doettinchem ist Karriereberaterin, Kommunikationstrainerin und Coach. Sie hält Seminare und Workshops zu Themen wie Work/Life-Balance, Führungscoaching und Kommunikation. Auf Einladung der IHK–Würzburg/Schweinfurt erklärte sie kürzlich mainfränkischen Existenzgründern die Vorzüge eines gelungenen Small-Talks – und was man auf jeden Fall vermeiden sollte.

Ein paar Bemerkungen übers Wetter oder das Essen. Beim Small-Talk kann man doch nicht viel falsch machen.

Täuschen Sie sich nicht. Es gibt etliche Themen, die beim Small-Talk fehl am Platze sind. Und es gibt immer wieder Menschen, die sich dabei falsch verhalten.

Wie kann man sich denn beim Small-Talk falsch verhalten?

Indem man sarkastisch ist oder ironisch, indem man zuviel redet oder den anderen ständig unterbricht. Auch jammern und klagen oder endlose Detailbeschreibungen haben beim Small-Talk nichts verloren.

Warum sind Verhaltensregeln beim Small-Talk so wichtig?

Weil er uns immer wieder begegnet, ob im privaten oder im beruflichen Umfeld. Der Small-Talk ist der klassische Einstieg, um jemanden kennenzulernen. Und da gilt es, bestimmte Regeln zu beachten.

Dann fangen wir mal am Anfang an. Wie beginne ich am besten ein Gespräch?

Indem ich einen Anker werfe, mich selbst vorstelle. Und zwar so, dass ich im Gedächtnis bleibe. Kurz und bündig sollte das laufen. Wer bin ich, was mache ich. Dabei lächeln und Blickkontakt halten.

Und dann? Was mache ich, wenn das Gegenüber kein Interesse hat?

Es gibt zwei Königsdisziplinen beim Small-Talk: Das Zuhörenkönnen und das Fragenstellen. Stellen Sie Ihrem Gegenüber interessierte Fragen, schenken Sie ihm Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Äußern Sie Zustimmung und Verständnis.

Und wenn doch nichts zurückkommt?

Dann gibt es natürlich eine Grenze. Bleibt Ihr Gegenüber auch nach drei Anläufen wortkarg, dann lassen Sie ihn oder sie in Ruhe. Dann dürfen Sie sich problemlos jemand anderem zuwenden.

Manchmal passiert ja genau das Gegenteil: Das Gegenüber hört gar nicht mehr auf zu reden. Was mache ich denn dann? Auch weggehen?

Wenn jemand monologisiert, dann dürfen Sie ihm ins Wort fallen, höflich, aber bestimmt. Reißen Sie durch eine Frage ein anderes Thema an, eines, das Sie interessiert. Das gilt auch für Momente, in denen der Gesprächspartner eine extreme Position bezieht.

Was für eine extreme Position?

Wenn es beispielsweise um rechtsradikale Äußerungen geht. Dann sollten sie das Thema wechseln oder sich gegebenenfalls klar und deutlich abgrenzen. Aber das sind eher die Ausnahmen beim Small-Talk.

Welche Themen sind denn für einen Small-Talk besonders geeignet? Neben dem Wetter.

Die Veranstaltung, die man gerade gemeinsam besucht. Der Beruf, Themen aus Sport und Kultur. Und natürlich der Ort, an dem man sich gerade befindet. Auch hier gilt wieder: Fragen stellen und zuhören können. Und gelegentlich um Informationen bitten.

Und welche Themen sollten beim Small-Talk ausgespart werden?

Persönliche Probleme wie Trennung oder Sucht, die Religion und Weltanschauung, Krankheiten, Tod und Sterben. Und über Sex würde ich beim Small-Talk auch nicht reden.

Das wäre zumindest überraschend. Es kommt ja auch immer wieder vor, dass mich ein Thema überhaupt nicht interessiert. Was mache ich dann?

Sie können wieder versuchen, mit Fragen anzudocken. Wenn das nicht gelingt, dann steigen sie einfach aus.

Das Fragen scheint ja so etwas wie der zentrale Punkt beim Small-Talk zu sein?

Das Fragen ist tatsächlich die Essenz des Small-Talks. Eine intelligente Frage ist mehr wert als zehn kluge Antworten.

Und wie schaut eine intelligente Frage aus?

Sie ist offen oder öffnet das Gegenüber. Alle W-Fragen sind gut. Wer? Wie? Wo? Was? Warum? Und dann gibt es zwei Fragen, mit denen Sie jeden Gesprächspartner knacken, vorausgesetzt, Sie wissen schon, was er oder sie beruflich macht.

Jetzt bin ich gespannt.

Wie haben Sie das hinbekommen? Wie sind Sie darauf gekommen? Mit diesen beiden Fragen bringen Sie Ihr Gegenüber dazu, etwas von sich zu erzählen. Und schon sind Sie mittendrin in einem Thema, das Ihr Gegenüber interessiert.

Und wie bekomme ich meine eigenen Botschaften am besten unter? Ohne aufdringlich zu wirken?

Um Botschaften geht es gar nicht so sehr. Sondern darum, im Gedächtnis des Anderen zu bleiben. Dabei hilft die 3-C-Formel.

Die besagt?

Ersten die Chance suchen für ein Gespräch, zweitens die Courage haben, diese Chance zu ergreifen und drittens mit Charme überzeugen. Alles Weitere ergibt sich von selbst. Aber Vorsicht: Auch beim Small-Talk lauern Gefahren am Wegesrand.

Welche Gefahren?

Sie sollten sich nicht verplappern, Dinge aussprechen, die sie gar nicht preisgeben wollten. Weder über sich selbst noch über andere. Und sie sollten sich nicht selbst herabsetzen.

Wer macht denn so was?

Insbesondere bei Frauen besteht diese Gefahr. Und dieser Eindruck bleibt leider hängen. Denn Small-Talk ist bei aller scheinbaren Leichtigkeit auch immer ein Marketing in eigener Sache. Deshalb sollte ein Gespräch auch immer in einer positiven Atmosphäre beendet werden.

Auch dafür gibt es bestimmt Regeln?

Klar. Bedanken Sie sich bei Ihrem Gesprächspartner, drücken Sie noch mal Ihre Wertschätzung aus. Wünschen Sie dem anderen viel Erfolg und tauschen Sie spätestens jetzt Ihre Visitenkarten aus.

Zur Person: Valentine Wolf-Doettinchem hat Kulturwissenschaften studiert. Sie ist seit zehn Jahren als selbstständige Karriereberaterin, Kommunikationstrainerin und Coach tätig. Seit fünf Jahren ist sie Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung e.V. (DGfK). Sie lebt in Hannover.