Am Montag geht es wieder los. Schulstart nach den Osterferien. Für manche in der Distanz, für andere vor Ort. Hat man aus den Vorgängen vor den Ferien gelernt?

Die Landesregierung setzte in den Wochen vor den Ferien wieder auf flächendeckenden Präsenzunterricht. Die Folge: Elf Schulen waren alleine im Landkreis Kitzingen in den zwei Wochen vor den Ferien von Corona-Fällen betroffen. 210 Schüler sowie fünf Lehrer mussten als Kontaktperson 1 in Quarantäne – eine Osterüberraschung der anderen Art. Und jetzt: Kultusminister Michael Piazolo setzt auf die Macht der Selbsttests.

Mindestens zwei Mal in der Woche soll getestet werden. Vor Ort, in der Schule. Die Lehrer sollen die Kinder dabei anleiten. „Manche Kollegen haben dabei ganz schön Bauchweh“, weiß Sabine Huppmann, Vorsitzende des BLLV in Kitzingen und selbst Lehrerin einer vierten Klasse. Die musste zwei Wochen vor den Ferien komplett in Quarantäne. Ab nächsten Montag geht es für die Viertklässler in den Wechselunterricht. Etliche Kollegen haben Angst vor einer Ansteckung, weiß Huppmann aus vielen Gesprächen.

„Offensichtlich ist der Landkreis Kitzingen viel flotter als Würzburg.“
Andreas Liebald, BLLV, über das Impfen bei Lehrkräften

Andere gehen mit einer gesunden Zuversicht ans Werk. „Je nach Persönlichkeit.“ Eine höhere Impfrate würde das Gefühl der Sicherheit jedenfalls bei allen stärken.

Wie die Erzieherinnen im Kindergarten können auch die Grundschullehrer nicht immer die nötige Distanz zu ihren Schützlingen wahren. Das weiß auch das Kultusministerium und hat die Grundschullehrkräfte – im Gegenteil zu Lehrern in Mittel- Realschule oder Gymnasium – in die höhere Prioritätsstufe 2 beim Impfen eingestuft. Aber hat das schon geholfen?

Etwa die Hälfte aller Grundschulkräfte im Landkreis haben vor Ostern ihre erste Impfung erhalten, schätzt Schulrat Florian Viering. Genaue Zahlen hat er nicht vorliegen, aber etliche Meldungen aus den Schulen ließen diesen Rückschluss zu. Das deckt sich mit den Informationen von Sabine Huppmann. In Aschaffenburg und dem Landkreis Main-Spessart seien die meisten Kollegen geimpft, Kitzingen liege im Mittelfeld. In Würzburg sei man dagegen noch lange nicht so weit. An der Grundschule Wiesentheid sind bis auf zwei Kollegen aus dem Landkreis Würzburg alle geimpft, berichtet der Personalratsvorsitzende des BLLV im Kreis, Andreas Liebald. Genauso verhält es sich in Markt Einersheim.

„Offensichtlich ist der Landkreis Kitzingen viel flotter als Würzburg“, freut sich Liebald.

In den drei Wochen vor den Ferien wurden alleine im Grund- und Mittelschulenbereich 180 Schüler und sieben Lehrer als Kontaktperson 1 eingestuft, berichtet Florian Viering. Bis auf ein Kind seien alle negativ getestet worden.

Eine Ansteckung in den Schulen habe es damit so gut wie nie gegeben, folgert er. Die gute Nachricht dahinter: Die AHA+L-Maßnahmen – Lüften, Maske und Abstand halten – zeigten Wirkung.

Dennoch ist der Schulrat nicht ganz unglücklich, dass die Inzidenz im Landkreis derzeit über 100 liegt. Deutlich weniger Klassen als sonst werden sich in den Schulgebäuden aufhalten, die Testpflicht kann in der Praxis einigermaßen ruhig einstudiert werden. Gerade an den größeren Schulen wie St. Hedwig und Siedlungsgrundschule in Kitzingen wären die Lehrkräfte ansonsten einige Stunden mit dem Prozedere beschäftigt. Zumindest, bis eine gewisse Routine einsetzt. Verletzten sich die Kinder beim Selbsttest? Werden diejenigen, die positiv getestet werden, stigmatisiert?

„Schickt uns die Bundeswehr oder das THW.“
Jörg Nellen, GEW-Bezirksvorsitzender

Die Bedenken mancher Eltern kann Viering nachvollziehen. Dennoch: Jede Maßnahme, die einen sicheren Präsenz-Unterricht wahrscheinlicher macht, sei zu begrüßen. Wer sein Kind partout nicht in der Schule testen lassen will, kann auch einen PCR-Test im Testzentrum, beim Apotheker oder Arzt durchführen lassen und das Ergebnis in der Schule vorlegen. „Es darf halt nicht älter als 48 Stunden sein.“ Massive Kritik kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW). „Die Staatsregierung hat weder ein Impfkonzept noch ein Testkonzept vorbereitet, nun sollen es die Schulen ausbaden,“ ärgert sich Bezirksvorsitzender Jörg Nellen. Die Einhaltung der Schutzmaßnahmen auf Schulwegen und in Transportmitteln sei nicht garantiert, in den Schulen fehlten Lüftungsanlagen. „Während in Österreich schulärztliches Personal in Schutzkleidung in Pavillons die Tests durchführen, sollen das in Unterfranken Lehrkräfte in FFP2-Masken und Kinder und Jugendliche in OP-Masken in ungesicherten Klassenzimmern durchführen“, ärgert sich der GEW-Bezirksvorsitzende. „Hier fällt uns auf die Füße, dass die Staatsregierung den Schulen keine Schulärzte gegeben hat, obwohl das seit 1999 Pflicht gewesen wäre.“ Eine Testpflicht sei per se nicht falsch. „Aber wir brauchen Pavillons vor den Schulen, außerschulisches Fach-Personal und Schutzkleidung“, fordert Nellen und fügt etwas pathetisch an: „Schickt uns die Bundeswehr oder das THW!“ Die werden wohl nicht anrücken, aber das BRK bietet seine Hilfe an. Schulungsangebote werden bereits angenommen, wie Geschäftsführer Felix Wallström berichtet. Er kann sich auch vorstellen, dass mobile Teams in Schulen vorbeikommen, wenn es sich logistisch regeln lässt. Dass manche Lehrkraft kein gutes Bauchgefühl hat, könne er absolut nachvollziehen. Das Risiko einer Ansteckung sei bei einer bloßen Beaufsichtigung des Tests und bei Einhaltung der Abstandsregeln und dem Tragen einer FFP2-Maske zwar gering. „Aber ich würde für meine Mitarbeiter nicht die Hand ins Feuer legen wollen.“