Aaron Pfitzer hat sich mehrere Betriebe angeschaut: Wo könnte er sein erstes berufliches Lehrjahr absolvieren? Entschieden hat sich der 17-jährige Baden-Württemberger für das Staatsgut in Schwarzenau. Eine gute Wahl, findet Aaron. „Der Betrieb ist vielseitig, man sieht Sachen, die man anderswo nicht sieht.“ Ganz offiziell bestätigt hat das kürzlich Staatsministerin Michaela Kaniber: Sie zeichnete das Staatsgut als vorbildlichen Ausbildungsbetrieb in der Landwirtschaft mit dem Staatsehrenpreis aus.

Im Ackerbau und in der Viehzucht ist es nicht anders als in vielen anderen Bereichen: So mancher Betrieb, der gerne ausbilden möchte, bekommt keinen Lehrling. 248 landwirtschaftliche Ausbildungsbetriebe gibt es in Unterfranken. „Aber wir haben zu wenig Lehrlinge“, sagt Anne Lutz, zuständige Bildungsberaterin an der Regierung. Etwa 20 Prozent der Ausbildungsstellen können nicht besetzt werden, schätzt sie.

Orientierungshilfe für Azubis

Attraktive Arbeitgeber mit guter Ausbildung sind da im Vorteil – und hier kommt der neu ins Leben gerufene Staatsehrenpreis ins Spiel. Er soll zum einen besondere Ausbildungsleistungen würdigen. Zugleich aber kann er den Auszubildenden als wichtige Orientierungshilfe dienen, wie Landwirtschaftsministerin Kaniber Ende Oktober bei der erstmaligen Verleihung in München erklärte.

Die Betriebe konnten sich für den Preis bewerben und sich einem Prüfverfahren unterziehen. Betriebsleiter Hartmut Dittmann und sein Stellvertreter Konstantin Röther überlegten nicht lange und meldeten das Staatsgut Schwarzenau an, gaben Einblick in ihre Arbeit, beantworteten viele Fragen, stellten sich und den Betrieb den Prüfern. Mit Erfolg: Die beiden Ausbilder gehörten zu den zehn Ausgezeichneten, die in München den Staatsehrenpreis erhielten.

Hartmut Dittmann und Konstantin Röther haben beide einst selbst in Schwarzenau ihre landwirtschaftliche Ausbildung absolviert und sich dann weitergebildet, bevor sie ins Staatsgut zurückkehrten. Inzwischen übernehmen sie selbst Verantwortung für die künftigen Landwirte. Betriebsleiter Hartmut Dittmann ist für die Wissensvermittlung rund um die Schweinehaltung zuständig, Konstantin Röther für die Außenwirtschaft, also den Ackerbau. „Aber wir sind nicht allein. Auch die anderen Mitarbeiter sind für die Lehrlinge da“, stellt Dittmann klar. Man könne sie immer fragen, sie vermitteln Wissen, erklären, unterstützen, beantworten auch Fragen rund um ihren eigenen Betrieb, den viele neben der Arbeit in Schwarzenau noch betreiben. Und da das Staatsgut bayernweit für die überbetriebliche Aus- und Fortbildung in der landwirtschaftlichen Schweinehaltung zuständig ist, sind auch die Fachlehrer vor Ort. „Den Staatsehrenpreis haben alle Mitarbeiter verdient, nicht nur wir“, betont Hartmut Dittmann.

Vier landwirtschaftliche Lehrlinge absolvieren gerade ihre Ausbildung in Schwarzenau, drei junge Männer und eine junge Frau. Wobei sie nicht die ganzen drei Jahre ihrer Ausbildung dort verbringen. Das erste Jahr ist generell ein Berufsgrundschuljahr, anschließend folgen zwei Jahre im Betrieb. Die kann man im gleichen Betrieb absolvieren, aber in der Regel wird nach einem Jahr gewechselt. „Das ist auch sinnvoll“, sagt Hartmut Dittmann, die Landwirtschaft sei sehr vielseitig, es gebe ganz unterschiedliche Bereiche, unterschiedliche Betriebe.

So unterscheidet sich auch das Staatsgut, in dem seit 1965 bis heute schon 218 angehende Landwirte und Landwirtinnen ausgebildet wurden, von vielen anderen Betrieben und privaten Bauernhöfen. Der Standort bietet eine breite Vielfalt und ermöglicht auch einen Einblick ins Versuchswesen, sei es bei der Fütterung und Haltung von Schweinen oder bei pflanzenbaulichen Versuchen oder in der Gülleforschung. „Die Auszubildenden helfen mit, betreuen die Versuche mit, sehen die Effekte“, so Dittmann.

Motiviert und interessiert

Aber, so machen beide Ausbilder deutlich: Mit der Vielfalt allein ist es nicht getan. „Die jungen Leute müssen auch Interesse zeigen.“ Wer möchte, kann zum Beispiel nicht nur alles über den gesamten Lauf der Schweinehaltung von der Fütterung bis hin zur Schlachtung kennenlernen, sondern auch Themen, die über den Ausbildungsinhalt hinausgehen. So ist es zum Beispiel möglich, für ein paar Tage mit den Auszubildenden in der Hauswirtschaft zu tauschen. Dann packen die angehenden Landwirte in der Küche mit an, die angehenden Hauswirtschafter schauen sich im Stall um.

Auch die Persönlichkeitsbildung ist Hartmut Dittmann und Konstantin Röther wichtig. Die jungen Leute wohnen in einer WG, müssen sich im Alltag arrangieren. Sie planen gemeinsam, wer an welchem Wochenende in den Stall geht, erfassen ihre Arbeitszeiten, organisieren selbst, wann Überstunden abgefeiert werden. Wenn etwas nicht klappt, greifen die Ausbilder ein. Der Kontakt zwischen den jungen Leuten und den Mitarbeitern ist eng, viele Azubis wenden sich auch Jahre nach ihrem Berufsabschluss noch an ihre ehemaligen Ausbilder, wenn sie fachliche Fragen haben oder einen Rat benötigen.

Aaron Pfitzer gehört zu denen, die das umfassende Angebot im Staatsgut zu schätzen wissen. Der 17-Jährige stammt aus einem Betrieb mit Schweinehaltung, geht seine Ausbildung sehr motiviert an, freut sich darüber, dass er „hier auch was machen darf“. Dittmann gibt das Kompliment zurück: „Er hat Lust auf den Beruf, ist bemüht und willig.“ „Das macht auch uns Ausbildern Spaß“, fügt Konstantin Röther an.

Sein zweites Betriebsjahr wird Aaron Pfitzer auf einem Hof bei Schwäbisch Hall absolvieren, auf dem es neben Mastschweinen und Muttersauen auch Rindermast gibt. „Man weiß ja nicht, was die Zukunft bringt“, sagt der junge Mann.

Ein Staatsgut mag andere Voraussetzungen bieten können als Privatbetriebe – doch dass die Ausbildung dort besser ist, ist nicht selbstverständlich, sagt Bildungsberaterin Anne Lutz. „Das hängt schon an den Personen.“ Wichtig sei bei Ausbildungen immer, dass die Lehrlinge nicht als bloße Arbeitskraft gesehen werden, sondern dass die Wissensvermittlung im Vordergrund steht, die Motivation dafür, sich für den weiteren beruflichen Werdegang bestmöglich aufzustellen, dass die jungen Leute auch Spaß an der Sache haben. Dass das auch auf Privatbetrieben und kleinen Höfen hervorragend funktioniert, beweisen die anderen neun Betriebe, die sich jetzt mit dem Staatsehrenpreis schmücken können, darunter unter anderem Norbert Götz aus Aschach im Kreis Bad Kissingen. Anne Lutz hofft, dass sich noch viele weitere Betriebe für den Preis bewerben – bis Ende Januar 2022 haben sie Zeit dazu.

Staatsehrenpreis

Der Staatsehrenpreis „Vorbildliche Ausbildung in der Landwirtschaft“ steht unter dem Motto „Fördern – Fordern – Voranbringen“. Er ist eine Gemeinschaftsinitiative des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der in der Ausbildung aktiven berufsständischen Verbände – dem Verband landwirtschaftlicher Meister und Ausbilder in Bayern (VLM) sowie dem Verband für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern (vlf). Ausgezeichnet werden Betriebe, die mit einem beispielhaften Konzept Maßstäbe für die Ausbildung von jungen Menschen setzen. In diesem Jahr gab es zehn Preisträger.

Bewerben können sich für den Staatsehrenpreis bayerische, staatlich anerkannte Ausbildungsbetriebe der Landwirtschaft. Sie müssen kein Mitglied eines berufsständischen Verbandes sein. Die Bewerbungsfrist läuft seit dem 1. November und dauert bis zum 31. Januar 2022. Die ersten 100 Bewerbungen werden in der Reihenfolge des Eingangs zum Bewerbungsverfahren zugelassen und in das Prüfverfahren aufgenommen. Bewerbungen sind ausschließlich online möglich.

Weitere Infos und Bewerbung unter www.vorbildliche-ausbildung.bayern.de