Es gibt sie in den modernen Farben Ocean Blue, Pine Green, Magnolia und Dark Vanilla. Sie wiegen weniger als zwei Kilo. Klein und handlich sind sie ebenfalls. Die „SW Balance Boards S“, entwickelt von den beiden gebürtigen Hausenern Dominic Strobel und Patrick Walter. Produziert werden die Bretter, die den Gleichgewichtssinn anregen und schulen sollen, in der Wiesenbronner Schreinerei Frank Ackermann. Auch das große Balance Board wird dort hergestellt, der erste große Wurf des Würzburger Start-Up-Unternehmens.

Entspannt steht Dominic Strobel an seinem Stehtisch in seinem Zwei-Mann-Büro im Skyline-Center am Würzburger Hubland. Kürzlich gingen die ersten Exemplare ihrer „SW Balance Boards S“ an die Kunden. Strobel ist begeistert: „Sie haben eine sehr schöne Haptik. Aufgrund ihres geringen Gewichts lassen sie sich überall mithinnehmen.“ Besonders Kinder möchte der Jungunternehmer mit der neuen Kreation der Strobel & Walter GmbH begeistern. Die kleinen Bretter sollen durch aktives Stehen Konzentration fördern und fordern. Spielerisch sollen schon die Kleinsten ihr Balancegefühl verbessern. Aber auch Mama und Papa können damit ihren Gleichgewichtsinn verbessern.

„Balance ist einer der wesentlichen Zukunftstrends. Viele Kinder besitzen Laufräder“, berichtet der 32-Jährige von der ersten Idee. Um das Brett zu entwickeln, arbeiteten Strobel und sein Partner mit der Würzburger Fachholschule zusammen und testeten andere Geräte. Die Studenten machten mehrere Analysen, um den bestmöglichsten Balance-Effekt zu bekommen. Auch um die Optik kümmerten sie sich und wählten für die Oberfläche vier moderne Farben. An seinen Grundprinzipien hielt das Duo aber fest. Die Wiesenbronner Schreinerei Ackermann stellt die Bretter her mit Holz aus dem Thüringer Wald und ein Schwarzacher Versandhandel liefert seit wenigen Wochen die fertigen Balance Boards aus.

Die Produktrelevanz testeten die Jungunternehmer mit einer Crowdfunding-Aktion. Auf der Plattform Kickstarter stellten sie ihr neues Board vor. Interessenten konnten vor der Herstellung ein Board zu niedrigeren Konditionen erstehen und finanzierten somit die Produktion. „Die Resonanz war beeindruckend. Schon nach vier Stunden hatten wir 100 Bestellungen“, erinnert sich Strobel. Nach Ablauf der Aktion hatten die beiden über 600 Bretter in 27 Länder verkauft. Ein überwältigender Erfolg. Ähnlich wie vor drei Jahren, als das Duo mit dem Yogaboard, ihrem Premierenprodukt, auf den Markt preschten. Auch damals waren Strobel und Walter beim Markttest ähnlich vorgegangen. „Wir haben ein Video mit einem Model gedreht und Bilder gemacht. Was dabei herauskommen würde, wussten wir nicht“, erinnert sich Strobel an die Anfänge. Der gelernte Kaufmann für Versicherung und Finanzen hatte seinen Job in einer Würzburger Agentur aufgegeben. Nach einem Vertriebsmanagement-Studium in St. Gallen/Schweiz und einigen Auslandsaufenthalten meldete er seinen Wohnsitz in Deutschland ab und wanderte nach Südafrika aus. Erst arbeitete er im industriell geprägten Johannesburg, ehe er nach Kapstadt weiterzog. In der Atlantikmetropole besuchten ihn Anfang 2016 zwei Freunde und erzählten ihm von trendigen, amerikanischen Boards.

Zwar ging Strobel weiterhin seiner Arbeit nach, doch der Gedanke an die Boards kam immer wieder auf. Sie waren nämlich nur zweidimensional. Als er Monate später beim Surfen im Kapstadter Stadtteil Muitzenberg war und an einem kleinen Shop mit hölzernen Surfbretter vorbeilief, kam ihm die Idee: „Warum baue ich so etwas nicht fürs Land.“ Nach intensiven Recherchen und Gesprächen mit Patentanwälten gründete Strobel seine eigene Unternehmergesellschaft (UG). Zudem meldete er ein Patent an für ein Board mit mehrachsiger Auslenkung der Unterseite, welches es aber noch gar nicht gab. „Ich bin in Kapstadt von Schreiner zu Schreiner gelaufen und habe mir Prototypen bauen lassen. Einer hat mir dann ein Board gebaut, das wunderschön war. Es war einfach ein Gedicht und genau nach meinen Vorstellungen“, erzählt Strobel.

Mit diesem ist er nach Deutschland geflogen und überzeugte Patrick Walter, mit dem er seit Kindesbeinen an befreundet ist, von seinem Vorhaben, ein Yogaboard auf den Markt zu bringen. Wie später beim kleinen Board stellten sie ihr Produkt in einer Kickstarter-Crowdfunding-Aktion vor und benannten die UG in Strobel & Walter GmbH um. Denn der Erfolg war überwältigend. Rund 300 Boards verkaufte das Duo, selbst Anfragen aus Hongkong waren dabei. „Wir hätten nie mit einer derartigen Nachfrage gerechnet“, staunt Strobel noch immer.

Doch das war erst der Anfang. Bereits Ende Januar wurden die Jungunternehmer auf der internationalen Sportfachmesse ISPO mit dem Goldaward für das innovativste Sportgerät ausgezeichnet. „Anfänglich wussten wir nicht, was die ISPO ist“, ist Strobel ehrlich. „Es ist eine gigantische Messe mit international renommierten Ausstellern wie PUMA oder Adidas. Alle hatten Riesen-Stände dort und wir sind mit dem Board unter dem Arm als Sieger auf die Bühne marschiert. Der helle Wahnsinn.“ Am gleichen Abend teilte dann noch „Mashabel“, die größte Facebook-Seite mit 30 Millionen Fans, das Produktvideo der beiden, die binnen zwei Monaten plötzlich mittendrin waren im Geschäft. Und das ohne ein Board verkauft zu haben. Vielmehr noch: Strobel und Walter hatten noch nicht einmal eine Firma, die die Bretter herstellt. „Kapstadt war nicht skalierbar. Logistisch wäre das nicht möglich gewesen. Zudem arbeitet Holz bei unterschiedlichen Temperaturen. Die Qualitätssicherung wäre sehr schwierig geworden“, so Strobel. Aber die nationale Suche nach einem Partner gestaltete sich schwieriger als erwartet. Nur wenige Schreiner erstellen gewölbte Holzkonstruktionen, die für Unterseite des Boards notwendig ist. Doch Strobel und Walter wurden fündig. In der direkten Umgebung am Fuße des Steigerwalds. Das Wiesenbronner Unternehmen Frank Ackermann erarbeitete eine praktikable und finanzierbare Lösung. „Er fand unsere Idee total geil. Vor allem, dass wir schon 300 Teile verkauft hatten, faszinierte ihn. Er war sofort begeistert. Das war eine glückliche Fügung“, sagt Strobel, dessen Produkt das Siegel „Made in Germany“ trägt. Das Holz stammt aus dem Thüringer Wald, das Herstellungsverfahren – das dreidimensionale Verpressen einer Holzfaserplatte - kommt aus Bad Aibling, produziert wird es in Wiesenbronn und verschickt in Schwarzach, da der Verkauf vornehmlich online stattfindet. Im Laden stehen die Boards nur vereinzelt. Mit der ersten Auslieferung im Juli 2017 begann der Siegeszug des Yogaboards, das mittlerweile SW-Balanceboard heißt. „Über die Zeit sind weitere Zielgruppen hinzugekommen. Die Vielfalt ist gigantisch und die Nachfrage breit gefächert. Daher brauchten wir eine neutralere Produktbezeichnung“, berichtet Strobel. Es trainiert den Gleichgewichtssinn, stärkt die Tiefenmuskulatur und erhöht die Konzentration. Neben Yogastudios und im eigenen Heim wird das Board mittlerweile für Therapieanwendungen genutzt. „Es reizt die Muskulatur, kippt aber nie. Es ist sicher, nachhaltig und schaut cool aus“, so der Erfinder. Durch die Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ gewannen sie weiter an Reichweite. Zudem kam Zubehör wie Matten oder Ständer hinzu. Selbst Corona konnte das Duo nicht bremsen. Das kleine Brett zeigt: Es gibt nur eine Richtung – und die ist vorwärts.