Die Situation? Turbulent, beängstigend – aber auch ein Stück weit sicherer als noch vor ein paar Wochen und Monaten. Dem Schnelltest sei Dank.

Udo Aust ist Pandemie-Beauftragter im Wilhelm-Hoegner Haus in der Kitzinger Siedlung. Vor einem Dreivierteljahr hätte wohl niemand etwas anfangen können mit so einer Berufsbezeichnung. Längst ist er einer der entscheidenden Faktoren im Haus. Bei Aust laufen die Fäden zusammen. Er organisiert Mitarbeiterschulungen, setzt die Vorgaben aus dem Ministerium und dem Gesundheitsamt vor Ort um. „Hygienevorgaben hat es in Altenheimen schon immer gegeben“, erinnert er. „Jetzt sind sie halt um einiges verstärkt worden.“

„Mir ist es wichtig, unsere Bürger jetzt nicht allein zu lassen.“
Tamara Bischof Landrätin

Wer seine Angehörigen im Seniorenheim besuchen will, muss neuerdings einen negativen Corona-Test vorweisen. „Gerade für die älteren Verwandten ist das eine weitere Erschwernis“, weiß Aust. Dennoch: Das Verständnis für diese Maßnahme sei bei den meisten vorhanden. Gleichzeitig hat der Pandemie-Beauftragte sinkende Besucherzahlen registriert, seit die Vorgabe in Kraft getreten ist. Ein Indiz dafür, dass die neue Regelung für manche Menschen zu aufwändig – oder schlicht zu teuer – ist.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) fordert deshalb, dass die verpflichtenden Tests in beziehungsweise vor den Einrichtungen durchgeführt werden. Vorsitzender Franz Müntefering: „Es kann den häufig selbst hochaltrigen Angehörigen nicht zugemutet werden, sich selbst – immer wieder – um einen solchen Test zu kümmern und dazu kreuz und quer durch ihre Stadt oder ihren Landkreis fahren zu müssen.“ Das sieht Landrätin Tamara Bischof ähnlich und bietet ab sofort Schnelltests an. „Mir ist es wichtig, unsere Bürger jetzt nicht alleine zu lassen und ihnen zum Beispiel den Besuch im Pflegeheim nach negativem Schnelltest zu ermöglichen“, erklärt Bischof. Die Klinik sowie das BRK stehen seit dem 15. Dezember für Impfungen bereit. Der Impfstoff steht allerdings noch nicht zur Verfügung. „Also sind vorübergehend Kapazitäten frei“, so die Landrätin. Das Ergebnis der Schnelltests liegt nach etwa 20 Minuten vor, in dieser Zeit müssen die Bürger vor Ort warten.

Christine Golm, Michaela Fox und Moritz Erk sind eines von drei mobilen Impfteams des BRK, die in den Seniorenzentren des Landkreis zum Einsatz kommen, sobald der Impfstoff vorhanden. Bis dahin führen sie – auf Wunsch – in den Einrichtungen Schnelltests durch. Ihren ersten Einsatz hatten sie am Dienstagvormittag im Wilhelm–Hoegner-Haus. Mitarbeiter, die gerade im Dienst sind – wie Hauswirtschaftsleiterin Carina Mayer – werden abgestrichen und wissen nach 20 Minuten, ob ihr Test negativ oder positiv ist. Am Donnerstag wird das Team die anderen Mitarbeiter „abstreichen“.

137 Menschen leben im Wilhelm-Hoegner-Haus. Das Besondere: Etwa die Hälfte sind Senioren, die andere Hälfte psychisch Erkrankte. Sie haben Ängste, Zwänge, Paranoia. Nicht einfach, diesen Menschen die Notwendigkeit der Corona-Maßnahmen immer wieder zu erklären. Aust freut sich über die bisherige Akzeptanz und das Verständnis. „Wir hatten mit mehr Widerstand gerechnet.“

„Alles ist besser, als das Virus im Haus zu haben.“
Helmut Witt, Haus der Pflege Sickershausen

Normalerweise verbringen viele dieser Bewohner die Weihnachtstage daheim. Der Tapetenwechsel ist wichtig. In diesem Jahr ist das anders. Möglichst wenig Durchmischung, möglichst wenig Gefahr, das Virus einzuschleppen. So lautet das Motto – auch im „Haus der Pflege“ in Sickershausen. „Ochsenfurt ist sehr nah“, sagt Leiter Helmut Witt und meint die mittlerweile 20 Todesfälle in der Senioreneinrichtung Fuchsenmühle.

Die Schnelltests, die seit ein paar Tagen eingesetzt werden können, vermitteln ein Stück weit Sicherheit. Zwei Mal die Woche will Witt alle Mitarbeiter testen lassen – mehr als 100. Er hat dafür extra externes Personal eingestellt. Hinzu kommen die Tests für alle rund 80 Bewohner – und die Besucher. Die bekommen – ganz im Sinn von Franz Müntefering – das Angebot, sich im Haus der Pflege testen zu lassen. Witt nennt es eine vertrauensbildende Maßnahme und gibt zu, dass der Aufwand enorm ist. „Aber alles ist besser, als das Virus im Haus zu haben.

Hilfe vom Landratsamt

Schnelltests: Klinik Kitzinger Land/Impfzentrum 1: vom 16. bis 23. Dezember 2020 von 8 bis 12 Uhr sind Antigen-Schnelltests im 5-Minuten-Takt möglich.

Testzentrum Albertshofen: vom 16. bis 23. Dezember 2020 von 18 bis 21 Uhr sind Antigen-Schnelltests im 4-Minuten-Takt möglich.

Ein Termin ist über das bekannte Portal www.corona-test-kitzingen.de unter dem Reiter „Antigen-Schnelltests“ für Jedermann buchbar. Aus Organisationsgründen bitte nicht per Telefon.

Teststrecke: Auch die allgemeine Arbeit der Teststrecke wird ausgeweitet, da die Nachfrage aktuell sehr hoch ist. Die Teststrecke hat zusätzlich am Wochenende 19. und 20. Dezember von 8 bis 18 Uhr plus die oben beschriebenen Schnelltests am Abend geöffnet.

Die Teststrecke hat auch an den Samstagen, 26. Dezember, sowie am 2. Januar geöffnet, um die Feiertage auszugleichen. Auch am 24. und 31. Dezember ist die Teststrecke besetzt, allerdings sind diese Termine vor allem symptomatischen Personen sowie engen Kontaktpersonen vorbehalten.