Der Stein wird gewaltig sein. Der Stein, der Herbert Sattler vom Herzen fällt, wenn im Frühsommer kommenden Jahres der Flugbetrieb in Kitzingen wieder aufgenommen werden kann. Jahrelang hat der Vorsitzende des Luftsportclubs (LSC) Kitzingen diskutiert und verhandelt – mit der Stadt, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, möglichen Investoren, Planern, Kampfmittelräumern, dem Luftamt und natürlich dem Besitzer der Flugplatzflächen. Jetzt, endlich, ist das Ziel in Sicht.

„Ich habe mich riesig gefreut“, berichtet der 55-Jährige von einem Brief, der ihn vergangene Woche erreichte. Darin wird Schwarz auf Weiß der im Stadtrat beschlossene Zuschuss zugesichert. Nun kann Sattler beim Luftamt Nordbayern ganz offiziell den Antrag auf zivile Nutzung des Kitzinger Flugplatzes am Rand des Technologieparks „conneKT“ stellen, denn auch die geforderte Kampfmitteluntersuchung und -räumung kann nun garantiert werden.

Die entsprechende Bescheinigung stellt der Kampfmittelräumdienst Raabe aus. „Auf der Start- und Landebahn selbst haben wir die Verdachtspunkte untersucht, aber keine Bomben gefunden“, erklärt Daniel Raabe. Im Umkreis der Landebahn fand Raabes Team jedoch vier Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg, „eine davon hat schon ein Stück aus dem Boden herausgeragt“. Das sei gar nicht so ungefährlich gewesen. Rechtzeitig vor der Inbetriebnahme des Flugareals werden alle zu nutzenden Flächen noch einmal „befahren“, das heißt abschließend untersucht, informiert Raabe.

„Spätestens im Sommer 2015 wollen wir die Wiedereröffnung des Kitzinger Flugplatzes feiern.“
Herbert Sattler, Vorsitzender des Luftsportclubs

Für Markus Blum, den Eigentümer des Technologie- und Gewerbeparks „conneKT“ (früher Harvey-Barracks), stellt der Flugplatz derzeit das geringste Problem dar. Mittlerweile sind zwei Jahre seit dem Aufstellungsbeschluss vergangen. Der Druck wächst, endlich verbindliches Baurecht zu bekommen. „Zahlreiche Firmen haben bei ihrer Standortsuche Kitzingen ins Visier genommen“, sagt Blum. „Sollten nicht kurzfristig die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung von Bestandsgebäuden und Bauland geschaffen werden, drohen die interessierten Unternehmen sich anderweitig zu orientieren.“

Immerhin: Im Dezember wird der Bebauungsplan „106 Technologiepark conneKT“ wieder auf der Tagesordnung des Stadtrates stehen. Blum hofft, dass dann der entscheidende Schritt zur Schaffung des größten Gewerbe- und Industriegebietes in Kitzingen vollzogen wird.

Was den Flugplatz angeht, ist Markus Blum dagegen guter Dinge. „Wir hoffen auf die luftrechtliche Genehmigung bis Ende des zweiten Quartals 2015.“ Bis dahin werde die Stromversorgung sichergestellt und die Schäden an der Landebahn beseitigt sein. „Ich sehe das ganz positiv“, stellt Blum fest.

Die „gute und enge Zusammenarbeit mit dem Eigentümer“ freut Herbert Sattler. „So weit waren wir noch nie.“ Sattlers Ziel ist klar: „Spätestens im Sommer 2015 wollen wir die Wiedereröffnung des Kitzinger Flugplatzes feiern.“

Der Vorsitzende des Luftsportclubs wird nicht müde zu betonen, dass der Flugplatz eine große Chance für die Stadt sei – zum einen als Standort-Vorteil für Unternehmen, zum anderen aber auch für ein vielfältiges Vereinsangebot in Kitzingen. Der LSC leiste zum Beispiel eine interessante Jugendarbeit. „Ich stelle mir für die Zukunft auch Aktionen zusammen mit Schulen vor“, schaut Sattler voraus. Er denkt dabei nicht an elitäre Unternehmungen, sondern daran, die Begeisterung für den Luftsport ganz allgemein zu wecken – beziehungsweise wieder zu beleben. „Denn der Flugplatz gehörte Jahrzehntelang zu Kitzingen wie der Falterturm.“

Da die Mitglieder des LSC die Kitzinger Start- und Landebahn in den vergangenen Jahren nur sehr eingeschränkt nutzen konnten – für den Motorflug überhaupt nicht –, sei es für alle ein großer Lichtblick, das Kitzinger Areal bald wieder mit Leben erfüllen zu können. Die Segelflugzeuge wurden von den Aushilfsflugplätzen Giebelstadt und Würzburg schon wieder nach Kitzingen gebracht, wo die nötigen Winterarbeiten erledigt werden. „Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr von hier aus starten können.“

Zwar ist die Landebahn dann nur noch 1400 Meter lang – statt wie früher 2200 Meter –, denn der Bereich Richtung Innenstadt ist mit einer Fotovoltaikanlage bestückt worden. „Aber die 1400 Meter reichen für unsere Zwecke völlig aus“, betont Sattler.

Unter „unsere Zwecke“ versteht der LSC-Vorsitzende neben dem Segelflug den Sichtflug für Motormaschinen mit einem Abfluggewicht von maximal 5,7 Tonnen. Da es keinen Nachtflug geben wird, muss die Landebahn auch nicht besonders beleuchtet werden. Und auch für das Betreiben des Platzes, das die LSC-Mitglieder übernehmen werden, müssen keine großen baulichen Veränderungen oder Erneuerungen vorgenommen werden, betont der Vorsitzende. Von dieser Seite werde es also keine Hindernisse für die Wiedereröffnung geben.

„Schönster Flugplatz der Region“

„Es war und ist unglaublich viel Kleinarbeit zu leisten“, fasst Sattler seine Erfahrungen der letzten Jahre zusammen. Jetzt ist der 55-Jährige, der seit über 40 Jahren im LSC aktiv ist, sehr froh über das Licht am Horizont. In fünf Jahren wird der LSC 100 Jahre alt. Herbert Sattler will dieses Jubiläum gern mit einem bunten Programm für die ganze Stadt feiern – und zwar „am schönsten Flugplatz der Region“.