Kitzingen Eine Schule mit 120 Schülern und etwa 50 Mitarbeitern zu übernehmen ist schon in normalen Zeiten kein leichtes Unterfangen. Mittendrin im Corona-Jahr ist es eine ganz besondere Herausforderung. Cornelius Breyer hat sie angenommen. Und keinen Tag bereut.

Warum haben Sie sich für die Stelle als Schulleiter an der St. Martin-Schule in Kitzingen beworben?

Breyer: Die Schule genießt einen guten Ruf, was auch an der guten Arbeit meines Vorgängers Norbert Zinsmeister und seines Teams liegt. Ich war sieben Jahre lang Konrektor an der Franziskus-Schule in Schweinfurt. Es gab in dieser Zeit immer wieder Kontakte, ich hatte ein Bild von dieser Schule. Und das gefiel mir.

Mit welchen Zielen haben Sie diese Stelle angetreten?

Breyer: Zunächst einmal wollte ich das Leben und Lernen hier kennenlernen, Gespräche führen und viel beobachten. Aber von Anfang an gab es ja kein anderes Thema als Corona. Da ist es schwer, neue Gestaltungsideen umzusetzen.

Konnte der Unterricht in Corona-Zeiten stattfinden?

Breyer: Ja, wir haben ausschließlich auf Klassen-Unterricht umgestellt, um möglichst keine Durchmischungen der Altersstufen zu erlauben. Normalerweise lebt diese Schule von vielen Begegnungen, gemeinsamen Aktivitäten, auch Jahrgangsübergreifend. Das war seit Schulbeginn leider nicht möglich.

Keine Durchmischung bedeutet auch: kein Corona-Fall?

Breyer: Wir mussten leider drei Klassen in Quarantäne schicken. Für diese Schüler haben wir auf Home-Schooling umgestellt. Das ging ganz gut. In dieser Zeit haben wir wieder einmal gemerkt, wie wichtig ein intensiver Kontakt zu den Eltern ist. Dennoch gibt es Verbesserungsbedarf.

Inwiefern?

Breyer: Das digitale Klassenzimmer soll ausgebaut und perfektioniert werden. Wir haben im Sommer dank eines Sonderbudgets iPads angeschafft, im Moment statten wir alle Klassenzimmer mit Beamern aus.

In der St. Martin-Schule werden Kinder mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung unterrichtet. Wie gehen diese Kinder mit der besonderen Corona-Situation um? Mit der Unsicherheit und den Ängsten?

Breyer: Das ist kein einfacher Prozess für unsere Schüler und auch nicht für die Lehrkräfte. Es braucht viel Geduld und immer wieder die Rückmeldung, ob die Kinder alles richtig verstanden haben und richtig umsetzen. Ich habe großen Respekt vor meinen Kollegen, die sehr flexibel auf die Situation reagieren.

Sind die ständig wechselnden Vorgaben aus München ein Problem?

Breyer: In der ersten Welle sind die Förderschulen ein wenig in Vergessenheit geraten, jetzt werden wir vom Ministerium zumeist mitgedacht. Wir versuchen, die Vorgaben möglichst zielgerecht auf unsere Situation vor Ort anzupassen.

Das heißt?

Breyer: Bei uns haben alle Schüler vom Anfang des Schuljahres an Masken getragen, auch die Grundschüler. Die Lehrkräfte können die Pausen sehr flexibel wahrnehmen. Nicht zu einer vorgegebenen Zeit, sondern wenn es angebracht ist und der Pausenhof gerade frei ist. Ein Unterricht kann nur dann funktionieren, wenn alle Schüler emotional stabil sind. Das ist die Grundvoraussetzung, um ein Lernen überhaupt zu ermöglichen. Und für diese emotionale Stabilität müssen wir sorgen, bevor der Unterricht losgehen kann.

(Über die Lautsprecher erklingt plötzlich Weihnachtsmusik, dann lesen Kinderstimmen ein Gedicht vor. Breyer lächelt) Die Adventszeit ist eigentlich die Hochzeit für uns als Schulfamilie mit vielen gemeinsamen Terminen. Das ist heuer leider nicht möglich. Also haben wir uns einen Adventsgruß über die Lautsprecheranlage ausgedacht. Jeden Tag um 9.45 Uhr ist eine andere Klasse dran.

Die Regelschulen haben seit einiger Zeit auf Wechselunterricht umgestellt. Ab der 8. Jahrgangsstufe werden die Klassen geteilt und beide Gruppen im Wechsel in der Schule und daheim unterrichtet. Wie ist das bei Ihnen?

Breyer: Wir beschulen alle Schüler hier vor Ort. Das halte ich auch für den richtigen Weg. Viele Eltern können es gar nicht leisten, ihre Kinder daheim zu betreuen. Unsere älteren Schüler sind nicht so selbstständig, dass sie das alleine schaffen.

Das Land wurde ab November nach und nach runtergefahren. Die Schulen blieben offen. War das der richtige Weg?

Breyer: Ich bin uneingeschränkt dafür, die Beschulung aufrecht zu erhalten, solange es das Infektionsgeschehen zulässt. Das ist für unsere Schüler und für deren Eltern absolut richtig.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Breyer: Was sich alle wünschen: dass wir Corona endlich in den Griff bekommen und wieder freier leben können. Dann kann ich die Gesamtheit der Schulfamilie endlich noch besser kennenlernen und wir können gemeinsam einen Prozess für die Weiterentwicklung dieser Schule anstoßen. Im Moment sind alle Köpfe ausreichend mit Corona gefüllt.