Wie sieht der öffentliche Verkehr in der Zukunft aus? Sagen wir, im Jahr 2050? Andrea und Uli Drexelius von den Grünen und Benediktinerbruder Julian Glienke vom Verkehrsclub Deutschland haben eine klare Vorstellung.

In der Energiewirtschaft, bei den Heizungssystemen für Häuser, in der Landwirtschaft: überall würden Fortschritte bezüglich des Klimaschutzes erzielt. „Nur nicht beim Verkehr“, bedauert Bruder Julian und bezeichnet ihn als „Sorgenkind des Klimaschutzes.“

„Auf großen Betriebsgeländen machen autonome Fahrzeuge durchaus Sinn. Im öffentlichen Raum nicht. “
Andrea Drexelius, Grünen-Kreisrätin

Treffpunkt im Wohnzimmer von Andrea und Uli Drexelius in Wiesentheid. Bruder Julian ist per Skype dazu geschaltet. Schnell stellt sich heraus: Mit dem Status quo sind die Drei nicht zufrieden. Und die Aussichten für einen umweltverträglichen Verkehr sind ihrer Ansicht nach auch nicht gerade erfreulich. „Dabei müssen wir in diesem Jahrzehnt unbedingt die Weichen stellen“, fordert Bruder Julian. Der Wunsch: Ein regelmäßiges und verlässliches öffentliches Busnetz, ein Ausbau des Radwegenetzes, auch und gerade innerhalb der Ortschaften, eine Verlagerung des Schwerlastverkehrs von der Straße auf die Schiene. Und eine Reaktivierung der Steigerwaldbahn. Die ist so etwas wie der langjährige Zankapfel zwischen den Grünen und dem VCD auf der einen Seite und der CSU auf der anderen. Letztere wünscht sich eine Teststrecke für autonomes Fahren auf der Trasse zwischen Schweinfurt und Kitzingen, die Grünen wollen die Bahn reaktivieren. Mehr als 1000 Reisende pro Bahnkilometer erachten sie als realistisch, entsprechende Gutachten lägen vor. Gerade zwischen Gerolzhofen und Schweinfurt mache eine Reaktivierung Sinn, aber auch in Richtung Kitzingen. Mit autonom fahrenden Fahrzeugen würde letztendlich kein Mehrwert geschaffen, argumentieren sie. Und die Organisation sei wegen der zahlreichen Brücken und Kreuzungen schwierig. „Auf großen Betriebsgeländen machen autonome Fahrzeuge durchaus Sinn“, sagt Andrea Drexelius. „Im öffentlichen Raum nicht.“

Sie wünscht sich ein anderes Denken, einen anderen Ansatz. Der müsse lauten: insgesamt weniger Verkehr auf die Straßen bringen. Mit verlässlichen Bussen, die zwischen 5 und 23 Uhr im Stundentakt auch die kleineren Dörfer anfahren, mit Car-Sharing und einer Mitnahme-App sei das möglich. Auch in einem Flächenlandkreis wie dem Kitzinger. Dass der Individualverkehr seine Bedeutung behalten wird, ist den Dreien klar. Schon alleine, weil sich das Einkaufen auf der „grünen Wiese“ etabliert hat. Eine Rückbesinnung auf lebendige Innenstädte wünscht sich Andrea Drexelius, weitere Ausweisungen von Gewerbeflächen außerhalb der Stadtgrenzen, auf denen Einkaufsmärkte entstehen, lehnen alle drei ab – schon wegen des enormen Flächenverbrauches. Die Schiene fährt schon größtenteils elektrisch und auf der Straße wird die Elektromobilität sicher in den nächsten Jahren Verbrennerautos ersetzen. „Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass auch E-Autos nicht CO2-frei sind, vor allem wenn man den gesamten Herstellungsprozess im Auge hat“, meint Uli Drexelius. Daher sei weitere Forschung an der Weiterentwicklung der Batterietechnologie sowie auch mehr Strom aus regenerativen Energien zwingend notwendig. So wichtig technische Fortschritte auch sind, sie sind nicht der Weisheit letzter Schluss. „Unser aller Gewohnheiten müssen sich verändern“, fordert Uli Drexelius. Das beinhaltet für Bruder Julian auch eine Rückbesinnung auf die Vorteile des dörflichen Lebens, zu denen eine lebendige Gemeinschaft – im Gegensatz zum Individualismus – gehört. Dies sei in den letzten Jahren zum Teil verloren gegangen. Auch deshalb, weil „die Mobilität in unserem Land wie eine heilige Kuh behandelt wird.“ Ob Arbeitsplätze, Einkaufen oder Wohnen – fast alle Bereiche seien auf den Individualverkehr angelegt.

„Unser aller Gewohnheiten müssen sich verändern.“
Uli Drexelius Grüne-Kreisvorstand

So sei unsere Abhängigkeit vom Auto immer größer geworden. Das zu ändern, sei kein leichter Prozess. Aber ein notwendiger. „Wir verbrauchen immer noch mehr Ressourcen, als auf unseren Planeten vorhanden sind“, erinnert Uli Drexelius. Für ein klimaneutrales Verkehrskonzept sei viel Anstrengung notwendig, viel Wandel. In den Entwicklungszentren und Produktionshallen der Industrie, aber vor allem im Kopf eines jeden Einzelnen. „Aber anders geht es nicht“, meint er und zitiert dazu den ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“

Kleine Serie: Verkehrskonzepte betreffen alle Bürger. Ob Weichenstellungen bei Bus und Bahn oder Forschungen für neue, umweltschonende Antriebsarten: Jeder ist irgendwie betroffen. Wir haben uns deshalb bei den drei stärksten Fraktionen im Kreistag umgehört, wie sie den öffentlichen Verkehr in der Zukunft organisiert sehen wollen. Als nächstes: Die Junge Union für die CSU.