Idee gut, Umsetzung fraglich und große Enttäuschung über Vandalen – auf diesen Nenner lässt sich eine Aktion an der Alten Mainbrücke bringen. Passanten, die über die Brücke zwischen Etwashausen und Kitzingen laufen, sind zwiegespalten: Einerseits freuen sie sich über die bunten Friedensgedanken, die noch am Geländer hängen, andererseits ärgern sie sich über die laminierten Zettel, die auf dem Brückenboden herumliegen oder in den Main hinuntersegeln.

Sabine Staab, Sozialpädagogin der Pfarreiengemeinschaft im Kitzinger Land, zeichnet zusammen mit Katrin Anger vom Kitzinger Caritasverband für die Aktion verantwortlich. Ihr Ziel war es, „den Menschen kleine Friedens-Impulse für ihren Alltag mitzugeben“. Auf dem Weg von einem Mainufer zum anderen sollten Friedensgedanken, so genannte „Friedensblüten“, die Menschen begleiten; jede Blüte dürfte auch gepflückt und nach Hause mitgenommen werden – allerdings erst ab dem 18. November, dem Ende der so genannten Friedensdekade.

So lange werden jedoch die wenigsten Zettel am Geländer der Alten Mainbrücke „überleben“. Etliche wurden bereits von Unbekannten abgerupft – und landeten im Main. Da das Papier laminiert ist und mit Plastikbändern am Brückengeländer angebracht war, ist das nicht nur Umweltfreunden ein Dorn im Auge. Viele Bürger verurteilen grundsätzlich die Unordnung. „Das schaut ja verwahrlost aus hier“, schimpfte zum Beispiel gestern Früh eine Dame, als sie inmitten der Brücke an zahlreichen abgerissenen Zetteln und Bändern vorbeikam.

Dabei hatten sich die Gestalter viel Mühe mit ihren „Friedensblüten“ gegeben. Verschiedene Gruppen von Ehrenamtlichen steuerten Gedanken, Verse, Gedichte und Geschichten zum Thema Frieden bei: unter anderem Ministranten, Pfadfinder, Mitglieder der Katholischen Jungen Gemeinde sowie Ehrenamtliche der Gemeindecaritas, etwa Helfer von „Eine Stunde Zeit“, der Sozialpatengruppe und des Internationalen Frauentreffs.

„Wir hatten gedacht, dass es gut hält, wenn man die Papiere laminiert. Wir haben die einzelnen Werke sogar noch ein bisschen verstärkt, weil bei einer früheren Aktion einige Objekte abgerissen waren“, sagt Sabine Staab. Die mutwillige Zerstörung enttäuscht sie sehr. „Wir hatten es uns so schön vorgestellt: Die Brücke als verbindendes Symbol – so wie ja auch Frieden die Menschen verbindet. Leider hat der eine oder andere Mensch, dem das Projekt nicht gefällt, uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Staab bedauert sehr, dass das, was für Frieden sorgen sollte, nun Unfrieden bringt.

Claudia Biebl, die Öffentlichkeitsbeauftragte der Stadt Kitzingen, betont unterdessen, es komme immer einmal wieder vor, dass nicht nach einer Genehmigung für derartige Aktionen gefragt werde; da es sich im konkreten Fall jedoch um eine Friedensinitiative handelt und Kitzingen heuer Schwerpunktdekanat der bayerischen Friedensdekade ist, werde man nicht gegen das Projekt vorgehen. „Generell gilt für die Alte Mainbrücke und den Marktplatz aber ein Plakatierverbot“, erklärt Biebl. „Einzelne Ausnahmen müssen immer direkt mit der Verwaltung abgestimmt werden.“ Eine solche Ausnahme seien die Schilder gewesen, die der Stadtmarketing-Verein in diesem Sommer am Geländer der Mainbrücke angebracht hat. Diese seien wind- und wetterfest. Und halbwegs Vandalen-sicher.