Der Weg hat sich gelohnt, die zusätzlichen Anstrengungen auch. In drei Monaten haben sie ihr Abitur in der Tasche. Vor drei Jahren war das nicht absehbar.

Felix Rüttger, Laura Knoblauch und Pryscilla Pennington haben sich im Sommer 2012 zusammen mit 17 anderen Schülern für ein schulisches Abenteuer entschieden. Sie haben Neuland betreten, schließlich waren sie die ersten Schüler einer Einführungsklasse im Landkreis Kitzingen. Das Armin-Knab-Gymnasium begrüßt seither jedes Jahr junge Menschen aus Realschulen, Wirtschaftsschulen und Mittelschulen, die sich einer neuen Herausforderung stellen wollen.

„Wer eine Mittlere Reife in der Tasche hat, der darf in die E-Klasse“, erklärt Axel Bernhard, der die Neuankömmlinge betreut. Der Mathelehrer ist selbst von dem Angebot begeistert. „Ich unterrichte sehr gerne in dieser Klasse“, sagt er. Die Motivation der einzelnen Schüler sei groß, die Klassen sind vergleichsweise klein.

20 Schüler sind im Premierenjahr gekommen, 35 waren es ein Jahr später. „Da konnten zwei Klassen gebildet werden“, erzählt Bernhard. In diesem Jahrgang sind es 18. Bis zu den Weihnachtsferien trennt sich erfahrungsgemäß die Spreu vom Weizen.

„Das reine Auswendiglernen langt hier nicht mehr.“
Laura Knoblauch, Schülerin der E-Klasse

Bis dann ist ersichtlich, wer die neuen Herausforderungen meistert. „Das sind die allermeisten“, versichert Schulleiterin Margit Hofmann. Lediglich zwei bis drei Schüler pro Jahrgang sind am Gymnasium überfordert.

„Ich habe mich hier sofort wohl gefühlt“, versichert Felix Rüttger aus Iphofen. Nach der Realschule wollte er eigentlich auf die FOS. In der Zeitung hat er allerdings von der E-Klasse gelesen. Die beinhaltet am AKG drei Jahre Spanisch. „Ich war oft in Spanien im Urlaub und wollte die Sprache eh lernen“, erzählt er. So einfach kann eine weitgreifende Entscheidung manchmal sein. Heute gehört Felix zu den Besten in der Kollegstufe. Seine Erfahrung: Wer ein Ziel vor Augen hat und es wirklich erreichen will, der kann es auch schaffen.

Pryscilla Pennington hatte das Ziel Gymnasium schon immer vor Augen. Zunächst besuchte sie aber die Mittelschule in Uffenheim. Seit zweieinhalb Jahren pendelt sie die mehr als 30 Kilometer einfach, lässt drei Stunden pro Tag auf der Straße. „Ich fand und finde es ziemlich schwer“, gesteht die 19-Jährige. Pryscilla musste vieles nachlernen. „Manche Fächer habe ich in der Mittelstufe gar nicht gehabt“, erinnert sie sich. Etwa eine Stunde Freizeit gönnt sie sich pro Tag. „Ansonsten wird gelernt.“

„Realschüler tun sich mit der Umstellung in der Regel am einfachsten“, bestätigt Axel Bernhard. Vor allem, wenn sie schon Französisch gelernt haben. „Dann können sie damit einfach weitermachen.“ Wer keine zweite Fremdsprache gelernt hat, der hat drei Jahre lang Spanischunterricht. Und tut sich in der Regel etwas schwerer.

Die zweite Fremdsprache, die Textanalysen in Deutsch sowie Fächer wie Chemie: Das sind die Stolperfallen für Schüler in der E-Klasse. Probleme bereiten aber nicht nur die Lerninhalte, sondern auch die Arbeitsweise.

„Hier wird eine komplett andere Herangehensweise gefordert“, bestätigt Laura Knoblauch. Dank ihrer Französisch-Vorkenntnisse fand sich die Rottendorferin relativ leicht in der E-Klasse zurecht. „Aber das reine Auswendiglernen langt hier nicht mehr“, sagt die Schülerin. „Man muss immer umdenken und weiterdenken.“

Transferleistung und analytisches Denken nennt das Frank Nehling, der die Schüler in der 12. Klasse betreut. Am Gymnasium geht es verstärkt darum, Lösungsstrategien zu entwickeln. „An diese Arbeitsweise werden die Schüler in der Einführungsklasse herangeführt.“ In der Kollegstufe können sie diese Methoden bereits anwenden. Und finden sich in der Regel gut zurecht.

„Es gibt hier viele Ansprechpartner.“
Felix Rüttger, Schüler der E-Klasse

Ganz viele starke Schüler haben den Durchmarsch von der E-Klasse bis kurz vors Abitur geschafft. Ein paar schwächere sind auch dabei. „Ein Mittelfeld fehlt komischerweise“, sagt Hofmann. Für sie ist die E-Klasse längst zu einer Bereicherung für das AKG geworden. Und für die Schüler war der Schritt aufs Gymnasium der richtige Weg. „Es gibt hier viele Ansprechpartner, man ist bemüht um jeden einzelnen Schüler“, lobt Felix Rüttger.

Wegen des bevorstehenden Abiturs hat er deshalb auch keine Bedenken. Weder für sich, noch für seine Weggefährten. „Ich glaube nicht, dass jemand durchfällt“, bestätigt Mitschülerin Laura Knoblauch. Auch wenn ein wenig Angst natürlich mitschwingt. Dafür bringen die ehemaligen Real- und Mittelschüler allerdings einen Vorteil mit, um den sie manch' ein Schulkollege derzeit noch beneiden dürfte: „Wir alle haben ja schon einmal eine Prüfung geschrieben“, erinnert Felix Rüttger.

Die Einführungsklasse

Voraussetzungen: Die Mittlere Reife, Notendurchschnitt ist egal. Am 30. September des Eintrittsjahres muss der Schüler jünger als 18. Jahre sein. Ein pädagogisches Gutachten der Vorgängerschule muss vorliegen. Dort sind beispielsweise das Lern- und Sozialverhalten des Schülers aufgeführt. In Bayern gibt es mittlerweile an rund 100 Schulen Einführungsklassen. *lrd*