70 Seiten umfasst es. Bislang. Jürgen Wolff ist sicher, dass weitere Einträge dazukommen. Seine Hoffnung: Sie werden von Zuversicht und erfreulichen Nachrichten geprägt sein.

Mitte März hat der Rektor der Dr. Karlheinz-Spielmann-Schule mit einer Art Logbuch begonnen. Alle neuen und ungewohnten Maßnahmen, alle Ideen zu und organisatorischen Reaktionen auf das Coronavirus hat er darin festgehalten. Das Kultusministerium spielt darin genauso eine Rolle wie das Schulamt, die Kollegen, Schüler und Eltern. „Die Idee dazu hatte der damalige Schulamtsleiter Kurt Krause“, erinnert sich Wolff. Ein Dreivierteljahr ist das nun her. Niemand hätte gedacht, dass Jürgen Wolff auch Ende Dezember noch Einträge vornehmen würde.

Was sich wie ein roter Faden durch seine Bemerkungen durchzieht: eine anstrengende und nicht immer gelungene Kommunikation. Beispiel: Ministerpräsident Markus Söder stellt sich mittwochs vor die Kameras und verkündet die neuesten Beschlüsse für die bayerische Schullandschaft. Die unverzügliche Folge: Massive Nachfragen von Kollegen, Schülern und Eltern. „Dabei haben wir die entsprechenden Anweisungen aus dem Kultusministerium erst am Freitag darauf erhalten“, so Wolff. Sollte er die Schulregeln aufgrund einer Pressekonferenz ändern? Oder doch lieber auf die offiziellen Anweisungen warten? „Die Antwort war klar“, sagt Wolff und wünscht sich für die Zukunft ein anderes Vorgehen: Erst die Anweisung, dann die Pressekonferenz. „Dann würde uns jede Menge unnötiger Arbeit erspart bleiben.“

Wunsch: Erst die Anweisung, dann die Pressekonferenz

Die Nachricht vom ersten Lockdown Mitte März traf die Schulleiter in einer zweitägigen Konferenz. Abbruch, zurück an die Schule. Zu tun gab es an dem verbleibenden Tag mehr als genug. Den Elternabend in der Woche darauf absagen, die Personalversammlung ebenso. Mit den rund 40 Kollegen in Mittel- und Grundschule das weitere Vorgehen abstimmen. „Im Großen und Ganzen hat das gut funktioniert“, erinnert sich Wolff. Auch die Notfallbetreuung. So etwas wie Routine kam trotzdem nie auf. „Weil dauernd zu nachgeschärft worden ist“, erinnert er sich. Neue Berufsgruppen sind als systemrelevant eingestuft worden. „Was das für die Verwaltungskräfte und Kollegen bedeutete, kann sich niemand vorstellen.“

Extrem flexibel mussten Lehrer und Schulleiter in diesem Jahr sein. Denn dauernd gab es neue Verordnungen. Und damit auch ständig wechselnde Anforderungen in den Schulhäusern. In den Oster- und Pfingstferien: Notbetreuung. Musste organisiert werden. Nach den Osterferien kamen zunächst die Abschlussklassen wieder ins Schulhaus, nach und nach die anderen Jahrgänge. Also mussten immer wieder neue Stundenpläne angefertigt werden, neue Betreuungspläne für den Ganztag, neue Pausenaufsichtspläne – und vieles mehr. Eine Durchmischung der Klassen galt es zu verhindern. Also wurde der Pausenhof abgetrennt, die Pausen zeitlich entzerrt. „Die dauerten teilweise von 9 bis 10.30 Uhr“, erinnert sich Wolff. Katholischer und evangelischer Religionsunterricht wurde zusammengelegt, Sport war in der Halle kaum mehr möglich. „Das liest sich alles nicht dramatisch“, weiß Wolff. „Aber was dahinter für ein organisatorischer Aufwand steckt....“

Erfahrung aus der Praxis: Wechsel-Unterricht beste Lösung

Präsenz-Unterricht, Distanz-Unterricht, Wechsel-Unterricht: Die Lehrkräfte mussten sich immer wieder auf neue Unterrichtsformen einstellen. Für Jürgen Wolff hat sich der Wechsel-Unterricht als beste Lösung dargestellt. „Beim Home-Schooling sind einige Schüler abgehängt worden“, bedauert er. Also haben die Lehrkräfte nach den Sommerferien extra Unterricht am Nachmittag angeboten. In den Hauptfächern konnte das Versäumte nachgeholt werden. Dafür sind die Wahlfächer geopfert worden. „Auch das musste organisiert werden“, erinnert Wolff, der heilfroh ist, dass die Kollegschaft mitgezogen hat. Selbst diejenigen, die zur Risikogruppe gehören, sind allesamt gekommen. Krankheitsbedingte Ausfälle gab es so gut wie keine.

Zwei Tage Unterricht für die halbe Klasse – und die andere Hälfte arbeitet derzeit daheim. Danach Wechsel. Dieses Modell hat sich für den Iphöfer Schulleiter als das wirksamste herausgestellt. Für Grundschüler genauso wie für die älteren Semester. „Der Kontakt zu den Lehrern ist essenziell“, weiß Wolff. „Gerade für die unteren Stufen.“ Dass den Eltern dabei einiges abverlangt wird, ist ihm klar. Dennoch würde er dieses Modell gerne nach den Winterferien und – mindestens – bis zu den Halbjahreszeugnissen implementiert sehen. „Wir brauchen endlich eine verlässliche Regelung“, sagt Wolff. Vom Hin- und Her der letzten Monate hat er genug.

Seinem Konrektor Andreas Herrmann geht es nicht anders. Er musste selber für 14 Tage in Quarantäne, weil ein Schüler positiv getestet war. „Zum Glück hat sich niemand an der Schule infiziert“, sagt er. Ein Zeichen, dass die Hygienemaßnahmen gegriffen haben, woran auch die Stadt Iphofen als Sachaufwandsträger ihren Anteil hatte. „Die haben uns über die gesamte Zeit super unterstützt“, freut sich Wolff.

Klassen mussten in Quarantäne geschickt werden

Andreas Herrmann erinnert sich dennoch mit Schrecken an die Zeit zurück. Am Freitagnachmittag hat er vom Gesundheitsamt die Nachricht erhalten, dass die Klasse in Quarantäne muss. Bis in die Nacht hinein hat er daraufhin die Eltern angerufen und informiert. „Da tauchen pro Gespräch ja jede Menge Fragen auf“, sagt er. Die Kommunikation bezüglich der beiden Testtermine fiel ebenfalls in seine Hände. Eine Woche hat es gedauert, bis das Ergebnis vorlag. In der Zeit war an einen vernünftigen Distanz-Unterricht nicht zu denken.

Bei allem Respekt für die Arbeit des Gesundheitsamtes: Nicht alles ist reibungslos verlaufen. Nach den Sommerferien hatten die Iphöfer von sich aus eine Corona-Testreihe in ihrer Aula angeboten. Auch die Lehrer der Nachbarschulen waren eingeladen. 50 Anmeldungen hatte Jürgen Wolff vorliegen. Dann wurden auch die Mitarbeiter der Kindergärten vom Landratsamt eingeladen. „Da wurde einfach ungefragt aufgestockt“, wundert sich Wolff noch heute. Die Ergebnisse der Untersuchungen erhielt die Schule dann per Fax. „Und das Sekretariat musste alle informieren.“

So nötig wie nie seien diese Weihnachtsferien. „Für alle Kollegen“, sagt Wolff. Auch er ist froh, seinen Akku wieder aufladen zu können. Wohl wissend, dass es im nächsten Jahr turbulent weiter gehen wird – und neue, überraschende Logbuch-Einträge auf ihn zukommen werden.