Versteckte Schätze sind es, die an diesem Tag in der Kirchenburg gezeigt werden, denn im Normalfall liegen die historischen Messgewänder auf Brettern in Schränken. „Sie dürfen nicht lange hängen“, erklärt Mesner Henry Klopf, der maßgeblich für die Organisation der Ausstellung verantwortlich ist. „Das Garn würde brechen.“ Was niemand wollen kann, der auch nur einen kurzen Blick auf die Umhänge, die Stolen, Altartücher und Pallas wirft. An der Wand das Priestergewand, davor Altar- und Kelchwäsche, säuberlich aufgereiht stehen sie in der Ausstellungsscheune der Kirchenburg. „Ich war überrascht, dass noch die ganzen Sätze da sind“, sagt Henry Klopf. Schließlich stammen die Ausstellungsstücke aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, alle aus der Pfarrei St. Peter und Paul.

15 historische und 17 aktuelle Messgewänder sind zu sehen – in den verschiedensten Farben. Die richtet sich nach dem Kirchenjahr. Weiß und Gold stehen für Freude, Rot für Hoch- und Heiligenfeste, Grün ist das Alltagsgewand. Violette „Kaseln“ werden im Advent, in der Fastenzeit und in der Karwoche getragen – aber auch bei Beerdigungen. Das war nicht immer so. Früher trugen die Priester dabei schwarze Gewänder. Auch die sind in Tiefenstockheim zu sehen. Die Ausführung ist unterschiedlich. Von ganz schlicht für die Beisetzung einfacher Bürger, aufwändiger gestaltet für die Höhergestellten wie Bürgermeister und Schulleiter, kunstvoll bestickt mit Kreuz für Allerheiligen und Allerseelen.

Dieses Kreuz befindet sich in der Regel auf der Rückseite der Gewänder, und damit war es stets im Blick der Gläubigen, denn damals lasen die Priester die Messe am Hochaltar noch mit dem Rücken zum Volk.

Während die modernen Gewänder schlichter gestaltet sind, beeindrucken die historischen mit ihren detailreichen und bunten Stickereien und der einen oder anderen Besonderheit. Das Gewand aus grünem Seidenstoff, das Mitte des 18. Jahrhunderts entstand, hat beispielsweise nicht nur ein Blumenmuster und eine Silberborte, sondern auch ein gewachstes Futter, während alle anderen innen mit Stoff ausgelegt sind. Um die verschiedenen Darstellungen zu entdecken, muss man genau hinschauen – hier prangt ein Lebensbaum mit zwei Vögeln, dort ein aufwändiges Medaillon, hier ist Jesus beim Abendmahl zu sehen, dort Maria mit dem Jesuskind im Arm. Mal ist ein Kreuz mit Trauben umrankt, mal sind goldene Spruchbänder eingestickt, wie im roten Rauchmantel aus der Zeit um 1910. Aus feinstem Garn und unzähligen winzigen Stichen setzen sich die Darstellungen zusammen, bei den besonders aufwändigen Bildern dominiert Gold. Bei diesen Gewändern handelt es sich häufig um Geschenke, wie Henry Klopf erklärt: „Die wurden von Gemeindemitgliedern gestiftet.“

Wie ein Fremdkörper wirkt da auf den ersten Blick die Figur eines Kindes mit rotem Kragen und weißem Plüsch in der Ausstellung. Was an ein Weihnachtsmann-Gewand erinnert, ist eine mit Pelz besetzte Mozetta am Gewand des Ministranten. „Das durfte der Oberministrant tragen“, so Klopf, „und manchmal auch der Fahnenträger.“ Auch so also kann es aussehen, das Messgewand im Wandel der Zeit.

Die Ausstellung „Messgewänder im Wandel der Zeit“ ist im Rahmen des Patronats- und Pfarrfestes der Pfarrei St. Peter und Paul Tiefenstockheim am Sonntag, 3. Juli, von 13.30 bis 20 Uhr zu sehen.

Das Pfarrfest selbst beginnt um 10.15 Uhr mit dem Festgottesdienst, anschließend gibt es Mittagessen, Grillspezialitäten, Kaffee und Kuchen.