Sonya P. sitzt mit Andreas Unser am Tisch. Vor ihnen liegen große Fotos von zwei Häusern. Das eine hat eine Stufe am Eingang, das andere gleich mehrere. Was ist zu tun, damit ein Rollstuhlfahrer alleine in die Gebäude kommt? Mit dieser Frage ist die Iphöferin ins Landratsamt gekommen, um sich von Diplom-Ingenieur Unser informieren zu lassen. Sie nutzt den Beratungstag „Barrierefreies Bauen“, den die Behörde zweimal jährlich kostenlos anbietet.

„Oft bleibt nur die Zeit von Klinik und Reha, um bauliche Veränderungen vorzunehmen.“
Andreas Unser Fachberater und Architekt

Acht Beratungen im Halbstundentakt. Die Termine sind meist schnell vergeben. Manche Bürger musste Herbert Köhl von der Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Seniorenfragen sogar schon auf die Liste für den nächsten Beratungstag im Oktober setzen. „Das Interesse ist groß“, weiß Köhl. Er denkt darüber nach, noch einen zusätzlichen Infotag einzuschieben.

Eigentlich ist Sonya P. jemand, der sich rechtzeitig mit der Frage befasst, wie sie später einmal zurechtkommt. „Dann, wenn ich mal nicht mehr kann“, wie sie sagt. Ihr Haus hat sie deshalb schon Ende der 70er Jahre so gebaut, dass alle Räume auf einer Ebene liegen. Es gibt keine Absätze, die Türen sind breit genug für einen Rollstuhl, die Rollos gehen elektrisch. Nur das Bad und der Eingang, die stehen der Barrierefreiheit noch im Weg. Diese Probleme will Sonya P. jetzt angehen. „Man muss die Weichen stellen für Dinge, die in zwei, fünf oder zehn Jahren Fakt sind.“

Viele der Bürger, die den Beratungstag nutzen, haben den gleichen Gedanken. „Sie wollen das Haus sanieren und es gleich seniorengerecht umbauen“, sagt Andreas Unser. „Es ist sinnvoll, bei Sanierungen gleich daran zu denken, das Haus barrierefrei zu machen. “ Auch wenn man manches noch nicht brauche, sei es einfach bequemer – eine größere Dusche ganz ohne Stufe zum Beispiel. „Die Leute wollen sich aufs Alter vorbereiten, damit sie später nicht umziehen müssen.“

Den Rat des Fachmannes suchen aber auch Bürger, die eine schnelle Lösung brauchen. Das zweite Problem, das Sonya P. zum Beratungstag mitbringt, ist so ein eiliger Fall, denn dabei geht es um das Haus, in dem ihre Mutter lebt. Im Inneren ist die Wohnung der Seniorin bereits behindertengerecht ausgestattet, die Badewanne hat einen Lifter, der Waschtisch ist unterfahrbar, der Toilettensitz erhöht, es gibt Haltegriffe und andere Hilfsmittel. Mit ihrem Rollator kam die Mutter da gut zurecht. Vor einiger Zeit aber dann der Schock: Die Mutter stürzte, die Hüfte musste operiert werden. Jetzt ist sie auf Reha. Um nach Hause zurückkehren zu können – zunächst im Rollstuhl, wenn alles gut läuft, vielleicht irgendwann auch wieder mit dem Rollator – muss schnell die letzte Hürde beseitigt werden, die der Barrierefreiheit im Weg steht: die Stufe am Hauseingang. „Die ist etwas komisch“, sagt Sonya P. und meint damit, dass kaum Platz ist, eine Rampe zu schaffen.

„Oft bleibt nur die Zeit von Krankenhaus und Reha, um die baulichen Veränderungen vorzunehmen“, sagt Andreas Unser. Dann muss es schnell gehen mit Planung und Umsetzung. Doch wer auf öffentliche Förderung hofft, die es aus verschiedenen Töpfen gibt, muss bedenken, dass er erst den Plan einreichen muss, um Fördergelder zu bekommen. Wer gleich baut und dann Geld will, geht mit hoher Wahrscheinlichkeit leer aus. Die Höhe der Fördergelder hängt von verschiedenen Aspekten wie der Größe der Maßnahme, vom Einkommen, von der Pflegestufe oder dem Grad der Behinderung ab. Das KfW-Programms „Altersgerecht Umbauen“ kann dagegen jeder als Zuschuss oder Darlehen beantragen, wenn er bestimmte Kriterien beachtet.

Es gibt nicht nur eine Lösung

Unser ist Fachberater der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnraumanpassung BAG, Architekt und Stadtplaner und kommt auf Wunsch auch zum Ortstermin. Er spricht die verschiedenen Lösungen an, die Sonya P. bei beiden Gebäuden angehen kann: die Stufe zum Podest verlängern, eine Rampe bauen, einen Lifter neben der Treppe. Oder sie kann den barrierefreien Eingang nach hinten verlegen, wo man an der Terrasse sowieso einen ebenerdigen Zugang hat. Eine Lösung, die Sonya P. gleich wieder verwirft: „Der Weg ist zu lang. Im Winter, wenn Schnee liegt, muss man zu viel schippen.“ Gleichzeitig aber soll eine Rampe den Charakter des Hauses nicht zu sehr stören, wünscht sie sich.

Auf ein Transparentpapier, das er über die Fotos legt, zeichnet der Fachberater ein, wie die Lösungen aussehen könnten. Er redet über die Materialien, spricht den Kostenrahmen an, mit dem zu rechnen ist, verweist auf die verschiedenen Fördermöglichkeiten, gibt Infoblätter, Telefonnummern und Hinweise auf Informationen aus dem Internet. Unser berät neutral, ist nicht an eine Firma gebunden und versucht deshalb nicht, zu einer bestimmten Variante zu überreden. Denn selbst wenn die Zeit drängt, sollten die Leute eines nicht vergessen: „Man ist flexibel. Es gibt nicht nur eine Lösung.“

Beratungstag „Barrierefreies Bauen“

Kostenlos und neutral: Zweimal jährlich bietet der Landkreis Kitzingen den Beratungstag „Barrierefreies Bauen“ an. Andreas Unser beantwortet dabei nicht nur Fragen zur Planung und baulichen Umgestaltung, sondern auch zu Fördermöglichkeiten. Die Beratungsgespräche dauern jeweils eine halbe Stunde, sind kostenlos und neutral. Der Beratungstag am Mittwoch fand im Rahmen der bayernweiten Aktionswoche „Zuhause daheim“ statt, die vom 1. bis 10. Mai vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration etwa 180 Aktionen in ganz Bayern bündelte.

Nächster Termin: Der nächste Termin findet am 7. Oktober statt. Anmeldungen nimmt Herbert Köhl von der Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Seniorenfragen im Landratsamt schon jetzt entgegen: Tel. (0 93 21) 9 28 50 10, Fax (0 93 21) 9 28 52 99, E-Mail: herbert.koehl@kitzingen.de.