Lore Zeiß kann sich noch gut erinnern. Ein zweiteiliges Kleid hat die Königin getragen. Zitronengelb. Anmutig ist Sirikit dem Flugzeug entstiegen und hat Kitzinger Boden betreten. „Das war für mich eine Sensation“, erinnert sich die Kitzingerin.

86 Jahre alt ist Lore Zeiß mittlerweile. Der 25. August 1966 ist ihr bestens in Erinnerung geblieben. In der Skagerrakstraße in der Kitzinger Siedlung hat sie damals gelebt. Gar nicht weit weg vom Flugplatz. Eines ihrer Kinder hat sie sich geschnappt und dann ging es los: ein echtes Königspaar anschauen.

„Trotz unfreundlichen Wetters war die Bevölkerung aus Kitzingen und Umgebung in hellen Scharen auf den Flugplatz geeilt, um am festlichen Empfang zu Ehren des thailändischen Königspaares teilzunehmen“, heißt es im entsprechenden Bericht dieser Zeitung am Folgetag. „Polizeibeamte in Gala-Uniform übernahmen den Ordnungsdienst.“ Ziel der Reise von Bhumibol und Sirikit war Bad Kissingen. Dort besuchten sie Bundespräsident Heinrich Lübke und dessen Frau Wilhelmine. Lübke hatte eine besondere Beziehung zu der Kurstadt in der Rhön. Insgesamt zehn Mal weilte er dort in den 1960er-Jahren. Beim vierten Besuch hatte er Repräsentationspflichten zu erfüllen. Das Königspaar aus Thailand galt damals als äußerst beliebt und wurde auf Schritt und Tritt von internationalen Boulevardmedien verfolgt. Auch in Kitzingen waren Reporter von Fernsehen, Hörfunk und Zeitung anwesend, als die beiden deutschen Boden betraten.

„Zu Tausenden war die Bürgerschaft auf der Kaiserstraße erwartungsfroh vereint (...) und bereitete Konrad Adenauer begeisterte Ovationen“
Aus der Kitzinger Zeitung vom 7. Juni 1961

Warum sie ausgerechnet in Kitzingen landeten? Doris Badel, Stadtarchivarin der Großen Kreisstadt, hat die Antwort: Logistisch lag der Flugplatz damals goldrichtig. Und so betraten etliche Prominente Kitzinger Flughafen-Boden: Franz-Josef Strauß, Kurt Georg Kiesinger, Ludwig Erhard oder Präsident Walter Scheel waren darunter. Am 18. Juli 1965 landete eine Maschine der Royal Air Force in Kitzingen. An Bord: Prinz Philip. Er wollte seine Schwester, Markgräfin Theodora, auf Schloss Langenburg im Hohenloher Land besuchen. Einen Tag später ging es per Direktflug zurück nach London.

Bhumibol und Sirikit fuhren vom Flughafen schnurstracks auf die Autobahn und nach Bad Kissingen. Vorher waren sie jedoch vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Oskar Klemmert, Landrat Oskar Schad und weiteren Honoratioren begrüßt worden. Aus München war der Generalkonsul Thailands angereist, aus Bonn der Militär- und Luftwaffenattaché. „Zwei Damen überreichten Königin Sirikit prächtige Rosenbuketts“, heißt es in der Zeitungsausgabe vom 26. August 1966. Und: „Offensichtlich war, dass sich die hohen Gäste sehr über den liebenswürdigen Empfang freuten.“

Lore Zeiß und viele andere Kitzinger haben das Ereignis aus rund hundert Meter Entfernung beobachtet. „Da war eine Absperrung aufgebaut“, erinnert sie sich. Ein paar hundert Leute hätten dahinter geduldig ausgeharrt – und wurden nicht enttäuscht.

Zwei Jahre zuvor war der Kitzinger Flugplatz schon einmal Ziel eines hohen Gastes. Bundespräsident Lübke hatte sich im Oktober 1964 eine Besichtigungsfahrt entlang der Zonengrenze in Nordbayern vorgenommen. Von Stuttgart aus flog er nach Kitzingen, stieg in einen Hubschrauber, um weiter nach Neustadt an der Saale zu gelangen. Vorher erhielt er von Oberbürgermeister Dr. Klemmert eine Kiste Bocksbeutel „als Ehrengabe“ überreicht. Wie der Chronist dieser Zeitung festhielt, „bekannte sich Lübke als Freund des edlen Frankenweines“. Er sei in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verschiedentlich durch Kitzingen gekommen und „habe mit Genugtuung und Bewunderung feststellen dürfen, dass der Aufbau der durch Kriegseinwirkung schwer betroffenen Stadt zusehends gedieh.“

Der erste Kanzler der Bundesrepublik landete ebenfalls in Kitzingen. Dr. Konrad Adenauer kam am 6. Juni 1961 auf dem Kitzinger Flughafen an, fuhr weiter nach Würzburg, wo er bei einer Veranstaltung des „Rings christlich-demokratischer Studenten“ über das Thema „Auch morgen in Freiheit leben“ sprach, um sich vor dem Rückflug im Goldenen Buch der Stadt Kitzingen einzutragen. „Zu Tausenden war die Bürgerschaft auf der Kaiserstraße erwartungsfroh vereint (...) und bereitete Konrad Adenauer begeisterte Ovationen“, heißt es in einem Bericht dieser Zeitung. Die 60er Jahre waren in vielerlei Hinsicht bewegend. Für Lore Zeiß und etliche andere Kitzinger sind sie auch deshalb in lebhafter Erinnerung geblieben, weil sie etliche Prominente zu Gesicht bekamen. Von Franz-Josef Strauß hat Lore Zeiß noch ein Autogramm. „Der hat im Colosseum eine Rede gehalten“, erinnert sie sich. „Ich bin einfach zum Fenster reingeklettert.“