„Es brennt ja gerade nicht.“ Sonst würde der Autofahrer natürlich nicht in der Feuerwehrzufahrt halten. Ein anderer würde den Behindertenparkplatz sofort frei machen, „wenn ein Behinderter käme.“ Und der Dritte steht nur im absoluten Halteverbot, weil er „mal schnell zur Bank muss“. Es sind Ausreden, wie sie die Mitarbeiterinnen der Verkehrsüberwachung täglich hören. Häufig garniert mit Uneinsichtigkeit, Aggressionen und Beleidigungen.

„Es wird immer schlimmer“, sagt Doris Jäger. Die Gruppenleiterin der Kitzinger Verkehrsüberwachung und ihre Kolleginnen sind täglich auf den Straßen unterwegs und machen dort das, wofür sie angestellt sind: Sie sorgen dafür, dass sich die Autofahrer an die Regeln halten. Damit gibt es also eine klare Antwort auf die Frage, die Doris Jäger so häufig gestellt bekommt: „Haben Sie nichts Besseres zu tun?“ Nein, hat sie nicht, sie macht nur ihren Job.

Einer der neuralgischen Punkte, an denen es immer wieder zu Problemen kommt, ist die Luitpoldstraße. Vor dem dortigen Geldinstitut gilt eingeschränktes Halteverbot. Auf der anderen Straßenseite, vor der Apotheke, gilt sogar absolutes Halteverbot. Es ist eine Stelle, an der vor zweieinhalb Jahren ein kleines Mädchen von einem Auto erfasst wurde. Das Kind rannte vom Gehweg aus hinter zwei verbotswidrig geparkten Autos auf die Straße, ein Auto erfasste es, das Vorderrad rollte über den Fuß der Dreijährigen.

Die Halteverbotsschilder werden wenig bis kaum beachtet. Fast ständig halten dort dort Autos. „Ich hab doch nur schnell...“ fängt der Satz an, den Doris Jäger und ihre Kolleginnen zu hören bekommen, wenn sie die Fahrer ansprechen. Von Einsicht meist keine Spur. Genauso wenig wie bei denjenigen, die in die Fußgängerzone fahren, um „kurz“ über den Hintereingang in die Sparkasse zu gehen. „Viele würden am liebsten bis zum Kontoauszugsdrucker fahren“, sagt Jäger. Auch hier sind die Fahrer uneinsichtig. „Es ist doch genug Platz“, heißt es dann.

Dass nicht nur das Zuparken von Feuerwehrzufahrten, sondern auch enger Straßen zum Problem werden kann, hat sich erst vor wenigen Wochen in der Siedlung gezeigt: In der Tilsiter und der Marienburger Straße konnten die Gelben Säcke nicht abgeholt werden, weil die Müllfahrzeuge nicht durchkamen. Der Leiter des Kitzinger Ordnungsamtes, Frank Winterstein, hatte schon damals darauf hingewiesen, dass gedankenloses Parken an Engstellen nicht nur zu solchen Engpässen führt, sondern im Ernstfall Leben und Gesundheit von Menschen gefährden kann, weil auch Rettungsfahrzeuge und die Feuerwehr nicht zum Einsatzort kommen.

Chaos vor den Schulen

Ein Brennpunkt bei den Verkehrsverstößen sind auch die Schulen und Kindergärten. Beispiel Kanzler-Stürtzel-Straße. Vor dem Gymnasium gilt auf beiden Straßenseiten absolutes Halteverbot von 7 bis 8.30 Uhr. Doch jeden Morgen bietet sich das gleiche Bild: Busse halten auf beiden Fahrbahnen, es fahren Fahrradfahrer, Autos halten, Kinder steigen aus. Oft verlassen auch die Eltern das Auto, nehmen die Schultasche aus dem Kofferraum, schauen den Kindern nach, die in all dem Chaos die Straße überqueren, warten, bis der Nachwuchs im Schulgebäude verschwindet, winken zum Abschied nochmal. Derweil hupen die Busse, kommen nicht vorbei, staut sich der Verkehr, liefern andere Eltern ihre Kinder ab. Ein regelmäßiges, ein gefährliches Chaos. Auch das Landratsamt kennt die Problematik: Erst vor wenigen Tagen wurden die Eltern über Rundschreiben auf die Gefährdungen, die durch Fahrzeuge der Eltern entstehen, aufmerksam gemacht und verstärkte Kontrollen angekündigt. In dem Schreiben ist vom AKG, der Realschule und der Wirtschaftsschule die Rede, aber auch von Schulen in Dettelbach und Wiesentheid. Doris Jäger sagt, dass es beispielsweise an der Paul-Eber-Schule nicht besser ist.

Als weiteren Gefahrenpunkt nennt sie das Parken entgegen der Fahrtrichtung, das in Stadt und Stadtteilen immer wieder zu beobachten ist. Die Autos müssen dann eine Fahrbahn überqueren, um auf die andere zu fahren, der Verkehr wird in beiden Richtungen behindert. „Da spielen sich Szenen ab, das glauben Sie kaum“, sagt Jäger.

Probleme gibt es regelmäßig mit dem Lieferverkehr oder mit Handwerkern, die in die Fußgängerzone fahren. Lieferverkehr ist nur bis 11 Uhr erlaubt, Handwerker brauchen einen Arbeitsstättennachweis. „Seit dem 1. Januar wird das strenger behandelt“, informiert Doris Jäger. Alle Handwerksbetriebe seien angeschrieben und darüber informiert worden. Fehlt der Nachweis im Auto, wird konsequent verwarnt.

Halteverbot, Feuerwehreinfahrt, Behindertenparkplatz, zugeparkter Bürgersteig, Fußgängerzone – es gibt Vorschriften, warum die Politessen zu ihrem kleinen Gerät greifen, mit dem sie seit einem Jahr die Strafzettel ausdrucken. Wie Kassenbelege sehen diese aus, vorne der Verstoß und der zu zahlende Betrag, hinten der Hinweis auf die begangene Ordnungswidrigkeit. Die wird außerdem mit einem Foto dokumentiert. „Das macht uns die Arbeit leichter“, sagt die Gruppenleiterin. Sie ist viel im Innendienst, zu ihr kommen die Menschen, die ihren Strafzettel nicht zahlen wollen. „Die sind oft sofort von 0 auf 100“, sagt Jäger, sie regen sich auf, lassen Dampf ab oder zeigen ausgefüllte Parkscheine, die angeblich im Auto lagen. Es sei dann wichtig, freundlich zu reagieren, den Verstoß zu erklären und mit dem aufgenommenen Foto zu belegen, dass es eben doch keinen Parkschein gab, der Gehweg zugeparkt war oder das Auto in der Feuerwehrzufahrt stand.

Situation hat sich verschlimmert

Jäger ist seit knapp 21 Jahren im Dienst. Politesse war immer ihr Traumjob – und ist es heute noch, auch wenn die Leute viel respektloser, uneinsichtiger und aggressiver geworden seien. „Das hat sich die letzten drei, vier Jahre massiv verändert.“ Nahezu täglich muss sie sich fragen lassen, ob sie nichts Besseres zu tun habe als Strafzettel schreiben, ob sie keine Brille aufhabe, nicht richtig sehe, muss sich beschimpfen lassen. „Dabei ist es egal, ob jung oder alt, Mann oder Frau.“ Auf manche Aussagen reagiere man besser überhaupt nicht, sonst gebe es nur sinnlose Diskussionen. Wie man sich in solchen Situationen richtig verhält, kann man bei Schulungen lernen. Auch Jäger will heuer wieder eine solche zur Auffrischung besuchen, es geht um den Umgang mit aggressiven Mitmenschen. Das hilft, ruhig zu bleiben, wenn man ständig der Buhmann ist – obwohl die anderen, sprich die Autofahrer, die Fehler machen, wie es ihr Vorgesetzter Frank Winterstein ausdrückt. „Das ist schon frustrierend.“

Mehr Einsicht, einen anderen Ton, mehr Respekt für die Mitarbeiterinnen der Verkehrsüberwachung, die nun mal einer hoheitlichen Aufgabe nachgehen, die sich wie jeder andere jeden Tag einen Parkplatz suchen müssen, die von ihrem Tun persönlich nicht profitieren – Gerüchte über eine Provision quittiert sie mit einem Kopfschütteln –, das ist es, was Doris Jäger sich wünschen würde. Und statt all der Ausreden von Verkehrssündern mal den einen Satz: „Da haben Sie recht.“