Kitzingen Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Gerd Düll wird nach beinahe neun Jahren als Amtsleiter die Behörde wechseln. Von Kitzingen geht es ans Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürth/Uffenheim. Eine Reform macht diesen Schritt notwendig. Der 57-Jährige aus Brünnau wäre gerne in seinem Heimatlandkreis geblieben.

Frage: Mit welchen Gefühlen verabschieden Sie sich von dem Amt in Kitzingen?

Düll: Vor allem mit Wehmut. Der Landkreis ist mir ans Herz gewachsen, ich sehe mich als Vertreter des ländlichen Raums.

Wie haben Sie die letzten neun Jahre erlebt?

Düll: Als Phase des Umbruchs. Die Gewichtung unserer Arbeit hat sich mehr und mehr verschoben. Weg von der spezialisierten Beratung für Betriebe hin zu einer Beratung, die sich an gesellschaftlichen Themen orientiert.

Das heißt?

Düll: Wir haben hier am Kitzinger Amt fast 100 Mitarbeiter und beraten Landwirte weit über die Grenzen des Landkreises hinaus. In der Kleintierhaltung waren wir beispielsweise zuständig für ganz Nordbayern, bei den Betriebskontrollen für ganz Unterfranken und halb Oberfranken. Im Zentrum der Beratung standen immer die Bedürfnisse der Betriebe. Jetzt hat sich der Fokus geändert. Gesellschaftliche Themen wie die Biodiversität oder der Gewässerschutz prägen spätestens seit dem Volksbegehren Artenschutz vermehrt unser Handeln.

Mit welchen Folgen?

Düll: Die Mitarbeiter müssen flexibel und lernfähig sein – und vor allem motiviert bleiben. Das ist gar nicht so einfach, weil es keine klar definierten und messbaren Ziele mehr gibt. Früher wurden beispielsweise fünf Milchviehställe im Jahr geplant und gebaut. Es gab eine Einweihungsfeier und den sichtbaren Abschluss eines Projektes. Aber wie misst man die Zunahme an Biodiversität? Oder die Reduzierung des Nitrats im Grundwasser. Das ist ein sehr langwieriger Prozess. Kein Wunder, dass manche Kollegen verunsichert sind. Auf der anderen Seite ist die Landwirtschaft schon immer im Wandel begriffen gewesen.

Das Kitzinger Amt wird mit dem Würzburger zusammengelegt. Was verändert sich?

Düll: Für die Förster und den Bereich Ernährung wenig. Die größten Veränderungen wird es im Bereich Landwirtschaft geben.

Auch Personalabbau?

Düll: In der Summe nicht, aber es wird eine Verlagerung von erfahrenen Kollegen an die Regierungen beziehungsweise ans Ministerium geben. Damit gehen natürlich auch Kompetenzen auf dem flachen Land verloren.

Widerspricht das nicht den Plänen von Markus Söder für die Stärkung des ländlichen Raums?

Düll: Das haben Sie gesagt (lacht).

Welche Veränderungen haben Sie in den letzten neun Jahren besonders überrascht?

Düll: Die drei W: Wald, Wasser und Wolf. Ich habe mir bei meinem Amtsantritt im Januar 2013 nie und nimmer vorstellen können, wie es neun Jahre später um den Wald bestellt sein würde.

So schlimm?

Düll: Die Fichte wird sicher nicht überleben können und wie es um die anderen Arten im Jahr 2050 steht, ist schwer zu sagen. Das hängt letztendlich vom Grad der Erderwärmung ab. Der Waldumbau muss in unserer sehr trockenen Region noch schneller und konsequenter erfolgen als anderswo.

Und das Wasser wird zum raren Gut.

Düll: Das ist es längst. Die Bedeutung der Bewässerung ist auch so ein gesellschaftliches Thema, das wir nur gemeinsam lösen können.

Im Weinbau sind 30 Millionen Euro für drei Pilotprojekte locker gemacht worden. Aus der übrigen Landwirtschaft hört man nichts.

Düll: Flächen-Kulturen wie Weizen oder Mais können nicht bewässert werden. Dazu fehlt uns schlichtweg das Wasser. Aber im Obst- und vor allem Gemüsebau ist das ein riesengroßes Thema. In typischen Gärtnergemeinden am Main wie Albertshofen oder Segnitz sollten die gleichen Bewässerungsmethoden wie beim Weinbau möglich sein.

Also Wasser im Winter aus dem Fluss entnehmen und ortsnah speichern?

Düll: Genau. Dafür ist auch genug Wasser in den Wintermonaten vorhanden. Die Vorratsbehälter sind allerdings teuer.

Also ist es eine politische Frage, ob diese Speicher gefördert werden.

Düll: Es ist auch eine gesellschaftliche Frage. Wenn ich regionale Erzeugung will, Tomaten, Gurken und Salat aus Mainfranken, dann muss ich als Verbraucher auch für eine Förderung dieser Anlagen mit Steuergeldern sein. Die Alternative lautet: Anbau in Spanien, Transport nach Deutschland. Mit entsprechenden CO2-Bilanzen.

Und das dritte W, der Wolf? Der ist doch hier kein ernst zu nehmendes Problem?

Düll: Vor neun Jahren war er überhaupt kein Thema. Jetzt schon. Ich gehe davon aus, dass wir in drei Jahren den Wolf im Steigerwald haben. Die Population drückt immer stärker von Osten in den Freistaat hinein. Die Landwirte in Oberfranken und der Oberpfalz beschäftigt dieses Thema schon jetzt sehr. Unsere Berater haben dort beispielsweise fünf online-Seminare für den Herdenschutz angeboten. Insgesamt waren mehr als 600 Landwirte dabei.

Wie umgehen mit diesem sensiblen Thema?

Düll: Wölfe haben keine natürlichen Feinde, genauso wenig wie Nilgänse oder Raben. Der Mensch muss diese Tierarten regulieren. Wer sonst?

Sie werden all diese Themen künftig von Fürth und Uffenheim aus betreuen. Worauf sind Sie im Rückblick auf die Kitzinger Jahr stolz?

Düll: Ich bin tatsächlich stolz darauf, wie sich das Gelände rund um das Kitzinger Amt entwickelt hat. Wir haben schon vor dem Volksbegehren damit begonnen, auf Biodiversität zu achten, haben die Auszeichnung „Blühender Betrieb“ dafür erhalten. Wir sind als familienfreundliche und barrierefreie Behörde ausgezeichnet worden. Natürlich bin ich auch auf meine Mitarbeiter stolz und wünsche ihnen eine gute Zeit mit meinem Nachfolger.