Münsterschwarzach Er liebt die Musik. Und er ist Mönch. Pater Dominikus Trautner hat vor kurzem seine 40-jährige Profess gefeiert. Der gebürtige Kirchehrenbacher (Fränkische Schweiz) organisiert seit 30 Jahren die Abteikonzerte in Münsterschwarzach, hat in Städten wie Riga, Lissabon und Sao Paulo Konzerte gegeben und 20 CDs eingespielt. Ein Gespräch über das gestiegene Interesse an klassischen Konzerten und die Anforderungen an einen Organisten.

Wie reagieren Brasilianer auf Orgelmusik?

Pater Dominikus: Ganz anders als wir Deutschen. Euphorischer. Da kann es schon mal vorkommen, dass sie am Ende des Konzertes auf die Bänke steigen und applaudieren.

Wo steht die schönste Orgel, auf der Sie bislang gespielt haben?

Pater Dominikus: Die Orgel in Riga ist schon etwas Besonderes. Aber letztendlich ist jedes Instrument einzigartig. Erfreulicherweise haben wir hier in der Region auch viele gute Orgeln, die immer wieder restauriert oder, wie etwa in Volkach in der Stadtkirche, durch neue ersetzt werden.

Gibt es auch Orgeln, auf denen Sie gar nicht spielen können?

Pater Dominikus (lächelt): Nein, so weit geht es dann nicht. Aber in Osteuropa gibt es leider ab und zu Instrumente, die nicht mehr in einem sehr guten Zustand sind. Das macht es natürlich auch für den Organisten schwer.

Wie bereiten Sie sich auf ein Konzert vor?

Pater Dominikus: Grundsätzlich versuche ich, auf mich selbst zu achten. Ich muss ja auf den Punkt hin Leistung bringen. Das ist nicht anders als bei einem Profisportler. Das Wichtigste ist eine gute Vorbereitung, also reise ich zwei Tage vor einem Konzert an und versuche, mir die Orgel zu erarbeiten und mich mit ihr vertraut zu machen. Das dauert in der Regel sechs bis acht Stunden. Das ist aber auch nicht immer einfach.

Wieso?

Pater Dominikus: Weil die Gotteshäuser tagsüber geöffnet und oft von Touristen hoch frequentiert sind. Ich kann also dort erst in der Nacht üben. Mein Tagesrhythmus gerät so außer Takt.

Die meisten Konzerte beginnen auch erst um 20 Uhr.

Pater Dominikus: Für mich ein Problem. Ich muss davor jedes Mal meine Kräfte sammeln. Viel lieber sind mir Konzerte am Nachmittag.

Warum haben Sie sich für ein Leben als Organist und ein Leben im Kloster entschieden?

Pater Dominikus: Ich komme aus einer sehr religiösen Familie. Drei meiner Onkel waren Pfarrer. Vor der Schule ging es in die Messe. Jeden Tag. So war das damals. Den Wunsch, Priester zu werden, hatte ich schon als kleines Kind. Meinen priesterlichen und seelsorgerischen Dienst übe ich im Kloster und in den Pfarreien aus. Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen – da ist alles dabei.

Und nie bereut?

Pater Dominikus: Nein, ich habe meine Berufung gefunden. Wobei mir das Aufstehen mitunter schon schwer fällt (lächelt). Jeden Tag um 4.40 Uhr raus. Das ist nicht immer so einfach.

Wie oft spielen Sie am Tag Orgel?

Pater Dominikus: Das erste Mal zur Laudes um 5 Uhr früh. Insgesamt fünf Mal zu unseren jeweiligen Gebetszeiten, die ich mir mit meinem Mitbruder aufteile. Und zwischendurch übe ich,wenn es die Zeit zulässt.

In Würzburg und Frankfurt unterrichten Sie außerdem Liturgik und Gregorianik an den Musikhochschulen. Wie viele Schüler haben Sie?

Pater Dominikus: In Würzburg sind es im Moment acht, in Frankfurt ebenfalls acht. Außerdem unterrichte ich noch einige Schülerinnen und Schüler vom Egbert-Gymnasium.

Was sind das für junge Menschen?

Pater Dominikus: Lauter besondere Menschen. Ich würde sagen, edle Charaktere.

Was muss ein künftiger Organist mitbringen?

Pater Dominikus: Ein hohes Maß an Motivation, Freude an der Musik und natürlich kann eine kirchliche Vorprägung auch nicht schaden.

Müssen sich Ihre Studenten nach der Ausbildung Sorgen um ihr Berufsleben machen?

Pater Dominikus: Meine Studenten haben alle eine feste Anstellung gefunden. Viele als Kirchenmusiker oder als Lehrer.

Sie organisieren seit 30 Jahren die Abteikonzerte in Münsterschwarzach. Die sind fast immer ausverkauft. Woher kommt diese neu entdeckte Faszination?

Pater Dominikus: Zum Einen hat sich die Qualität der Musiker herumgesprochen. Wir haben die Bamberger Symphoniker hier, die Regensburger Domspatzen, das Bayerische Rundfunkorchester und viele andere hochwertige Ensembles. Ganz allgemein ist das Interesse an klassischer Musik in unserer Region gestiegen. Ein erfreulicher Trend.

Der sich wie erklären lässt?

Pater Dominikus: Das Bildungsniveau ist gestiegen und die Menschen verspüren eine Sehnsucht nach geistlichen Erfahrungen. Sie suchen Ruhe, Stille und eine innere Erfüllung. Die finden Sie beispielsweise in unseren Konzerten. Auch die Kurse im Kloster Münsterschwarzach sind ausgebucht.

Die Menschen sind auf der Suche.

Pater Dominikus: Sie verspüren nach wie vor eine Sehnsucht nach dem Geistlichen. Gleichzeitig sind sie anspruchsvoller geworden, wollen einen gut vorbereiteten Priester und eine Feier, die sie anspricht und bewegt.

Auf der anderen Seite werden die Kirchen immer leerer.

Pater Dominikus: Dafür gibt es viele Gründe, die man nicht so einfach erklären kann. Besondere Angebote, wie etwa Jugendvespern, besondere Gottesdienste oder auch die Abteikonzerte ziehen die Menschen nach wie vor an.

Zur Person: Pater Dominikus Trautner besuchte das Gymnasium und Internate in Münsterschwarzach und Würzburg. Er studierte Theologie und Kirchenmusik in Würzburg. Am 8. September 1979 legte er die Zeitliche Profess ab. 1985 empfing er die Priesterweihe. Trautner ist Organist und Kantor in der Abtei Münsterschwarzach sowie Dozent für Liturgik und Gregorianik an den Musikhochschulen in Würzburg und Frankfurt. Er gibt weltweit Orgelkonzerte.

Nächstes Konzert

Die Hofer Symphoniker unter der Leitung von Prof. Matthias Beckert sind am Donnerstag, 3. Oktober, um 16 Uhr in der Abteikirche Münsterschwarzach zu hören. Es erklingt zur Einleitung die bekannte symphonische Dichtung „Die Moldau“ von Smetana. Es folgt das heitere und glänzende Trompetenkonzert in Es-Dur von Joseph Haydn, gespielt von dem jungen ungarischen Trompeter Attila Szegedi.

Im Mittelpunkt steht die von Paul Hindemith komponierte Symphonie „Mathis der Maler".

Konzertkarten im Vorverkauf zum Preis zwischen 5 und 50 Euro sind im Klosterbuchladen „Buch und Kunst im Klosterhof“ oder telefonisch unter 09324/ 20 213 erhältlich.