Sie hatten sich so darauf gefreut. Und die Vorbereitungen rechtzeitig begonnen. Aber Corona macht auch ihnen einen Strich durch die Rechnung. „Dann halt nächstes Jahr“, sagt Dominic Niedermeyer. Feiert die Siedlung halt ihren 101. Geburtstag mit Pauken und Trompeten.

Am 28. Mai 1921 erwarb Anselm Caliz ein Grundstück neben der Kreisgeflügelanstalt von der Stadt Kitzingen und fing an, ein Haus zu errichten. Das Datum gilt als Beginn der Kitzinger Siedlung. Vorher war die Fläche landwirtschaftlich genutzt oder verwildert. Mit Caliz begann die Besiedlung, die die Siedlung nach und nach zu Kitzingens einwohnerstärksten Stadtteil, mit derzeit fast 5500 Bewohnern machen sollte.

Bereits im Dezember 2019 hatten sich ein paar Enthusiasten getroffen, um die Feierlichkeiten vorzubereiten. Von Corona war da noch keine Rede. Und das Interesse war groß. Mehr als 40 Personen waren da, erinnert sich Niedermeyer, der in der Siedlung aufgewachsen ist, dort Fußball gespielt hat und ein paar Jahre Vorsitzender der Burschenschaft war. Niedermeyer hatte alle Vereine und Verbände angeschrieben und eingeladen, um ein Grobkonzept zu erarbeiten und Ideen zu generieren. Was macht die Siedlung aus? Wie kann das Jubiläum begangen werden? Fragen, die in einem Festkomitee vertieft werden sollten.

Finden kleinere Veranstaltungen statt?

Während der Pandemie fand noch ein Treffen statt – mit den geltenden Abstandsregeln. Online-Meetings waren in der Folge schwer umzusetzen. „Wir haben halt doch auch ein paar ältere Mitglieder“, sagt Niedermeyer. Bis zuletzt hatten die Mitglieder des Festkomitees gehofft, dass die Feier im Sommer über die Bühne gehen kann. „Aber jetzt mussten wir die Reißleine ziehen“, sagt Niedermeyer. Die Vernunft habe keine andere Lösung zugelassen. „Sehr schade“, meint der 28-Jährige. „Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“

So sieht das auch Sebastian Restetzki, der seit 2018 so genannter Quartiersmanager in der Siedlung ist und von Anfang an in die Planungen involviert war. Als Bindeglied zwischen Festkomitee und Stadt wollte er fungieren. „Die Bürgerbeteiligung war bei diesem Projekt von Anfang an groß“, freut sich Restetzki, der sich trotz der Absage kleinere Veranstaltungen wie Kunst- oder Pflanzaktionen in diesem Jahr durchaus vorstellen kann. „Es geht schließlich darum, an die Gründung der Siedlung zu erinnern“, sagt er. „Das große Fest holen wir dann im nächsten Jahr nach.“

In diesem Sommer mache es auch nach seinem Dafürhalten keinen Sinn. Selbst wenn die Inzidenz im Sommer unter 35 fallen sollte, könnten nach den jetzigen Bestimmungen maximal 200 Menschen zu einer Feier zusammenkommen. „Und wir wollen deutlich mehr Menschen aktivieren“, sagt der Quartiersmanager. Letztendlich soll möglichst jeder Siedler mitfeiern können.

99 Prozent des Festkomitees hätten die Absage befürwortet. „Auch die Stadtverwaltung ist für eine Verschiebung“, so Restetzki. Sobald die Rahmenbedingungen es zulassen, sollen die Planungen wieder aufgenommen werden. Ein Datum für den Nachholtermin steht bereits fest. Mitte Juni 2022 soll in der Siedlung groß gefeiert werden. Dann halt der 101. Geburtstag des größten Stadtteils.

Und wie sieht es mit den anderen Großveranstaltungen in Kitzingen aus? Frank Gimperlein hält sich bedeckt. „Mit absoluter Sicherheit kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen“, meint der Vorsitzende des Stadtmarketingvereins. Besonders zuversichtlich klingt er nicht, wenn es beispielsweise um den Kitzinger Frühling geht. „Ich denke, dass das Jahr 2021 ähnlich ablaufen wird wie 2020.“ Und da mussten alle großen Feste in der Stadt abgesagt werden.

Die aktuellen Einwohnerzahlen von Kitzingen: Gesamt: 23.496; Stadt Kitzingen: 11.719; Etwashausen: 2.888; Siedlung: 5.454; Hoheim: 716; Sickershausen: 1.100; Hohenfeld: 920; Repperndorf: 699.

Malbuchaktion

Sebastian Restetzki ruft alle Siedler auf, bei der Malbuchaktion mitzumachen. Und so geht es: Bilder in der Siedlung knipsen (Plätze, Gebäude, Straßenzüge, Weinberge....) und an sebastian.restetzki@stadt-kitzingen.de schicken. Etwa 40 Motive werden in eine Art Bleistiftskizze umgewandelt, als kleines Buch gebunden und an alle Interessierten als Malbuch ausgeteilt.