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KITZINGEN

Das Kreuz mit der Kreuzkapelle

Weil das Dach über die Jahrzehnte undicht wurde, müssen die Arbeiter nun eine neue Konstruktion aufbringen. Die Feuchtigkeit ist schlimmer als angenommen.
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Architekt Georg Böswald von-Brunn zeigt den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates die Schäden an der Kreuzkapelle. Diese Vase aus Betonguss hat wohl schon in früheren Zeiten das defekte Original aus Sandstein ersetzt. Foto: Foto: Christine Schmitt
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Weithin sichtbar ist die Baustelle, das Gerüst steht seit etwa zwei Monaten. Die Kreuzkapelle in Etwashausen muss saniert werden. Das Dach ist undicht geworden. Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates machten sich dieser Tage selbst ein Bild von den Schäden.

Architekt Georg Böswald-von Brunn ist mit dem Fortgang der Arbeiten zufrieden – auch wenn es Corona bedingt zu ein paar Verzögerungen gekommen ist. Ein Großteil der Schäden an den Fenstern ist schon ausgebessert worden, künftig soll das innen ablaufende Kondenswasser über eine von außen unsichtbare „Schwitzwasserrinne“ abgeleitet werden. Etliche Schlieren hatten sich auf den Natursandsteinen gebildet.

Erstaunliches ergab sich bei der Überprüfung der elektrischen Leitungen. „Viele sind in den 50er Jahren außen am Gebäude verlegt worden“, erklärt der Architekt und zeigt auf eine Leitung, die sich am Mauerwerk gen Kirchendach reckt. Einen Grund dafür sehe er nicht. Sinnvoller sei es, alle Leitungen in einem bestehenden Leitungsschlitz im Kirchengebäude unterzubringen. Ein entsprechendes Angebot will er noch einholen. Es gebe auch eine Leitung, die einmal quer über die Kapelle verlaufe und auf der anderen Seite das Grundstück wieder verlässt. „Deren Funktion ist uns ein völliges Rätsel“, bekennt von Brunn.

Das größte Sorgenkind befindet sich aber weiter oben. Die Schäden am Dach sind teilweise immens. Kein Wunder: Biberschwanzziegel und Schiefersteine treffen gerade an den wasserführenden Kehlen aufeinander. Hier konnte Regenwasser ins Dachinnere eindringen, die Holzkonstruktion angreifen. „Es war höchste Zeit, dass wir tätig wurden“, versichert von Brunn.

Etwa die Hälfte des Daches ist bereits aufgedeckt. Bei einem Rundgang konnten die Pfarrgemeinderäte die Schäden aus der Nähe inspizieren. Brüchige Schiefersteine, kleine Spalten zwischen den Abdeckungen, auch das Wappen an der Vorderseite ist in einem unansehnlichen Zustand. „Das hier ist die Wetterseite“, erklärt der Architekt. Nach 40 bis 50 Jahren könne es zu solchen Schäden kommen, zumal Schilfsandstein sehr weich sei, den Regen zunächst aufsauge und die Feuchtigkeit später wieder abgebe.

Rote Biberschwanzziegel und schwarze Schiefersteine haben bis vor kurzem das Bild der Kreuzkapelle geprägt. Künftig sollen nur noch Naturschiefersteine aufgebracht werden. „Der Schiefer kommt aus Spanien“, erklärt von Brunn. Dort ist die Produktion Corona bedingt zwar ins Stocken geraten, doch der zugesagte Liefertermin für Ende August kann nun doch eingehalten werden. Wegen der Holzschäden am Dachstuhl kann mit dem Eindecken jedoch erst Mitte September begonnen werden. „Die Reparaturarbeiten haben länger gebraucht als gedacht“, bekennt der Architekt.

80 bis 100 Jahre wird das neue Dach halten – wenn alles gut geht. „Schiefer ist nun mal ein Naturmaterial“, warb der Rottendorfer Architekt um Verständnis. Je nach Wetterlage können Schäden auch schon früher auftreten. Für den Schutz der Holzkonstruktion soll künftig ein Luftaustausch im Dachraum unter der Kuppel sorgen. „Damit wir die Luftfeuchtigkeit da herausbringen.“ Die Arbeiter bringen die neue Holzkonstruktion so auf, dass die Luft unter dem Dach zirkulieren kann. Für die Mauersegler, die an der Fassade beobachten wurden, sollen auch zukünftig Nistmöglichkeiten im Bereich der Traufe bestehen. „Wobei die eh keinen Dreck machen“, erklärt von Brunn und hebt die Plane an einer Seite des Daches an. Bauschutt und Reste von Schieferziegeln haben sich auch aus vergangenen Zeiten angesammelt. „Das zieht Ungeziefer an“, sagt er. „Kommt alles raus.“

Rund 1,175 Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten. Bis Ende des Jahres sollen sie abgeschlossen sein.

Die Kreuzkapelle in Etwashausen ist zwischen 1741 und 1745 nach Plänen von Balthasar Neumann entstanden. Sie gehört zu den bedeutendsten Bauwerken in Franken. Ihr Grundriss zierte einst jeden 50 D-Mark-Schein in Deutschland.