Jetzt sollen auch Apotheker und Zahnärzte gegen Covid-19 impfen dürfen. So wurde es auf dem jüngsten Corona-Gipfel von Bund und Ländern beschlossen. Die Reaktionen im Landkreis Kitzingen fallen unterschiedlich aus. Die Skepsis überwiegt.

Von einer vollmundigen Ankündigung der Politik spricht Kristina Zahn von der Falter-Apotheke in Kitzingen. Die sei aber gar nicht so schnell umsetzbar. Zunächst müsse man als Apotheker ein entsprechendes Seminar absolvieren. „Einem Menschen eine Spritze zu verabreichen sollte schließlich geübt sein“, gibt sie zu bedenken. Kristina Zahn wird diesen Weg nicht beschreiten, wird ihren Kunden kein Impf-Angebot unterbreiten. „Das bindet ja auch Personal“, ergänzt sie.

Etliche Fragen noch ungeklärt

„Wir haben jetzt schon keine Langeweile“, sagt Dr. Georg Lilly. „Und auch keine Ausbildung zum Impfen.“ Etliche Fragen seien noch unbeantwortet. In 1000 Fällen gehe das Impfen gut, meint der Kitzinger Zahnarzt. „Aber was ist, wenn ein Patient doch mal allergisch reagiert?“ Um das Impfen sollen sich seiner Meinung nach Menschen kümmern, die dafür ausgebildet sind. „Und ich kümmere mich lieber anständig um meine Patienten.“

Auch in der Praxis von Dr. Michael Kappelmann wird es kein Impfangebot geben. „Viel zu riskant“, sagt Beate Kappelmann. „Wer haftet, wenn doch mal etwas schiefläuft?“, fragt sie. „Wenn es Nachwirkungen gibt?“ Die Organisation sei auch nicht ohne und werfe zusätzliche Fragen auf. Wo sollen die Impfdosen gelagert werden? Was ist, wenn nicht genug Dosen geliefert werden? „Außerdem müssten wir überprüfen, ob jemand Vorerkrankungen hat“, sagt sie. Für sie und ihren Mann steht deshalb fest: Gegen Covid-19 wird nicht geimpft.

Bloß kein Ärger mit Hausärzten

Differenzierter sieht Bernward Unger, Apothekensprecher im Landkreis, die Thematik. Prinzipiell wolle er sich dem Impfen nicht verschließen. „Aber die Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden.“ Eine Schulung in Theorie und Praxis sei notwendig, die brauche Zeit. Vor dem Frühjahr könnten impfwillige Apotheker eh nicht loslegen, ist er überzeugt. Von den rund 18700 Apothekern in Deutschland sind nach seiner Vermutung 20 bis 25 Prozent interessiert. Viele Kollegen sagen schon deshalb ab, weil es an den räumlichen oder personellen Voraussetzungen mangelt.

In seiner Dettelbacher Apotheke hat Unger diese Voraussetzungen, eines will er unbedingt vermeiden: Ärger mit den Hausärzten. Deren Argwohn ob der politischen Ankündigung kann er nachvollziehen. „Ich würde ein Impf-Angebot in meiner Apotheke mit den Ärzten hier im Haus absprechen“, sagt er. Wegnehmen wolle man den Ärzten auf keinen Fall etwas. Eine Ausdehnung des Impf-Angebotes auf Apotheken würde aus seiner Sicht aber durchaus positive Resultate zeitigen. In der Schweiz und in Frankreich werden Grippe-Impfungen seit geraumer Zeit auch in Apotheken angeboten. Ergebnis: Die Impfbereitschaft der Bevölkerung ist gestiegen. „Übrigens auch in den Arztpraxen selbst“, sagt Unger.

Im Moment genug Kapazitäten

Im Landratsamt Kitzingen ist bereits eine Anfrage eines Zahnarztes eingegangen. „Aber noch gibt es ja gar keine entsprechende Zulassung“, erinnert Landrätin Tamara Bischof. Sie hat grundsätzlich kein Problem damit, wenn künftig auch in Apotheken und Zahnarztpraxen gegen Covid-19 geimpft wird. Im Moment könnten die zur Verfügung stehenden Impfdosen jedoch problemlos in den Impfzentren und von den Hausärzten verimpft werden.