„Die Suppe brodelt.“ So beschreibt Forstoberrat Peter Aichmüller die Situation. Er meint vor allem die Borkenkäfer. Die sind klein, aber gemein: Mit ihrem walzenförmigen, wenige Millimeter kurzen Körper bohren sie ein Netz von Fraßgängen unter die Rinde und graben dem Baum so – im wahrsten Sinn des Wortes – das Wasser ab.

Zwei Arten dieser Rinden-Schädlinge freuten sich besonders über den heißen, trockenen Sommer: Der Buchdrucker und sein „kleiner Bruder“, der Kupferstecher, konnten sich heuer innerhalb weniger Wochen vom Ei über Larve und Puppe zum Käfer entwickeln. Und wieder neue Populationen gründen.

Die anhaltende Hitze der Sommermonate tat ihr Übriges: Die Wasserspeicherkapazität vieler Waldböden war aufgebraucht. „Und leidende, gestresste Bäume sind ein gefundenes Fressen für Käfer“, erklärt der Forstbeamte. Viele Tausend können eine Fichte befallen. Nur bis zu 200 kann sie mit Hilfe ihres Harzes aus eigener Kraft bezwingen.

Was also tun? „Seit zwei, drei Wochen findet kein Neubefall mehr statt“, weiß Aichmüller. „Die Borkenkäfer ziehen sich in ihre Überwinterungsquartiere zurück: der Kupferstecher unter die Rinde, der Buchdrucker unter die Rinde oder in den Boden.“ Bei milden Temperaturen wie aktuell fressen die Käfer noch munter weiter. „Wir raten dringend, intensive Kontrollen durchzuführen und befallenes Holz konsequent aufzuarbeiten.“ Das heißt: Verräterischen Spuren muss nachgegangen werden. Abfallende Rinde, eine auffällige Rotfärbung von der Krone an abwärts, Bohrmehl am Boden und Bohrlöcher im Stamm sind Indizien für Käferbefall.

„Angefressene“ Stämme müssen geschlagen und mindestens 500 Meter von Nadelgehölzen entfernt werden – und zwar am besten, bevor die Borke abfällt und mit ihr die Käfer, die im Boden den Winter überleben. Gebrochene und umgeknickte Fichten, frische Resthölzer, Gipfelstücke und Äste sollen ebenfalls zeitnah aus dem Wald genommen werden, denn sie bieten dem Käfer ideale Brutmöglichkeiten.

Neben kleineren Fichtenbeständen, beispielsweise im Kitzinger Stadtwald oder im Gemeindewald Wiesenbronn, gibt es im Steigerwald auch noch größere Vorkommen, vor allem bei Geiselwind und Abtswind. Die dicken Stämme werden in der Regel vom Buchdrucker heimgesucht, der bis zu fünf Millimeter lang werden kann. Der nur halb so große Kupferstecher macht sich bevorzugt über die Baumkronen und über junge Bäume her. Beide Arten durchbrechen mit ihren Bohrgängen den Saftstrom, den der Baum zum Leben braucht.

„Borkenkäfer-Invasionen hat es früher nach heißen Sommern auch schon gegeben“, berichtet Aichmüller; ältere Landkreisbürger haben ihm vom Sommer 1946 erzählt, als Fichtenbestände dem Insekt großflächig zum Opfer fielen. In Mittelfranken vernichtete mehrjähriger Borkenkäferbefall zwischen 2003 und 2006 tausende Hektar Fichtengehölz. So weit soll es bei uns nicht kommen. Peter Aichmüller appelliert an alle Waldbesitzer, einer Massenvermehrung der Käfer einen Riegel vorzuschieben: „Wir müssen die tickende Zeitbombe jetzt entschärfen. Das geht, indem jeder seine Fichten kontrolliert und gegebenenfalls konsequent gegen die Borkenkäfer vorgeht.“

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder unter www.inFranken.de

Trockenstress und Schädlingsbefall

Situation: Nach einem regen- und schneearmen Winter gab es in Unterfranken auch im Sommer nur sehr geringe Mengen Niederschlag. Die Waldklimastation Würzburg registrierte zwischen April und Juli nicht einmal die Hälfte des langjährigen Niederschlags-Durchschnitts.

Reaktion der Bäume: Wie die Baumarten auf den Trockenstress reagieren, beobachten die Förster derzeit genau. Vergangene Woche haben Peter Aichmüller und seine Kollegen vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Kitzingen sogar eine Begutachtung aus der Luft vorgenommen. Besonders an Hangschultern und (Süd-)Hängen haben sie schwer gezeichnete Bäume entdeckt. Der Wassermangel zeigt sich zum Beispiel an braunen, oft aufgedrehten Blatträndern und am frühzeitigen Abwurf der Blätter. „Indem sie die Blattmasse verringern, versuchen die Bäume, die Wasserverdunstung zu minimieren und ihr Überleben zu sichern. Vor allem Buchen haben heuer schon früh viele, noch grüne Blätter abgeworfen.“ Extrem gezeichnet sei auch die Birke. Die Hainbuche befinde sich dagegen eher im „geordneten Rückzug“.

Aussicht: Bei vielen geschwächten Bäumen muss man abwarten, was das Frühjahr bringt. „Aber vor allem Fichten müssen wir jetzt schon ganz genau beobachten, damit wir eine Massenvermehrung von Schädlingen verhindern können“, legt Peter Aichmüller allen Waldbesitzern ans Herz.

Info: www.borkenkäfer.org oder direkt beim Amt für Landwirtschaft und Forsten Kitzingen, Tel.(0 93 21)30 09-0.