Neue Leute ins Museum bringen, neue Zielgruppen erschließen. Menschen anlocken, die in den letzten Jahren nicht gekommen sind. Das hat sich die Leiterin des Kitzinger Stadtmuseums, Stefanie Falkenstein, vorgenommen. Ein Weg: Die lokale Gegenwartskultur fördern, wie sie es nennt. „Haenson ist da natürlich ein gefundenes Fressen.“

„Haenson“, gesprochen „Hänsen“, heißt mit richtigem Namen Hans Will und ist in Kitzingen ein weithin bekannter Mann: Bäckermeister, Fotograf, Blogger. Mit seinen 65 Jahren hat Hans Will schon einiges erlebt – und vieles gesehen. Mit dem Fotografieren hat er schon als junger Bursche begonnen, später für die Sportseiten der Zeitung gearbeitet.

Fast jeden Tag hat er seine Kamera dabei, seit zwölf Jahren betreibt er einen eigenen Blog. Mehr als eine Million Bilder haben sich im Lauf der Jahre auf seinem Server angesammelt. Kitzingen bei Nacht, Kitzingen bei Sonnenaufgang – „als ehemaliger Bäcker bin ich immer noch ein Frühaufsteher“ – Kitzingen in allen Jahreszeiten. Natürlich ist Hans Will auch in der Umgebung unterwegs. Seine liebsten Motive findet er allerdings in seiner Heimatstadt.

Seit drei Jahren reden die Museumsleiterin und der begeisterte Fotograf über eine mögliche Ausstellung. Die erste Idee mit dem Titel „Novemberblues“ war Hans Will zu melancholisch. „Alles zu dunkel und zu neblig“, sagt er. Er wollte lieber ein breites Spektrum seines Schaffens präsentieren.

50 Bilder sind in der neuen Ausstellung zu sehen. Die Auswahl ist Hans Will nicht leicht gefallen. „Fotos, auf denen Politiker zu sehen sind, haben wir rausgenommen“, erklärt Stephanie Falkenstein. Sie wollte einen Querschnitt des Lebens in Kitzingen und seinen Ortsteilen zeigen: Menschen am Fluss, der Nebel über dem Maintal, Menschenmassen in der Innenstadt bei einer Veranstaltung, Teilnehmer am Triathlon, der Top-Model-Contest: An Motiven mangelt es Hans Will nicht. „Die meisten Bilder sind aus der jüngeren Vergangenheit“, erklärt er. Ein breites Kaleidoskop war ihm wichtig: Bäckerlehrlinge aus Somalia und Pakistan sind genau so zu sehen wie deutsche Fans beim Sommermärchen 2006 in Kitzingen.

Ein Jahr nach dem Sommermärchen hatte Hans Will mit einer Lungenembolie zu kämpfen. Seinen erlernten Beruf als Bäcker musste er aufgeben. „Also habe ich versucht, als Fotograf Geld zu verdienen“, erzählt er. Er hat sich ein Fotostudio eingerichtet und alle möglichen Aufträge angenommen. Als Hochzeitsfotograf arbeitete und arbeitet er, war bei großen Konzerten wie Rock im Park oder beim Würzburger Africa-Festival. Er hat für Werbeagenturen fotografiert und ist nach wie vor für die Sportseiten dieser Zeitung im Einsatz. Nebenbei gibt er Workshops für Anfänger. „Drei Termine stehen in Kürze an“, erzählt er. Nach einer kurzen theoretischen Einführung geht er mit den Interessenten gleich in die Natur – ausprobieren.

Hans Will bezeichnet sich selbst als „Bauchfotograf.“ Sieht er aus dem Augenwinkel ein lohnendes Motiv, dann dreht er mit seinem Auto um und holt die Kamera heraus. Auf dem Weg von seiner Wohnung zum Pressetermin im Museum hat er zehn verschiedene Motive „geschossen“. „Ich kann nicht anders“, sagt er und lacht. Sein Tipp für alle Hobbyfotografen: Jeden Tag Bilder machen – und im Nachhinein immer anschauen. Learning by doing.

Und was macht ein richtig gutes Bild für ihn aus? Hans Will muss nicht lange überlegen: Die Gestaltung muss stimmig sein, die Farbe ansprechen. „Letztendlich muss das Zusammenspiel einfach passen.“

Das tut es immer wieder. Stephanie Falkenstein ist von der neuesten Ausstellung jedenfalls angetan. Sie hat die rund 50 Bilder auf Planen drucken lassen, die auch an anderen Orten gezeigt werden können. „Gerne auch im Freien“, sagt sie. Wer Interesse hat, kann sich an sie wenden. Das gilt auch für die Bücher zur Ausstellung, die sie zum ersten Mal im wesentlich günstigeren „Book on demand“-Verfahren bestellt hat.

Termin: Die Vernissage mit musikalischem Rahmenprogramm findet am heutigen Freitag, 9. März, ab 18 Uhr im Foyer des Museums statt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 15 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Wochenende: 14 bis 17 Uhr. Montag geschlossen.

Einzelne Bilder können auch gekauft werden. Ansprechpartnerin: Stephanie Falkenstein.