„After all jacks are in their boxes

And the clowns have all gone to bed

You can hear happiness staggering on

down the street

Footprints dressed in red

And the wind whispers Mary...“

 

Ob es Zufall ist? Gibt es Zufälle überhaupt? „Jimi Hendrix 1967“ steht auf dem großen Gemälde an der weißen Wand. Automatisch fällt der Blick darauf, sobald man Herbert Links Esszimmer betritt. Eine dunkle Box, über der ein weißgesichtiger Clown in türkisfarbenem Hemd schwebt. Drumherum 13 kleine Teufelswesen – Monstertierchen, teils klein und versteckt, teils in schreienden Farben. Jeden Lebenden, jeden Liebenden haben solche „Jacks“ schon gepiesackt.

„Das ist eins meiner Lieblingsbilder“, sagt Herbert Link, während er den kleinen Scheinwerfer über dem Bild zurechtrückt. Links Namen bringen Musikfreunde eher mit Schlagzeugstöcken als mit Malerpinseln in Verbindung. Der 68-Jährige tourte in den 70er und 80er Jahren mit den Rockbands „Sunset“ und „Albatross“ durch Franken. „Damals hab? ich auch schon gern gemalt“, erinnert sich der Kitzinger. „Aber ganz anders als heute.“

Lautete früher die Devise eher „klein und fein“ – selbst das unwesentlichste Details im Aquarell musste passen –, haut Link heute richtig auf den Putz beziehungsweise die Leinwand. Die Pastelltöne sind leuchtenden Acrylfarben gewichen. Statt filigraner „Postkarten“ sind „große Schinken“ angesagt, auf denen die Farbe – bis zu einem gewissen Grad – auch gerne mal laufen darf. Wie bei „Yellow Submarine“, dem Hingucker im Wohnzimmer. Das gelbe Unterseeboot, das durch die Beatles zum Hit wurde, ist in voller Fahrt. Farbnasen laufen über die trommelnden, singenden, sich reckenden und streckenden Pilzköpfe, es geht bunt und wild zu, die Energie der 68er ist greifbar.

„Feinheiten sind mir oft nicht mehr wichtig“, sagt Link. Er deutet auf die nur vage umrissenen Figuren weiterer Werke: die „Schlangenfrau“ etwa oder das Portrait „schwarze Stiefel“ – bei beiden knallen die Farben, beide verleihen der Fantasie des Betrachters Flügel, weil man nicht restlos sicher ist, was man da sieht. Ob die schwarzen Stiefel ein erotisches Abenteuer andeuten? Wenn man will, kann man hinter den hochhackigen Schuhen zwei Körper erkennen – oder doch nicht? Herbert Link verzieht bei dieser Frage keine Miene. „Das Schöne an der Kunst ist, dass sie so individuell ist. Jeder sieht sein eigenes Bild – und nur er sieht es. Es ist wie beim Wein. Man kann noch so viele Aromen und Düfte darin erkennen, aber am Ende geht es einfach nur darum: Man mag ihn oder man mag ihn nicht.“

Ob die Menschen seine Bilder mögen? Für Herbert Link sind „die Menschen“ nicht entscheidend. Er, der früher erst Kirchen, dann Werbebanner bemalt hat, schwingt den Pinsel zuallererst für sich selbst. „Ich setze mich nicht hin und sage: Jetzt will ich ein schönes Bild malen. Ich bin kein Schönmaler, ich will einfach malen, wonach mir gerade ist, was aus mir rauskommt.“ Oft fängt er nachts an, Farben zu mischen und auf der Leinwand damit zu experimentieren – manchmal im Keller, manchmal oben in seiner kleinen Galerie. „Da habe ich schön meine Ruh?. Ich lege einfach los und warte, was entsteht.“

Nicht immer hatte er so farbenfrohe Zeiten. Vor einiger Zeit klang der Kitzinger düster: „Es ist schon alles gemalt. Was braucht die Welt da noch einen Link?“ Der 68-Jährige beschloss, mit dem Malen aufzuhören.

Doch dann kam der Auftrag für die Ausstellung in Wörners Schloss. „Das war für mich der Anstoß zu einer neuen Kreativität.“ Im Schnelltempo führt er Gäste durch sein Haus, zeigt die Ergebnisse seiner jüngsten Leinwandleidenschaft. Zum Beispiel: ein Doppelbild, dessen eine Hälfte einen Hirten stilisiert, der sich in Verbindung mit der zweiten Hälfte in einem Büffelwesen auflöst; ein riesiges Portrait eines beleidigt guckenden Mannes, dessen Körper von einem Sonnenbrand entflammt wird; die Seitenansicht eines Fischers ohne Arme, der Gedanken angelt...

Herbert Link, der mit seinen Bands früher größten Wert aufs haargenaue Nachspielen von Rockhits legte, hat seine Ziele geändert. Er ist nun selbst der Komponist. Nicht von Songs, sondern von Bildern. Er ist mitten in einem progressiven Prozess. „Ich möchte künftig noch reduzierter malen. Einfach nur noch einen Anstoß für den Betrachter liefern, sein eigenes Bild zu sehen…“

Anregungen für derartige Anstöße gibt es genügend. Das Leben und die Liebe liefern sie gratis. So wie einst Jimi Hendrix mit seinem Song „The Wind cries Mary“. Er konnte nicht wissen, dass in Kitzingen ein Musiker lebt, mit einer Frau namens Marie, die er Mary nennt; ein Musiker, der seinen Songtext in ein Bild verwandelt:

„Nachdem all die Teufel in ihren Kisten sind

Und die Clowns zu Bett gegangen sind

Kannst du die Glückseligkeit

die Straße runtertorkeln sehen

Fußspuren in Rot

Und der Wind flüstert Mary“

Ausstellung

Am Sonntag, 26. Juli, findet um 14.30 Uhr in Wörners Schloss in Neuses am Sand bei Prichsenstadt die Vernissage „Die Farben fließen“ statt. Herbert Link präsentiert mit kräftige Farben in Acryl einen Hauch von Expressionismus mit einer großen Portion Surrealismus. Die Ausstellung bleibt bis 6. September in der Galerie.